Energie-ETFs - alle Teilmärkte sind investierbar

Die Energiewende und damit der Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland ist beschlossene Sache. Bis zum Jahr 2022 sollen alle deutschen Atomkraftwerke stillgelegt werden. Das hat einen radikalen Umbau des deutschen Energiesektors zur Folge, auch mit Konsequenzen für Anleger.

Neben der Energiewende gilt es, die anspruchsvollen Ziele des integrierten Energie- und Klimaprogramms zu erfüllen. So sollen die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 reduziert werden. Dies geht natürlich nur, wenn der Anteil an alternativen Energien steigt. Bisher beträgt deren Anteil allerdings gerade einmal 17 Prozent. Die Agentur für Erneuerbare Energien prognostiziert für das Jahr 2020 einen Anstieg auf dann 47 Prozent der Gesamterzeugung. Dass dieser Umbau nicht billig ist, zeigt sich an der aktuellen Diskussion um die Anhebung der Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Quellen, die von 3,6 auf 5,3 Cent pro Kilowattstunde steigt. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass Stromnetzbetreiber laut dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verpflichtet sind, Energie aus Biomasse-, Solar- oder Windkraftanlagen zu festgesetzten Tarifen abzunehmen, die teilweise deutlich über dem aktuellen Börsenstrompreis liegen. Zum anderen sind zahlreiche energieintensive Unternehmen von der EEG-Umlage ausgenommen.

Energiewende kostet 335 Mrd. Euro

Laut der Studie „Konsequenzen der Energiewende“ von der Unicredit Bank werden die Kosten der Energiewende auf 335 Mrd. Euro geschätzt, die zum Großteil der Privatverbraucher tragen werden muss, um nicht Arbeitsplätze in energieintensiven Unternehmen zu gefährden. Ausgegangen wird in den Szenarien der Regierung von einem Rückgang der Stromnachfrage um 10 Prozent bis zum Jahr 2020 bzw. 25 Prozent bis zum Jahr 2050. Gewährleistet werden soll dies insbesondere durch eine Effizienzsteigerung einzelner Geräte. Simulationen zeigten jedoch, dass diese Annahme sehr optimistisch ist. Ein Engpass ist laut Studie vor allem der mangelhafte Netzausbau, der notwendig ist, um den im Norden erzeugten Windstrom in den wirtschaftsstarken Süden zu transportieren. So sind nach Angaben der Netzagentur bislang gerade einmal 214 von 1.834 Kilometer der von der Bundesregierung im Jahr 2009 beschlossenen Energietrassen fertiggestellt. Ein zusätzlicher Bedarf an 3.600 Kilometern Übertragungsnetzen wurde bereits festgestellt. Zudem mangele es an ausreichenden Speicherkapazitäten und intelligenten Netze (Smart Grid), um Schwankungen auf der Angebotsseite durch Anpassungen auf der Nachfrageseite auszugleichen.

Gewinner und Verlierer

Zu den Gewinnern zählen laut der Studie vor allem Anlagenbauer und Unternehmen der Bauwirtschaft, die am Ausbau der Netzinfrastruktur profitieren, sowie kleinere Energie-Unternehmen. Verlierer werden dagegen die großen Energieversorger sein und energieintensive Unternehmen, wenn die Befreiung oder Reduzierung der Umlage wegfiele, um Privathaushalte nicht so stark zu belasten.

Öl und Gas

Meistgenutzter Index von ETFs im Energiesektor ist der Stoxx Europe 600 Oil & Gas. Dieser dürfte nach Meinung der Unicredit-Studie von der Energiewende profitieren. Denn Engpässe in der Energieversorgung müssten zunehmend durch neue Gaskraftwerke ausgeglichen werden. Im Stoxx Europe 600 Oil & Gas sind aktuell 34 europäische Unternehmen aus dem Erdöl- und Erdgas-Sektor vertreten. Stark vertreten sind Unternehmen aus Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Größte Titel darin sind BP, Royal Dutch Shell und Total. Fondsvolumenstärkster ETF in diesem Bereich ist der Lyxor ETF Stoxx Europe 600 Oil & Gas (WKN: LYX0A9). Die Indexabbildung erfolgt synthetisch via Swaps. Erträge werden ausgeschüttet. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,30 Prozent.

