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Dr. Seibold Marktkommentar – Der Weg in die Krisenökonomie

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„Wir sollten uns von der gescheiterten Vorstellung der inhärenten Stabilität, Effizienz und Sicherheit nicht regulierter Märkte verabschieden und erkennen, dass Krisen ein fester Bestandteil der Wirtschafts- und Finanzwelt sind. Leider klammern sich viele ansonsten durchaus intelligente Menschen an die Überzeugung, dass die zurückliegende Krise nicht vorhersehbar war (…) Wir können natürlich warten, bis diese unverwüstliche Selbstzufriedenheit durch einen neue Finanzkatastrophe endgültig zerstört wird. Oder wir freunden uns mit einer neuen wirtschaftlichen Realität an: der Krisenökonomie.“

Dieser Abschnitt stammt von dem Wirtschafts-Professor Nouriel Roubini aus dem aktuellen Buch „Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft“, das er zusammen mit dem Historiker Stephen Mihm verfasst hat. Selten zuvor hat ein Wissenschaftler meiner Meinung nach so stringent die Probleme der Weltwirtschaft zusammengefasst und Schlüsse daraus gezogen.

Folgende Punkte sind für die Argumentation Roubinis zentral: Erstens kommt die aktuelle Entwicklung, die sich gerade von einer Finanz- zur Verschuldungskrise ausweitet, nicht überraschend. Neben Roubini warnten davor seit Jahren William White, Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Stephen Roach von Morgan Stanley, die Wissenschaftler Kenneth Rogoff und Robert Shiller, um nur einige zu nennen. Zweitens ist die Krise auch nicht so ungewöhnlich, wie es Politiker jetzt behaupten. Die Historie kennt zahlreiche Spekulationsblasen, die sich zu Bankenkrisen und schließlich Staatsbankrotten ausgeweitet hatten. Drittens gibt es nicht „die“ Ursache für die aktuelle Malaise. Kreditfinanzierte Spekulation in zahlreichen Ländern und Branchen über Jahrzehnte hinweg hat die Welt dorthin geführt.

Roubini fordert tief greifende nationale und internationale Reformen. Die aktuelle Gesetzesinitiative von US-Präsident Barack Obama geht genau in die erwartete Richtung: Strengere Aufsicht, Börsenhandel von Derivaten, Transparenz bei Rating-Agenturen. Eine Trennung einzelner Geschäftsbereiche von Finanzkonzernen – Geschäftsbank, Investmentbank, Beteiligungsgeschäft, Hypothekenfinanzierung etc – in eigenständige Gesellschaften wäre nach Ansicht von Roubini der nächste logische Schritt. Aber auch international müsse wesentlich mehr geschehen, beispielsweise eine Stärkung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Denn die nächsten Krisen zeichnen sich bereits deutlich ab. An erster Stelle stehen die überschuldeten Industriestaaten und der Niedergang des US-Dollars als Leitund Reservewährung.

Die mit großen Unsicherheiten behafteten Aussichten für die Weltwirtschaft und damit für Aktien-, Rohstoff- und Rentenmärkte bestätigen uns bei Dr. Seibold Capital, der flexiblen, nicht an Benchmarks ausgerichteten Anlagestrategie treu zu bleiben. Wie an unserem Flaggschiff, dem Aktiv Constant Profit Global UI, zu sehen ist, steht für uns gerade in Krisenzeiten der Erhalt des Kapitals an erster Stelle.

Drei Fakten über die Krise

  1. Sie kam nicht überraschend. Zahlreiche Ökonomen und Analysten haben seit Jahren davor gewarnt.
  2. Sie ist nicht einzigartig. Für Spekulationen, verbunden mit riskanter Kredit-Finanzierung und lascher Aufsicht, gibt es viele Beispiele.
  3. Es ist keine USHypothekenkrise. In vielen Ländern (Island, Dubai, Spanien, Japan etc.) sind eigene Krisen entstanden, die sich nun gegenseitig verstärken.

Die nächsten Kandidaten

  1. Verschuldung der Industriestaaten. Wie Griechenland könnten bald USA, Japan und Deutschland unter Druck Geraten.
  2. Niedergang des Dollar. Die Vormachtstellung der Reservewährung US-Dollar Bröckelt.
  3. Schwellenländer wie China und Brasilien sind nicht unverwundbar, eine Rezession dort hätte ernste Folgen für die Weltwirtschaft.
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