Emerging Markets 2.0

Die Globalisierung hat die Börsenlandkarte neu geordnet. Auf der einen Seite die Developed Markets, also die Industriestaaten, mit der Troika USA, Westeuropa und Japan. Auf der anderen Seite die Emerging Markets. Hierzu zählen aufstrebende Volkswirtschaften wie die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Und dann gibt es schließlich noch die Frontier Markets.

In diese Kategorie fallen Länder, die in ihrer Wirtschaftsentwicklung noch nicht den Stand eines Emerging Markets erreicht haben. Sie stehen also erst an der Grenze (Frontier) zu einem Emerging Market.

Was ist ein Frontier-Staat?

Frontier-Länder weisen zumeist ein hohes Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum auf. Auf der anderen Seite sind die Pro-Kopf-Einkommen gering, die politische Lage ist häufig instabil und die Kapitalmärkte sind nur unterdurchschnittlich entwickelt. Typische Vertreter dieses Segments kommen üblicherweise aus Afrika (Tunesien, Nigeria oder Kenia) oder aus Asien (Vietnam, Kasachstan oder Bangladesch). Dass die Einordnung aber auch etwas weiter ausgelegt werden kann, zeigt der Index-Anbieter MSCI Barra. So werden im MSCI Frontier Markets Index auch Länder aus Osteuropa (Serbien, Ukraine), Südamerika (Argentinien) und dem Mittleren Osten (Kuwait, Oman) dieser Kategorie hinzugerechnet.

Schattendasein

An der Börse führen diese auch als Pioniermärkte bezeichneten Regionen eher ein Schattendasein. Ganz im Gegensatz zu den Emerging Markets, die sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen können. Insbesondere in die BRIC-Staaten floss und fließt reichlich Anlegerkapital. Die meisten Frontier-Länder werden dagegen trotz beachtlichen Wirtschaftswachstums links liegengelassen. Und so überrascht es nicht, dass ihre Börsenperformance mangels Investorengeldern der Kursentwicklung der Emerging Markets deutlich hinterherläuft (siehe Vergleichsschart).

Erstaunliche Bewertungsunterschiede

Allerdings hat der Aktienboom in den Emerging Markets zu relativ hohen Bewertungen geführt. So notieren zum Beispiel chinesische A-Shares im Schnitt mit dem 16-Fachen des Gewinns. Noch teurer sind indische Aktien. Frontier-Märkte sind dagegen vergleichsweise günstig zu haben. So wird der MSCI Frontier Markets Index zum Eineinhalbfachen des Nettobuchwertes der Unternehmen gehandelt – das ist ein Abschlag von knapp 30 Prozent gegenüber dem MSCI Emerging Markets Index. Eine ähnlich große Bewertungslücke klafft beim KGV: Beim MSCI Frontier Markets beträgt diese Kennziffer derzeit lediglich 9,2 – während die Emerging Markets mit einem Wert von 11,9 deutlich teurer sind.

Beginn eines Booms der Frontier-Märkte?

Infolge der Bewertungsunterschiede halten es Aktienexperten für möglich, dass sich die Investoren in Zukunft verstärkt den Frontier Markets zuwenden, zumal die Liquidität weiterhin hoch und die Zinsen niedrig sind. „Möglicherweise erleben wir den Beginn einer Ära, in der die kleinen Märkte den anderen die Schau stehlen“, sagt der bekannte Schwellenmarkt-Experte Antoine van Agtmael. Sie seien noch nicht ganz entdeckt, aber trotzdem vielversprechend. Was aber auch klar ist: Frontier-Märkte sind nichts für schwache Nerven. Die Risiken sind hoch, sowohl was die ökonomische Stabilität als auch was die Liquidität und Transparenz an den Kapitalmärkten angeht.

Wie sich investieren lässt

Für große Depots bieten sich trotzdem maßvoll dosierte Satelliten-Investments an (Anteil am Portfolio: max. 3 Prozent). Eine Möglichkeit, über die gesamte Bandbreite in das Frontier-Segment zu investieren, stellt zum Beispiel der MSCI Frontier Markets ETN von RBS dar (ISIN: NL0009360817). ETNs (Exchange Traded Notes) sind börsengehandelte Schuldverschreibungen des Emittenten und diese stellen im Unterschied zu ETFs kein Sondervermögen dar. Wer auf diesen Punkt nicht verzichten will, findet im S&P Select Frontier ETF von db x-trackers eine Alternative (ISIN: LU0328476410). Allerdings ist der S&P Frontier Index mit 40 Unternehmen aus 18 Frontier- Ländern nicht so breit aufgestellt wie der Konkurrenzindex von MSCI (183 Unternehmen aus 27 Länder).

Frontier Markets im vergleichzu den „etablierten“ Emerging Markets

frontier_chart

Schönheitsfehler

Ein Manko beider Indizes ist die etwas fragwürdige Gewichtung von Staaten aus dem Mittleren Osten. Fragwürdig deshalb, weil allein Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate in der Länderzusammensetzung zusammengerechnet jeweils auf einen Anteil von mehr als 35 Prozent kommen. Ungeachtet dessen werden sich ohnehin viele Anleger fragen, was so reiche und wohlhabende Ölfördernationen wie Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate überhaupt in einem Frontier- Index zu suchen haben. So liegt in den Vereinigten Arabischen Emiraten das Pro-Kopf-Einkommen laut Statistik des Internationalem Währungsfonds mit rund 47.000 Dollar deutlich über dem Niveau in Deutschland (Pro-Kopf-Einkommen: 41.000 Dollar).

Vietnam im Fokus

Um einen „echten“ Frontier-Market handelt es sich bei Vietnam. Das einst streng kommunistische Land verpasste sich 1986 eine Politik der Erneuerung („Doi Moi“). Seither geht es mit der Wirtschaft langsam, aber kontinuierlich bergauf. Mittlerweile wächst Vietnam sogar schneller als die meisten anderen Staaten Südostasiens. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert dem einst geteilten Land bis 2015 eine jährliche Wachstumsrate von durchschnittlich sieben Prozent. Vietnam ist ein Billiglohnland und gilt daher trotz seiner mangelhaften Infrastruktur und einer weit verbreiteten Korruption als attraktiver Standort für ausländische Unternehmen.

Auf eine Erholung spekulieren

Im Jahr 2006 erlebten vietnamesische Aktien angetrieben von deutschen Investorengeldern einen beeindruckenden Boom. Die Blase platzte Anfang 2007 und es folgte eine schmerzvolle Korrektur. Von diesem Einbruch hat sich die Ho Chi Minh Stock Exchange bis heute nicht vollständig erholt. Darin liegt aber auch eine Chance, denn vietnamesische Aktien gelten mit Blick auf die guten Wachstumsprognosen als besonders günstig bewertet. Mit dem FTSE Vietnam Index ETF von db x-trackers können risikofreudige Anleger auf eine Erholung des Marktes setzen (ISIN: LU0322252924). Aber wie bei allen Frontier-Investments gilt auch hier die Devise: Mut nicht mit Übermut verwechseln.

Ausgewählte Indexprodukte, um in die Frontier-Märkte zu investieren
IndexKAGISINVVGKursSpreadVol. in Mio. EURDASSwapFWhrg.
MSCI Frontier MarketsRBSNL00093608171,25 %46,510,86 %—-TSUSD
S&P Select Frontierdb x-trackersLU03284764100,74 %8,710,58%12,64TSJaUSD
FTSE Vietnam Indexdb x-trackersLU03222529240,85 %29,890,40 %121,95TSJaUSD

 

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