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Emerging Markets – Geht der Trend 2011 weiter?

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Sie gelten als der Wachstumsmotor der Welt und Renditebringer: Die Emerging Markets, zu deutsch Schwellenländer. 2010 haben ETFs, die Indizes auf Schwellenländer abbilden, die höchsten Zuflüsse verzeichnet und sind von den Investoren weltweit stark gehandelt worden.

Geht der Trend 2011 weiter?

Global liegen Emerging-Markets- ETFs als Vermögensklasse unter den Indexfonds auf Platz zwei. An erster Stelle rangieren ETFs, die nordamerikanische Indizes wiedergeben. Mit einem Anteil unter allen ETF-Gattungen von 40,8 Prozent und einem gesamten verwaltetem Vermögen von 544,6 Milliarden US-Dollar ist der Abstand zur Spitzenposition noch ziemlich groß, wie aus einer Studie von ETF-Expertin Deborah Fuhr von BlackRock, zu dem auch die ETF-Plattform iShares gehört, hervorgeht. Schwellenländer-ETFs haben einen Marktanteil von 17,1 Prozent. Zusammen kommen sie global auf ein verwaltetes Vermögen von 227,6 Milliarden Dollar. An dritter Stelle weltweit folgen ETFs auf europäische Indizes. Sie umfassen zusammen ein verwaltetes Vermögen von 128,2 Milliarden Dollar.

Auch ein Blick auf die ETFs mit dem höchsten verwaltetem Vermögen zeigt die Beliebtheit der Emerging Markets bei den Investoren deutlich. Der ETF mit dem weltweit meisten Assets under Management ist der SPDR S&P 500 von State Street Global Advisors. Dieser ETF ist nach den Angaben von Fuhr 93,45 Milliarden Dollar schwer. Auf Platz zwei und drei folgen jeweils Schwellenländer-ETFs, nämlich der Vanguard Emerging Markets mit 44, 7 Milliarden Dollar und danach der iShares MSCI Emerging Markets Index Fund mit 39 Milliarden Dollar an verwaltetem Vermögen. „Die Emerging Markets sind ein interessanter, stark wachsender Markt, den Investoren innerhalb ihrer Anlagestrategie ideal mit ETFs abdecken können“, sagt Clemens Reuter, Head of UBS Exchange Traded Funds bei UBS Global Asset Management und fügt hinzu: „Anleger können mit einem Investment kostengünstig und regional breit gestreut in einen der wichtigsten Emerging Markets-Indizes, den MSCI Emerging Markets, investieren.“

Emerging-Markets-ETF in den USA die Nr. 1

Während im vergangenen Jahr die Nettozuflüsse in die Emerging-Markets-ETFs gestiegen sind, konnte zu Beginn dieses Jahres in Europa ein kleiner Rückgang beobachtet werden. Die Zuflüsse in Emerging Markets Indizes haben in Europa im Vergleich zu Januar 2010 abgenommen, schreibt Deborah Fuhr in ihrer aktuellen Analyse. Die Anleger haben einen Teil ihrer Vermögen, die sie in Emerging-Market-ETFs investiert hatten, abgezogen und in europäische Aktien- ETFs umgeschichtet, beschreibt auch Oliver Kilian, ETF-Spezialist der UniCredit den ETF-Markt in Europa. Auch das wird von der Januar-Studie von Fuhr bestätigt. In den USA war der ETF mit den meisten Assets under Management der iShares MSCI Emerging Markets. Dort kamen Emerging-Markets- ETF insgesamt auf einen Anteil von 15,6 Prozent und damit auf Platz zwei hinter Large-Caps-ETF mit 19,4 Prozent. In Europa sieht das Bild etwas anders aus: Auch dort sind Schwellenländer-ETFs mittlerweile die zweitwichtigste Anlageklasse. Sie kommen auf einen Marktanteil von 13,2 Prozent und ein gesamtes verwaltetes Vermögen von 38,4 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Die wichtigste Asset-Klasse, europäische Aktien, erreichen einen Marktanteil von 15,7 Prozent und Assets under Management von 45,9 Milliarden US-Dollar. Betrachtet man aber die Liste der ETFs in Europa, die das höchste verwaltete Vermögen verbuchen können, dann fällt auf, dass hier ein Emerging- Markets-ETF zum ersten Mal auf Platz vier erscheint. Der ETF mit den meisten Assets under Management ist mit neun Milliarden US-Dollar der Lyxor Euro Stoxx 50, gefolgt vom iShares S&P 500 mit 8,67 Milliarden US-Dollar sowie vom ZKB Gold ETF nach Schweizer Recht mit 7,35 Milliarden USDollar. Auf Platz vier liegt dann schließlich Amerikas Nummer eins, der iShares MSCI Emerging Markets mit 6,66 Milliarden US-Dollar.

