Auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim diskutierte Markus Kaiser mit ETF-Experten über digitale Geldanlagelösungen.

Beim fünften ETF-Panel auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim diskutierte Markus Kaiser, ETF-Pionier und Fondsmanager des Vermögensverwalters StarCapital, mit führenden Vertretern der ETF-Branche über  die jüngsten Entwicklungen in der Finanzindustrie. Im Mittelpunkt der Diskussionsrunde stand die Frage, ob die digitalen Geldverwalter, in der Fachsprache Robo-Advisors genannt, das Beratungsgeschäft tatsächlich revolutionär verändern oder ob es sich hierbei eher um eine evolutionäre Weiterentwicklung bereits bestehender Konzepte im Portfoliomanagement und Vertrieb handelt.

In seiner Anmoderation erläuterte Markus Kaiser, warum er seit mehr als 17 Jahren börsennotierte Indexfonds (ETFs) in der Vermögensverwaltung einsetzt. „Unsere Anlagestrategien werden aktiv gemanagt und sind auf eine flexible Steuerung der Vermögensallokation ausgerichtet; ETFs sind dafür bestens geeignet. Die Anlageentscheidungen basieren auf festen Regeln, denen wissenschaftliche Erkenntnisse und langjährige Erfahrungen zu Grunde liegen“, ließ Kaiser die über 400 Besucher des ETF-Panels wissen. Dabei ginge es ihm vor allem darum, über computergestützte Anlageprozesse subjektive und emotionale Entscheidungen auszuschalten. Sein Investmentansatz sei also seit vielen Jahren bereits eine Art „Robo“, so Kaiser weiter. Die Diskussionsrunde wurde mit der zentralen Frage eröffnet, ob Robo-Advisor für die Geschäftsmodelle von Finanzberatern mehr Fluch oder Segen sind.

In bestimmten Einsatzbereichen haben digitale Lösungen höhere Trefferquote

Dirk Fischer, Geschäftsführer der Patriarch Multi-Manager GmbH hat längst erkannt, dass quantitative Anlagelösungen eine gute Alternative zum Faktor Mensch darstellen und in bestimmten Einsatzbereichen auch eine deutlich höhere Trefferquote und Ergebnisplanbarkeit an den Tag legen. Patriarch setzt auf Diversifikation und bietet Finanzberatern an, über die eigene Robo-Advisor Plattform „Truevest ( Zum Testbericht) die Anlagestrategien der Vermögensverwalter DJE Kapital AG und StarCapital AG im Rahmen ihrer Geschäftsmodelle auch online einzusetzen. Dirk Fischer macht daraufhin den Finanzberatern ein Angebot: „Finanzberater können unseren Robo-Advisor als sogenannte „Tippgeber“ nutzen, um Zielgruppen anzusprechen, die sie im klassischen Beratungsgeschäft erst gar nicht erreichen würden“.

Robo-Adisors: Geringe Einstiegshürden und verständliche Anlagelösungen

Aus Sicht von Heike Fürpaß-Peter, Head of Public Distribution Lyxor ETF Germany & Austria bieten Robo-Advisors vor allem eine moderne Vertriebsplattform. „Geringe Einstiegshürden und verständliche Anlagelösungen deren Entwicklung vom Anleger jederzeit online eingesehen werden kann, spricht insbesondere die jüngere Generation an, für die das Smartphone längst zur zentralen Steuerungseinheit im Alltag geworden ist“, erläutert die ETF-Expertin und fügt hinzu, dass sich die wenigsten Anleger selbst mit Marktveränderungen auseinandersetzen wollen.

Portfoliosteuerung bei Deutscher AM bleibt menschlich

Auch die Deutsche Asset Management lässt der zunehmende Wettbewerb durch moderne Finance Startups, auch „Fintechs“ genannt, nicht kalt. Roger Bootz, Leiter des ETF-Drittvertriebs EMEA erläutert, dass die Deutsche Asset Management ihren Human Robo „WISE“ (White Label Investment Software Engine) längst auf den Weg gebracht hat. Diese Lösung wird über Vertriebspartner Privatkunden angeboten. „Der Vertriebsprozess läuft völlig digital“, erläutert der ETF-Experte begeistert und fügt hinzu: „Die Portfoliosteuerung hingegen bleibt menschlich und basiert auf dem CIO-View der Deutschen Asset Management“.

Anleger  sollten sich genau über Funktionsweise digitaler Anlagelösungen informieren

Doch die digitalen Anlagelösungen stehen auch vor Herausforderungen. So ist sich Thomas Meyer zu Drewer, Geschäftsführer Comstage ETFs sicher, dass ein individuelles Beratungsgespräch schwer zu ersetzen ist, da sich die persönliche Situation eines Anlegers über standardisierte Online-Fragebögen weit weniger aussagekräftig erfassen lässt. Der ETF-Experte fügt hinzu, dass der Erfolg der Robo-Advisors an deren Robustheit in verschiedenen Marktphasen zu messen sein wird. „Der Blick in den Rückspiegel bietet zwar eine gute Vergleichsmöglichkeit, doch welcher Algorithmus tatsächlich funktioniert, müsse sich noch zeigen“, ruft zu Drewer die Finanzberater und Anleger auf, sich genauestens über die Funktionsweise der digitalen Anlagelösungen zu informieren.

Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten – Lackmustest steht bei nächster Börsenkorrektur aber noch bevor

Die Experten sind sich einig, dass die Digitalisierung in der Investmentbranche nicht mehr aufzuhalten ist. Digitale Prozesse führen zu mehr Effizienz im Portfoliomanagement und in der Verwaltung. Für Berater ergeben sich im Vertrieb ganz neue Möglichkeiten. So können sie einfach und unkompliziert als Tippgeber agieren und neue Kundengruppen gewinnen. Die Bewährungsprobe für eine Vielzahl der Robo-Advisors stehe allerdings noch aus, da viele Angebote in einem steigenden Aktienmarkt konzipiert wurden. Spätestens bei der nächsten Börsenkorrektur wird sich vermutlich die Spreu vom Weizen trennen.

Alle Angebote der in Deutschland angebotenen digitalen Vermögensverwalter mit den jeweiligen Testergebnissen finden Sie in unserer Übersichtstabelle.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.