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Dr. Seibold Marktkommentar: Buy in May – up and away

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Schon mehrmals hat Dr. Seibold Capital an dieser Stelle gewarnt, dass der Euro in der jetzigen Form nicht lange überleben wird. Nun überschlagen sich die Ereignisse. Es deutet vieles darauf hin, dass es nun schnell gehen könnte. Nur kurz nachdem Portugal seinen Vorgängern Griechenland und Irland unter den EU-Rettungsschirm gefolgt ist, steigt in Finnland, den Niederlanden, aber auch in Deutschland der Widerstand gegen ein bloßes „Weiter so!“.

Sehr teuer wird es für die Steuerzahler in den finanzkräftigen EU-Staaten so oder so. Jetzt bleibt nur die Frage, wie man einen Mechanismus findet, damit es kein Fass ohne Boden wird. Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro ist nur eine von mehreren Optionen. Warum man in dieser Situation auf den Aktienmarkt schauen sollte, ist nicht direkt eingängig. Es gibt aber einige Argumente, dass wir vor einigen guten Börsenmonaten stehen könnten. Weshalb, möchte ich im Folgenden erläutern.

Kernpunkte

Schuldenkrise bleibt

  1. Griechenland bekommt seine Schulden nicht in den Griff und braucht weitere Hilfen
  2. Aus diesem Grund wird die Europäische Zentralbank bei ihrer extrem lockeren Geldpolitik bleiben
  3. Das bedeutet, dass Investoren weiter Geld praktisch zum Nulltarif leihen und in den Kapitalmärkten einsetzen können

Aktien könnten Rohstoffe ablösen

  1. Der Kursrutsch bei Rohstoffen zeigt, dass der Anstieg wohl übertrieben war
  2. Die Alternativen für Investoren: Geldmarkt bietet nur niedrige Zinsen, Anleihen notieren auf Allzeit- Hoch
  3. Dagegen bieten Aktien aus etablierten Märkten (USA, Europa) Beteiligungen an sehr profitablen Unternehmen bei Bewertungen, die im historischen Vergleich unter dem Durchschnitt liegen

Buy in May – up and away

Das einzige, was man sicher aus den nicht ganz so geheimen Treffen der EU-Finanzminister herauslesen kann: Griechenland bekommt seine Schulden nicht in den Griff. Wie auch immer die politischen Konsequenzen aussehen werden – damit ist sicher, dass auch die Europäische Zentralbank trotz des ersten Mini-Zinsschritts erst einmal an einer sehr lockeren Geldpolitik festhalten wird. Griechenland hängt wie Irland, Portugal und viele andere an der Droge des billigen Geldes. Wohin das führt, wenn Zentralbanken hunderte Milliarden US-Dollar und Euro fast zum Nulltarif zur Verfügung stellen, konnte man in den vergangenen Monaten und Jahren am Rohstoffmarkt sehen. In nahezu jedem Segment von Gold über Öl bis Weizen und Kupfer stiegen die Preise. Sicher gab es einen grundlegenden Trend von hoher Nachfrage und begrenztem Angebot. Ohne die Zentralbank-Milliarden wären die Preise aber wohl nicht so stark gestiegen. Doch auch dieser liquiditätsgetriebene Trend hat seine Grenzen, wie man Anfang Mai sehen konnte. Die Preise beispielsweise für Silber oder Rohöl fielen in kurzer Zeit dramatisch. Da sich die ökonomischen Rahmendaten nicht verändert haben, liegt die Vermutung nahe, dass kurzfristig ausgerichtete Anleger ihre Gewinne mitgenommen haben. Die spannende Frage ist, in welcher Anlageklasse sie sich nun engagieren werden. Der Geldmarkt ist angesichts der niedrigen Zinsen nicht interessant, Anleihekurse bewegen sich auf einem Allzeithoch. Es spricht viel dafür, dass viel Geld in den kommenden Monaten in den Aktienmarkt fließt und so für steigenden Kurse sorgen könnte. Um gleich einem Vorurteil entgegen zu treten: Im Gegensatz zu der viel zitierten Börsenweisheit „Sell in May“ (verkaufen im Mai) ist ein Einstieg in den Aktienmarkt im Mai oft sogar vorteilhaft.

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Jedoch sollte eine Monatsstatistik keinesfalls als Begründung für ein Aktienengagement herhalten. Allerdings gibt es einige handfeste Gründe, weshalb die milliardenschweren Kapitalsammelstellen – Staatsfonds, Versicherungen, Private-Equity-Fonds, Pensionskassen – sich verstärkt dem Aktienmarkt zuwenden könnten. Die Unternehmen aus dem US-Bluechip- Index S&P 500 weisen 2011 Quartalsgewinne aus, die bereits fast wieder an die Zahlen des Wirtschaftsaufschwunges 2005/2006 reichen (siehe Grafik unten). Allerdings notieren die Aktien derselben Unternehmen wesentlich niedriger als zu den Zeiten vor der Finanzkrise. Zudem haben viele Unternehmen sich deutlich verschlankt, Stellen abgebaut und ihre Profitabilität deutlich gesteigert. Kommen die Rohstoffpreise weiter zurück, wäre das auch positiv für viele Unternehmen, da ihre Einkaufskosten sinken.

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Außerdem spricht für die Anlageklasse Aktien, dass Unternehmen in der Lage sind, eine steigende Inflation über eine Erhöhung ihrer Marktpreise zumindest aufzufangen. Denn als langfristige Folge der lockeren Zentralbankpolitik wird es sehr wahrscheinlich zu einer höheren Inflation kommen. Dann haben Aktien oder auch Immobilien und Agrarland einen deutlichen Vorteil gegenüber allen nominalen Anlagen wie Geldmarkt oder Anleihen.

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