Brasilien momentan beliebtestes Schwellenland

Das Interesse der Investoren ist, gemessen an allen Asset-Klassen, nach wie vor hoch. Am stärksten ist es bei breit gestreuten Indizes, die mehrere Schwellenländer- Märkte abdecken. Betrachtet man die einzelnen Länder-ETFs, dann liegt momentan Lateinamerika vor Asien. Von dem Konzept der BRIC-Staaten haben die Anleger offenbar erst einmal Abstand genommen. Unter den Begriff „BRIC“, der 2001 zum ersten Mal von Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jim O´Neill eingeführt wurde, versteht man Brasilien, Russland, Indien und China. In Europa sind die Länder-ETFs, in denen das meiste Geld investiert wird, jene, die die brasilianischen Märkte abbilden. Nach Brasilien kommt Chile und dann erst China. Auf das Reich der Mitte folgen Ägypten, Ungarn und Indien. Russland liegt in der Anlegergunst noch hinter Indonesien, Kuwait, Malaysia, Mexiko und Polen, aber immerhin vor Südafrika, Südkorea, Taiwan, Thailand, Türkei, den Vereinigten Emiraten und Vietnam. Mit Blick auf die enorme Beliebtheit des Themas „Emerging Markets“ wundert es nicht, dass nicht nur ETF-Emittenten, sondern auch Fondsgesellschaften nachgerüstet haben. Die Anzahl der Fonds und ETFs, die Emerging Markets abbilden, ist mittlerweile beachtlich. Selbst ETFs, die zuvor wegen zu geringer Volumen vom Markt genommen worden sind, tauchen wieder auf: 2009 hatte Lyxor, der ETF-Plattform der Société Générale, seinen Thailand-ETF liquidiert, mittlerweile gibt es ein neues Thailand-Produkt von db x-trackers, die ETF-Sparte der Deutschen Bank.

Keine Blasenbildung bei Schwellenländern in Sicht

Ein Wunder ist das nicht, schließlich haben Länder wie China, Brasilien und Indien hohe Wachstumsraten und verglichen mit den entwickelten Industrienationen eine niedrige Staatsverschuldung. Die Mittelschicht wächst in diesen Ländern und damit auch die Konsumfreude. Dass auch jeder Aufschwung ein Ende hat, liegt andererseits auch auf der Hand. Oder anders gedrückt: Was oben ist, kommt auch wieder runter. Passiert das schnell und ist die Fallhöhe sehr hoch, wäre das ein Beispiel für eine geplatzte Blase. Zudem nehmen die Inflationssorgen in den aufstrebenden Märkten zu. Doch diese Gefahr besteht derzeit nicht. Nach Angaben von Chris Laine, Portfoliomanager und Emerging-Markets-Spezialist bei State Street Global Advisors, stimmen die fundamentalen Bewertungen mit den historischen Durchschnitten überein. „Wir sehen keine Anzeichen für eine Blasenbildung. Allerdings sind Indien, Malaysia und Chile unseres Erachtens nach relativ teuer“, sagt Blaine. Anzeichen für eine Blase wären dann gegeben, wenn diese Asset- Klasse um 50 Prozent teurer als derzeit oder die Bewertungen für die Schwellenländer zu einem hohen Aufpreis gegenüber den entwickelten Märkten gehandelt würden. In der jüngsten Vergangenheit kannten die Märkte der Emerging Markets fast nur eine Richtung, und zwar die nach oben. Da die Emerging Markets aber auch hohen Schwankungen unterworfen sind, kann auch das Setzen auf fallende Kurse über Phasen sinnvoll sein. Die Auswahl an solchen Produkten ist jedoch noch spärlich. Immerhin, seit Anfang des Jahres gibt es einen Short-ETF auf den MSCI Emerging Market von db x-trackers. „Mit unserem ETF wird Investoren erstmals in Europa die Möglichkeit gegeben, auf täglicher Basis an täglichen fallenden Marktbewegungen in Schwellenländer invers zu partizipieren“, sagt Thorsten Michalik verantwortlich für db-x-trackers.

BRIC zum selber bauen

Auf den MSCI Emerging Markets gibt es mittlerweile elf ETFs. Wer bei Investitionen auf bestimmte Länder oder zum Beispiel die BRIC-Staaten setzen möchte, kann dies tun. Für Brasilien, China, Russland und Indien werden verschiedene Produkte angeboten. Auf den MSCI Brazil gibt es unter anderem von db x-trackers und Credit Suisse ETFs. MSCI India-ETFs finden sich häufig. Easy ETF hat den einzigen Dow Jones India-ETF. Für Russland gibt es Produkte mit unterschiedlichen Underlyings. Das sind zum Beispiel der Lyxor ETF Russia, der RDX Source ETF oder iSharse MSCI Russia capped. Amundi, ETFlab und Source bieten ETFs auf den MSCI China an, comstage hat Produkte auf die chinesischen Indizes HSI und HSCI. Den HSI führt auch Lyxor. Auch Wachstumsregionen lassen sich abbilden. Für die „Next 11″, die Nachfolger der BRIC-Staaten unter den aufstrebenden Märkten, sowie für die Frontier-Märkte existieren ETFs. Das sind zum Beispiel der db x-trackers S&P Frontier- oder der Easy S-Box BNP Next 11-ETF.

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