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Energie fürs Depot

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Die Preise für Öl und Gas dürften mittelfristig deutlich steigen. Zudem werden erneuerbare Energien künftig an Bedeutung gewinnen. Auf diese Trends können Anleger mit ausgewählten ETFs setzen.

Am 20. April 2010 ist die Bohrinsel Deepwater Horizon explodiert. Zwei Tage später ist sie im Golf von Mexiko versunken. Dadurch wurde die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Amerikas ausgelöst. Für sämtliche damit verbundenen Schäden muss der Ölgigant BP haften. Analysten taxieren die Kosten, die infolge der Ölkatastrophe bei BP anfallen werden, auf bis zu 33 Milliarden Dollar. Hinzu kommt der extreme Imageschaden, den das britische Unternehmen erlitten hat. Daher verwundert es nicht, dass die BP-Aktie jüngst auf ein 14-Jahres-Tief gefallen ist.

Öl-Angebot könnte sinken

Ölverschmierte Vögel, tote Fische und verdreckte Strände – das sind die dramatischen Folgen der Ölpest. Obendrein dürfte die Katastrophe indirekt mittelfristig zu einem deutlichen Anstieg des Ölpreises führen. Denn US-Präsident Barack Obama hat eine Verschärfung der Sicherheitsvorschriften für Bohrplattformen angekündigt. Daher müssen deren Betreiber mit teuren Investitionen für die Optimierung der Sicherheitsvorkehrungen rechnen. Des Weiteren ist es möglich, dass die Ölförderung in Amerikas Tiefsee für einen längeren Zeitraum verboten wird. Diese Maßnahme würde den Ölpreis wahrscheinlich extrem nach oben treiben, da sich dadurch das Angebot deutlich verringern würde, während unabhängig davon die Öl-Nachfrage aufgrund des starken Wirtschaftswachstums in den Schwellenländern weiter steigen dürfte. Somit gibt es derzeit für Anleger mehrere gute Gründe für eine Spekulation auf einen steigenden Preis des „schwarzen Goldes“. Umsetzen lässt sich diese mit dem ETFS Brent Oil (ISIN: DE000A0KRKM5) von ETF Securities, dessen Performance von der Entwicklung des nächstfälligen Brent-Oil-Future abhängt. Kurz bevor dieser Future ausläuft, investiert der Emittent dieses ETCs in einen Brent-Oil-Future mit einem späteren Fälligkeitstermin. Dies wird im Fachjargon als „rollen“ bezeichnet. Wenn am Markt ein steigender Ölpreis erwartet wird, kostet der Future mit dem späteren Fälligkeitstermin mehr als der auslaufende Future und es fällt infolgedessen ein Rollverlust an (Contango- Situation). Im umgekehrten Fall würde ein Rollgewinn entstehen (Backwardation- Situation). Wenn mehrfach in Folge Rollverluste anfallen, kann dies dazu führen, dass der Kurs des ETCs stagniert oder fällt, obwohl sich Brent Oil verteuert. Dieser Sachverhalt spielt allerdings nur dann eine wichtige Rolle, wenn der ETC über einen Zeitraum von mehreren Monaten gehalten wird.

Für Trader geeignet

Wie bereits erwähnt, dürfte der Ölpreis künftig steigen. Im Zuge dieser Entwicklung wird es aber sicherlich gelegentlich zu Preisrücksetzern kommen. Von denen können tradingorientierte Anleger mit dem währungsgesicherten Monthly Short Brent Crude Oil Euro Hedged ETC (ISIN: DE000A1AQGW3) von der Deutsche-Bank-Tochter DB ETC Index plc profitieren. Dessen zugrunde liegender Index bildet die inverse Entwicklung des nächstfälligen Brent-Crude-Oil-Future ab.