Alternative Energien

Wind-, Wasser-, Solar- und Bioenergie müssten zu den Hauptgewinnern der Energiewende zählen. Doch diese Energieformen sind noch sehr stark von Subventionen des Staates abhängig. Und angesichts immer klammerer Staatskassen sinkt die Subventionsbereitschaft. Zudem entsteht eine starke Konkurrenz von Unternehmen in diesem Bereich in den USA und China, so dass die Preise von Solarzellen beispielsweise ins Bodenlose fallen. So gehören ETFs auf alternative Energien zu den Hauptverlierern der vergangenen Jahre. Antizykliker können in diesem Bereich zu Schnäppchenpreisen einkaufen. Fondsvolumenstärkster ETF in diesem Bereich ist der iShares S&P Global Clean Energy (WKN: A0M5X1), der in den vergangenen fünf Jahren mehr als 80 Prozent einbüßte. Der Index umfasst die liquidesten 30 Unternehmen aus dem Bereich Clean Energy. Rund die Hälfte des Anteils darin sind Versorger, zudem können Anleger an der Wertentwicklung von Unternehmen partizipieren, die an der Energiewende profitieren im Bereich Informationstechnologie sowie in der Industrie. Stark gewichtet sind Unternehmen aus den USA, Hongkong, Japan und Brasilien.

Nuklearindustrie

Hauptverlierer der Energiewende in Deutschland, aber auch in Ländern wie Japan müsste normalerweise die Nuklearindustrie sein. Geht es nach der Studie der Unicredit, stimmt dies selbst hier nur teilweise. Denn mittelfristig wird Deutschland gezwungen sein, künftig 10 Prozent des Strombedarfs aus dem Ausland zuzukaufen, ein nicht unwesentlicher Teil davon stammt von Atommeilern aus Osteuropa. Und die stehen schon bereit. So sollen neue Meiler entstehen in Polen, Ungarn, Rumänien, der Slowakei, Russland oder in der Türkei. Bereits schon jetzt profitiert Tschechien von wachsenden Stromzukäufen aus Deutschland, exportiert wird dabei auch Strom vom umstrittenen Kernkraftwerk Temelin. Aber auch in anderen Teilen der Welt, darunter vor allem auch in China, entstehen weiterhin neue Atommeiler. So dürften auch künftig die Gewinne in diesem Bereich weiter fließen. Eine Anlagemöglichkeit via ETF ist der ETFX WNA Global Nuclear Energy Fund (WKN: A0Q8M3), der in rund 65 Unternehmen der Atomenergiebranche investiert. Stark vertreten sind Unternehmen aus den USA, Japan, Frankreich, Kanada und Australien. Größte Titel sind Areva, Toshiba und E.ON. Die Indexabbildung erfolgt synthetisch via Swaps. Erträge werden thesauriert. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,65 Prozent.

Kohle

Kohle ist allen Bestrebungen einer CO 2 – Reduzierung zum Trotz weltweit nach wie vor Hauptenergieträger Nummer 1. Getrieben vom chinesischen Rohstoffhunger stiegen die weltweiten Produktionszahlen auf neue Rekordstände und zogen mittlerweile mit der Erdölproduktion annähernd gleich. In Deutschland und zahlreichen Ländern Europas schwindet dagegen der Anteil von Kohle. In Ländern wie China beträgt der Anteil von Kohle am Gesamtenergiemarkt aktuell 78 Prozent, in Indien 52 Prozent. Ein ETF, mit dem man am weltweiten Kohleabbau profitieren kann, ist der DAXglobal Coal Mining (WKN: A0Q8NB). Stark im Index vertreten sind Unternehmen aus dem Kohleabbau vor allem aus den USA, Hongkong und Australien. Die Indexabbildung erfolgt synthetisch via Swaps. Erträge werden thesauriert. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,65 Prozent.

Versorger-Aktien

Versorger-Aktien gelten als nichtzyklische Werte als besonders krisensicher. In den vergangenen Jahren zählten diese Aktien aufgrund der enormen künftigen Herausforderungen und der starken Beeinflussung durch politische Entscheidungen zu den Aktien mit den geringsten Aktiengewinnen. Fondsvolumenstärkster ETF auf europäische Versorger ist der Amundi ETF MSCI Europe Utilities (WKN: A0REJ5), der auf Jahressicht eine Rendite von 6,4 Prozent erwirtschaftete. Auf Dreijahressicht musste er allerdings rund 8 Prozent Federn lassen. Stark im Index vertreten sind Unternehmen aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien. Die Indexabbildung erfolgt synthetisch via Swaps. Erträge werden thesauriert. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,25 Prozent.

Fazit:

Anleger können über ETFs an unterschiedlichen Energieformen partizipieren. Antizyklische Anleger können insbesondere zu Schnäppchenpreisen auf alternative Energien setzen. Auch Erdgas- und Kohleunternehmen dürften vom Ausstieg aus der Atomenergie profitieren.

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