Anleger sollten bei der Auswahl des ETFs nicht nur auf die Gesamtkostenquote sondern auch die Tracking Differenz achten.

Es gibt zahlreiche Kriterien zum Vergleich und zur Auswahl von ETFs. Neben der Gesamtkostenquote, dem Spread, dem Fondsvolumen, der Liquidität oder dem Tracking Error sollten Anleger auch die Tracking Differenz im Auge behalten. 

Wer in einen ETF investiert, erwartet eine möglichst genaue Abbildung des relevanten Index. Ein Maß für die Abweichung vom ETF zum Index ist die sogenannte Tracking Differenz. Während der Tracking Error die Volatilität der Renditeunterschiede zwischen Referenzindex und ETF aufzeigt und somit Aufschluss über die Stetigkeit der Tracking Difference im Zeitverlauf gibt, misst die Tracking Differenz den Renditeunterschied zwischen einem Index und dem jeweils replizierenden ETF. Damit gibt er dem Anleger Aufschluss darüber, inwieweit der ETF eine höhere- oder geringere Rendite gegenüber dem Index erzielt hat.

Was beeinflusst die Tracking Differenz?

Bei physischen ETFs gibt es verschiedene Faktoren, die die Tracking Differenz prägen. Bei optimierten ETFs kommt es dabei tendenziell zu höheren Abweichungen. Denn hier wird der Indexkorb nicht vollständig nachgebaut. Kleinere Abweichungen sind daher kaum zu vermeiden. Bei ausschüttenden ETFs kann es grundsätzlich ebenfalls zu ungenaueren Abbildungen kommen. Sammeln sich etwa bis zum nächsten Ausschüttungstermin Barbestände an, würde bei steigendem Index der ETF hinterherhinken. Umgekehrt würden sich ETF-Anleger bei einem fallenden Index einen Teil der Verluste sparen. Einige Anbieter physischer ETFs machen von der Möglichkeit der Wertpapierleihe Gebrauch. So kann das Portfoliomanagement wieder Boden gut machen und gegen die laufenden Kosten ansteuern. Mögliche Stempelsteuern wirken dem aber wieder entgegen. Daneben können bei physischen ETFs aber in jedem Fall Transaktionskosten entstehen, wenn Indexänderungen entsprechende Anpassungen erfordern.

Viele Anleger bevorzugen physische ETFs. Doch synthetische haben gerade in Bezug auf die Tracking Differenz zweifelsohne ihre Vorzüge. Denn diese basieren auf sogenannten Swap-Geschäften. Das heißt, dem ETF-Anbieter sitzen ein oder mehrere Tauschpartner gegenüber. So lassen sich Indizes äußerst präzise nachbilden, da die Performance von den Vertragspartnern entsprechend „geliefert“ werden  muss. Größere Abweichungen sind in der Regel nicht zu erwarten – ein großer Vorteil synthetischer ETFs. Das reduziert von vornherein eine für Investoren ungünstige Tracking Differenz.

TER vergessen machen

Das Ziel von ETF-Anbietern muss also lauten, eine möglichst geringe Tracking Differenz zu erreichen. Einzelne ETFs weisen dabei aber sogar eine negative Tracking Differenz aus. In einem solchen Fall hat der ETF den Index sogar übertroffen. Dabei gibt es die verschiedensten Gründe für eine negative Tracking Differenz: die Verleihung von Wertpapieren, die für die physische Replikation verwendet werden, zusätzliche Ertragsquellen durch die Optimierung von Wertpapiertransaktionen, günstige Finanzierungsbedingungen der Kontrahentenbanken bei der synthetischen Replikation, ein privilegierter Marktzugang oder besonders vorteilhafte Anlagekonditionen.

Um eine ansehnliche Tracking Differenz zu ergattern, eignen sich wie bereits angedeutet ganz besonders synthetische ETFs. Und hier gerade jene, die den US-amerikanischen Aktienmarkt nachzeichnen. So gibt es gleich mehrere ETF-Anbieter, die gerade bei synthetisch replizierenden Produkten auf den S&P 500 eine negative Tracking Differenz ausweisen.

Besonders gut lief es in dieser Hinsicht für Anleger, die auf den BNP Paribas Easy S&P 500 (WKN: A1W4DP) gesetzt haben. Zwischen den Jahren 2011 und 2017 ergibt sich im Mittel eine Tracking Differenz von -0,37 Prozent. Im Durchschnitt war der ETF also pro Jahr 0,37 Prozentpunkte besser als der Index. In den Jahren 2016 und 2017 waren die Werte mit -0,8 bzw. -0,6 besonders signifikant.

Um beim US-Beispiel zu bleiben: Hier gibt es bei synthetischen ETFs erhebliche Vorteile bei der Quellensteuer auf US-Dividenden. Die Quellensteuer beträgt nämlich grundsätzlich 30 Prozent bei Erträgen, die aus den USA stammen. Die negative Tracking Differenz des BNP Paribas Easy S&P 500 rührt auch daher, dass der Index ein Net Return Index ist (15 Prozent Quellensteuer unterstellt) und ein ETF auf Swap-Basis (synthetische Replikation) keine Belastung hat. Diese beiden Aspekte waren mit ausschlaggebend für die Outperformance gegenüber physischen ETFs aber auch gegenüber dem Index selbst.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.