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Ende gut, alles gut

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Eurokrise, Zinssturz, Schuldencrash – in den vergangenen zwölf Monaten brauchten Anleger vor allem eines: gute Nerven. Am Ende überwogen jedoch die positiven Aspekte. EXtra blickt zurück auf ein so spannendes wie turbulentes Jahr 2010 und wagt einen kurzen Ausblick auf 2011.

Das Börsenjahr 2010 dürfte Anlegern wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Auf der einen Seite die Erholung der Weltwirtschaft, von der insbesondere die deutsche Konjunktur über den starken Export profitierte. Auf der anderen Seite die sich immer stärker zuspitzende Schuldenkrise in der Eurozone, die den Euro in seinen Grundfesten erschüttert. In diesem Spannungsfeld zeigte sich der DAX lange Zeit unentschlossen. Dann aber, ab dem dritten Quartal, setzten sich die Optimisten durch. Angetrieben von guten Unternehmenszahlen brach der deutsche Leitindex im Schlussquartal aus einer hartnäckigen Seitwärtsbewegung nach oben aus und notierte im Dezember erstmals seit rund zweieinhalb Jahren wieder über der 7.000-Punkte-Marke.

DAX besser als Eurozone

Rund 15 Prozent hat der DAX von Anfang Januar bis Mitte Dezember 2010 zugelegt. Kaum eine andere Börse in der Eurozone konnte da mithalten, wie ein Performancevergleich mit dem Euro Stoxx 50 zeigt. Der trat im gleichen Zeitraum auf der Stelle. Gefragt waren hierzulande vor allem exportorientierte Branchen wie die Sektoren Automobil und Maschinenbau. Sie profitierten von der anziehenden globalen Nachfrage, insbesondere aus den Schwellenländern. Schwer abgestraft wurden dagegen die Versorger, deren Kurse von der geplanten Brennelementsteuer belastet wurden.

Pleitegeier über Griechenland

Zu den größten Verlierern auf europäischer Ebene gehörten spanische, irische und vor allem griechische Aktien. Es war die Staatsschuldenkrise mit allen ihren bitteren Konsequenzen, welche diese Aktienmärkte tief ins Minus drückte. Griechenland konnte im Frühjahr nur durch ein Hilfspaket der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von insgesamt 110 Milliarden Euro – davon alleine 22,4 Milliarden aus Deutschland – vor dem Staatsbankrott gerettet werden. Die Griechen haben mittlerweile einen Schuldenberg von mehr als 300 Milliarden Euro aufgetürmt. Das entspricht einer Schuldenquote von rund 130 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP). Die kritische Marke sieht der bekannte Harvard- Ökonom Kenneth S. Rogoff bei 90 Prozent. Ab diesem Niveau, so der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, stehe die ökonomische Zukunftsfähigkeit einer Volkswirtschaft auf dem Spiel, da die hohen Zins- und Tilgungsverpflichtungen dem Staat kaum mehr fiskalpolitischen Spielraum lassen würden.

Irland braucht Hilfe

Wie sich schon bald herausstelle, stellte Griechenland nur die Spitze des Eisbergs dar. Immer häufiger war in den Wirtschaftsmedien von den sogenannten PIIGS zu lesen, also von den Schuldensündern Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Tatsächlich schwebte der Pleitegeier schon bald auch über Irland. Der Inselstaat konnte nur dank einer Finanzspritze in Höhe von 85 Milliarden Euro aus dem 750 Milliarden Euro schweren Rettungsfonds von EU und IWF vor dem Bankrott bewahrt werden. Am Markt wird bereits spekuliert, dass auch Portugal und Spanien in Kürze Hilfe benötigen werden.

Euro am Abgrund

Richtig bedrohlich für das Euro-System dürfte es werden, wenn auch noch Italien unter den Schutzschirm flüchten muss. In diesem Fall, so das Credo der Volkswirte, wäre die Währungsunion in ihrer bisherigen Form vermutlich am Ende. Italien ist mit einem Schuldenberg von 1,85 Billionen Euro nach den USA und Japan der drittgrößte Schuldner der Welt. Auf mehr als 118 Prozent wird die Schuldenquote in diesem Jahr anwachsen. Dass Italien schon ins Schulden-Gerede gekommen ist, lässt sich gut an den gestiegenen Zinsen für italienische Staatsanleihen ablesen. Deren Risikoaufschlag zu deutschen Bundesanleihen beträgt mittlerweile 2,3 Prozent.

Währungsturbulenzen

Mit Blick auf die Diskussion über den Euro überrascht es nicht, dass die Devisenmärkte im Laufe des Jahres in heftige Turbulenzen gerieten. Der Euro stürzte im Vergleich zum Dollar binnen weniger Monate von 1,45 auf 1,19 Dollar ab. Zum Jahresende hat sich der EUR/USD-Kurs zwar wieder bei rund 1,32 Dollar eingependelt. Allerdings täuscht dieses Niveau über den Ernst der Lage hinweg. Denn sowohl der Euro als auch der Dollar sind schwer angeschlagen. Deutlich wird das in ihrer Kursentwicklung gegenüber dem Schweizer Franken. Denn trotz der massiven Interventionen der Schweizer Nationalbank SNB verloren beide Währungen im Jahresverlauf gegenüber dem Franken beängstigend an Wert.

