Prognosen für das Börsenjahr 2017
Kai Hattwich, Portfoliomanager und Mitglied des Anlageausschusses der quirin bank.

Neues Spiel, neues Glück, oder neues Jahr, neue Prognosen, könnte man sagen. Denn aktuell ist wieder Prognosezeit. Kaum eine Bank, ein Analystenhaus oder ein Vermögensverwalter, der keine Prognose für das Jahr 2017 veröffentlicht hat oder noch veröffentlichen wird. Doch bringen Prognosen überhaupt einen Mehrwert für Anleger?

Anhand der folgenden – zeitlosen – Prognosen möchte ich Ihnen die Problematik der prognosegetriebenen Geldanlage näher bringen.

Prognose Nr. 1: Irgendwer wird es ganz bestimmt gewusst haben.

Sollte es einen Aktien-Crash geben, hat ihn sicher irgendjemand auch vorhergesagt – genau so, wie die 10 Crashs davor, die nicht eingetreten sind. Ein wahrer Klassiker: An den Finanzmärkten passiert etwas nicht Alltägliches und schnell finden wir in den Finanzmedien auch den passenden Experten, der uns erklärt, dass das alles vollkommen logisch und vorhersehbar war. Wie oft besagter Experte vorher schon mit seinen Prognosen oder gar ähnlich gelagerten Crash-Prophezeiungen falsch lag und wie viele andere Experten in diesen Zeiten richtiger lagen, spielt keine Rolle mehr. Es handelt sich hierbei um ein typisches psychologisches Muster, denn unser Gehirn tut sich grundsätzlich schwer mit Dingen wie Unsicherheit und Zufall. Wir brauchen Gründe – und seien sie noch so vordergründig oder leer. Ein Grund ist besser als keiner – selbst wenn es ein schlechter ist – und ein Mensch, der anscheinend über höheres Wissen verfügt beruhigt uns. Es handelt sich jedoch nur um eine gefühlte Sicherheit. Wären diese Experten dauerhaft so treffsicher, wären sie so  vermögend, dass sie ihren Reichtum vermutlich schon unter Palmen genießen würden –  aber sie säßen nicht in den TV-Studios oder Redaktionsstuben dieser Republik.

Gleiches gilt übrigens, wenn 2017 ein super Aktienjahr wird. Es wird Experten geben, die Recht hatten mit Sätzen wie »Die Aktienhausse musste ja angesichts [aktuelles Geschehnis einsetzen] so weiter gehen.« Bei einer Seitwärtsbewegung der Aktienmärkte werden Sie Experten finden, die zu Beginn des Jahres richtig lagen mit Sätzen wie »Nach den letzten Jahren ist eine Verschnaufpause nur eine Frage der Zeit.«

Prognose Nr. 2: 2017 wird das Jahr der [beliebige Region einsetzen].

Mit Sicherheit wird es auch in 2017 eine bestimmte Region geben, deren Aktienmarkt sich besser entwickelt als die anderen. Treffsichere Prognosen hierüber gibt es aber auch in 2017 nicht. Als strategische und gut diversifizierte Investoren brauchen Sie sie auch nicht.

Prognose Nr. 3: In 2017 werden bestimmt aktive Managementstile hervorstechen.

Auch dieses Jahr gibt es sicher wieder ein paar tolle und trendige Produkte, die sie auf keinen Fall verpassen sollten – findet jedenfalls die Fraktion der Geschichtenerzähler und Verkäufer prognosegetriebener Ansätze. Bevorzugt werden die Geschichten über ausgebuffte Manager sein, die mehr wissen als der Markt. Oder Geschichten über tolle Risikomodelle, die angeblich das schaffen woran zuvor alle anderen ebenso tollen Modelle scheiterten.

Aus unserer Erfahrung lässt sich sagen, dass 98 % dieser Manager im langfristigen Vergleich mit inhaltlich passenden ETFs alt aussehen. Sie wollen mehr als unsere Erfahrung? Der Indexanbieter S&P Indices veröffentlicht jedes Jahr die sogenannte SPIVA Scorecard, die das systematische Versagen dieser prognosegetriebenen Ansätze dokumentiert.

Meine persönliche Prognose für das Jahr 2017

Eine Prognose wage ich zum Schluss dennoch: Die meisten Prognosen für das neue Jahr werden nicht eintreffen. Ganz so, wie in den vergangenen Jahren auch.

Genau deshalb bedeutet prognosefreies Investieren mit quirion ( Zum Testbericht) einen Paradigmenwechsel für die Kapitalanlage: Nicht das Übertreffen der Marktentwicklung ist das lohnendste realistische Ziel, sondern die möglichst exakte Partizipation daran. Dies geschieht am besten über global diversifizierte Portfolios, die nachgewiesene Faktorprämien berücksichtigen und vereinnahmen.

Wenn die Zeiten unsicherer werden, gilt es im Rahmen dieser Investmentphilosophie Kurs zu halten, also investiert zu bleiben. Die Börsengurus, selbsternannten Experten und andere Geschichtenerzähler sind in diesen Zeiten die Sirenen, denen wir widerstehen müssen um nicht in die Spekulation zurück zu fallen.

Frohes neues Jahr und viel Erfolg bei Ihren Investitionen.

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Mehr über quirion ( Zum Testbericht) gibt es auf der Themenseite des Anbieters. Übersicht über alle derzeit in Deutschland aktiven Robo-Advisor. Dazu passt auch das Interview „quirion: „Unser Investmentansatz funktioniert“„.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.