Bekannte Namen aus den Bereichen Öl und Gas

Angesichts der bereits beschriebenen Perspektiven sind auch Aktien großer Ölkonzerne chancenreiche Investments. Ebenfalls interessant sind derzeit die Anteilscheine von Gasproduzenten, da der Erdgas-Future schon bald deutlich steigen könnte. Denn Fachleute rechnen mit einem heftigen Verlauf der diesjährigen Hurrikan- Saison (vom 1. Juni bis zum 30. November) in Amerika, durch die es im Golf von Mexiko zu Förderausfällen kommen könnte. Wer auf bekannte Blue Chips aus den Bereichen Öl und Gas setzen möchte, kann sich den ETF DJ STOXX 600 Oil & Gas (ISIN: LU0378436447) ins Depot packen. Leider ist in dem Kursbarometer, dessen Entwicklung der ETF abbildet, die BP-Aktie mit einer Gewichtung von 25,89 Prozent die größte Position. Weitere Index-Schwergewichte sind die Papiere von Total (18,08 Prozent), Royal Dutch Shell (14,74 Prozent), BG Group (8,37 Prozent) und ENI (7,96 Prozent).

Bedeutung alternativer Energiequellen nimmt zu

Ohne Zweifel verfügen langfristig fast alle großen Öl- und Gaskonzerne über gute Wachstumsaussichten. Denn einhergehend mit der Zunahme der Weltbevölkerung wird der globale Energiebedarf in den kommenden Jahren steigen. Der Löwenanteil davon wird auch in Zukunft mit fossilen Brennstoffen gedeckt werden. Aber unabhängig davon wird der auf erneuerbare Energien entfallende Anteil an der Stromerzeugung zunehmen. Im Jahr 2020 sollen bereits 20 Prozent des Energieverbrauchs in Europa durch die Nutzung alternativer Energiequellen wie Sonne, Wind und Wasser gedeckt werden. Umweltschützer begrüßen dieses Vorhaben, durch dessen Umsetzung sich der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß in Europa voraussichtlich um 600 bis 900 Millionen Tonnen verringern wird.

Margen dürften sinken

Der Anteil erneuerbarer Energien am weltweiten Primärenergieverbrauch lag 2007 bei 13 Prozent und könnte Schätzungen zufolge bis 2050 auf 30 bis 50 Prozent steigen. „Ob es tatsächlich zu einer solchen Entwicklung kommen wird, hängt jedoch stark von politischen Entscheidungen ab“, erklärt SES Research-Analyst Dr. Karsten von Blumenthal im Gespräch mit dem EXtra-Magazin. Der Experte erwartet ein starkes Wachstum der Photovoltaikbranche, das allerdings aus seiner Sicht mit weiter sinkenden Margen einhergehen wird.

Ein „sauberes“ Investment

„Anleger sollten im Photovoltaiksektor auf große Konzerne setzen, die entweder aufgrund ihrer Kostenführerschaft oder dank ihrer starken Marken über Wettbewerbsvorteile verfügen“, betont Dr. von Blumenthal. Aktien solcher Gesellschaften sind in dem Index enthalten, dessen Entwicklung der von iShares emittierte S&P Global Clean Energy ETF (ISIN: DE000A0M5X10) abbildet. Der Index umfasst darüber hinaus die Papiere der Windkraftfirmen Vestas und Gamesa sowie weitere Titel aus dem Sektor der umweltfreundlichen Energieerzeugung.

Unser Fazit: Anleger, die von einem steigenden Ölpreis ausgehen, können direkt in Öl-ETCs investieren. Hier sollten allerdings die derzeit nicht zu unterschätzenden Roll-Verluste im Auge behalten werden. Alternativ bieten sich Aktien der Ölbranche an. Die vorhandenen Sektor-Indexfonds haben allerdings eine hohe Gewichtung des Krisen-Unternehmens BP Plc. Darüber hinaus könnte ein steigender Ölpreis auch wieder die Schwergewichte der Solarbranche und alternativer Energiegewinnung interessant erscheinen lassen. Hier bietet sich der iShares ETF auf den S&P Global Clean Energy Index an.

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