Weltkrieg der Währungen

Während die Euro-Krise unfreiwilliger Natur ist, ist man in den USA ganz bewusst an einem schwachen Dollar interessiert. Weil die US-Wirtschaft einfach nicht in Schwung kommen will, lässt die Fed fleißig die Notenpresse rotieren und versetzt damit das ganze globale Wechselkurssystem in Aufruhr. Volkswirte befürchten bereits eine durch die USA ausgelöste Abwertungsspirale. „Das Ringen um die Vorherrschaft in der Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts wird mit Währungen ausgetragen.“ Diese These vertritt Erfolgsautor Daniel D. Eckert in seinem Bestseller „Weltkrieg der Währungen“. Eine erhebliche Mitschuld an dem Konflikt gibt Eckert aber auch China, weil sich Peking beharrlich weigert, den Yuan frei floaten und damit aufwerten zu lassen.

China hängt alle ab

Apropos China. Das Reich der Mitte machte in diesem Jahr wieder einen großen Schritt auf dem Weg ganz nach ganz oben. Die Wirtschaft dürfte in diesem Jahr offiziellen Prognosen zufolge um 10,5 Prozent gewachsen sein – ein Wert, der von keiner anderen Volkswirtschaft von Rang erreicht wird. Die Volksrepublik ist mittlerweile nicht nur Exportweltmeister, sondern verfügt bereits auch über den weltweit volumenstärksten Automobilmarkt und den zweitgrößten Markt für Luxusgüter. Und auch was die gesamte Wirtschaftsleistung angeht, könnte die Drachennation schon bald die USA vom Thron stoßen. Darauf lässt eine Prognose des IWF schließen. Demnach wird Chinas Bruttoinlandsprodukt unter Berücksichtigung der Kaufkraft schon in vier Jahren fast genauso groß sein wie das der USA.

Die neuen Börsenstars

Trotz oder gerade wegen der starken Wachstumsraten entwickelten sich die chinesischen Aktienmärkte im Vergleich zu früheren Jahren nur unterdurchschnittlich. Viele Investoren befürchteten ein Überhitzen der Wirtschaft und des Immobilienmarktes und hielten sich deshalb bedeckt. Auch die Börsen in Indien und Brasilien konnten an die Erfolge vergangener Jahre nicht anknüpfen. Stattdessen setzten die Investoren verstärkt auf Schwellenmärkte aus der zweiten Reihe, wie Indonesien (plus 29 Prozent), Thailand (plus 39 Prozent), Chile (plus 33 Prozent) oder Peru (plus 53 Prozent).

Goldene Zeiten

Ähnlich gute Renditen waren im vergangenen Jahr nur noch mit bestimmten Rohstoffen einzufahren. Vor allem bei den Agrarrohstoffen wie Baumwolle, Mais oder Kakao ging die Post kräftig ab. Aber auch bestimmte Industriemetalle wie Kupfer, Nickel und Zinn glänzten mit Preiszuwächsen bis zu 45 Prozent sowie neuen Rekordhöchstständen. Während die Entwicklung bei den genannten Metallen in den abnehmenden Lagerbeständen eine fundamentale Begründung hat, scheinen die neuen Rekordstände bei Gold und Silber vor allem psychologisch motiviert. „Die Besorgnis über die Stabilität des Geldsystems sowie eine zunehmende Inflationsangst haben sich im Goldpreis niedergeschlagen“, sagt Dirk Faltin, Senior Economist bei UBS Wealth Management Research.

Aktien: nicht verzichten

Faltin rechnet auch im kommenden Jahr mit steigenden Goldpreisen, insbesondere wenn sich die Lage an der Schuldenfront noch weiter zuspitzen sollte. Und was ist von den Aktienmärkten zu erwarten? Obwohl die weltweite Konjunkturdynamik etwas nachlassen wird, zeigt sich die Mehrheit der Experten auch hier zuversichtlich. „Anleger, die in den kommenden Monaten auf ein Investment in Aktien verzichten, vergeben wertvolle Renditechancen“, sagt Ulrich Stephan, Global Chief Investment Officer bei der Deutschen Bank. Besonders gute Chancen bescheinigt er den Schwellenmärkten, vor allem in Asien und Lateinamerika, die sich seiner Meinung nach weiter dynamisch entwickeln werden. Aber auch für deutsche Aktien ist Stephan optimistisch. Er rät, vor allem auf Unternehmen zu setzen, die viel exportieren. Zu den aussichtsreichen Branchen zählt er deshalb weiterhin den Maschinen- und Anlagenbau.

Reizvolle Asienbonds

Gegenüber Rentenmarktanlagen sind die meisten Experten aufgrund der künstlich niedrig gehaltenen Zinsen dagegen skeptisch. Gute Chancen würden allerdings Schwellenmarktanleihen, insbesondere von asiatischen Ländern, versprechen. „Häufig sind Emerging Markets geringer verschuldet und ihre Ratings erreichen vereinzelt schon Topwerte. Trotzdem müssen sie für ihre Anleihen höhere Zinsen zahlen als Europa, Japan und die USA“, sagt Ulrich Stephan von der Deutschen Bank.

Fazit: Chancen nutzen

Trotz aller Unwägbarkeiten wie die schwächelnde Konjunktur in den USA oder die Schuldenprobleme in Europa sollte auch das kommende Jahr Investoren aussichtsreiche Anlagechancen eröffnen. Allerdings ist es dazu notwendig, die Märkte im Auge zu behalten und gezielt nach interessanten Nischen Ausschau zu halten. Oder, wie schon Aristoteles Onassis zu sagen pflegte: „Dem Geld darf man nicht nachlaufen. Man muss ihm entgegengehen.“

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