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Es ist nicht alles Gold, was glänzt im Mittelstand

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Man hatte beim Anleger in den letzten drei Jahren schon den Eindruck von Goldgräber- und Wildwest-Stimmung bekommen können.

 
Jörg Löbe 

Setzten sich zu Zeiten des Goldrausches die Massen auf Gerüchte über einen Goldfund in Bewegung, ist es heute der auf die Anleihe aufgedruckte Name, der einen Run auslöst.

Dabei ist die Auswahl einer guten Anleihe extrem kompliziert und aufwendig und man kann hier getrost sagen: „Es ist nicht alles Gold, was mit großen Namen glänzt.“ Selbst ein TÜV- Siegel hilft hier dem Anleger nicht weiter. Das zeigt sich aktuell bei der Westfälischen Grundbesitz und Finanzverwaltung AG in Düsseldorf. Diese erhielt vom TÜV Rheinland ein solches Siegel und ist jetzt insolvent. Anleihevolumen: über 218 Millionen Euro.

Auch Ratings helfen in diesem Marktsegment nicht weiter, sind sie doch meistens aufs Unternehmen, also stichtagbezogen und nicht auf die Anleihe, das heißt auf die Zukunft abgestellt. Zudem stammen die Ratings von Wirtschaftsauskunfteien, die ihr Rating häufig ändern. Im Jahr 2012 verschlechterten sich sechs von zehn Prognosen nach dem Börsengang.

 

Bei der Prüfung eines Investments muss sich der Anleger daher selbst einige Fragen stellen.

  • Anfangen kann man schon mal mit der Frage, warum das Unternehmen eine Anleihe begibt und sich nicht neues Geld bei seiner Hausbank, zum Beispiel mit einem Schuldscheindarlehn besorgt. Diese Schuldschein-Darlehn sind sehr oft preiswerter.
  • Handelt es sich um eine nachrangige Anleihe, ist ein hoher Zins gerechtfertigt. Im Gegenzug tragen die Anleger das Risiko, dass bei Insolvenz des Emittenten die Nachranggläubiger erst nach den anderen Gläubigern befriedigt werden, im Zweifel also leer ausgehen.
  • Dann muss man sich fragen, wer das Geld aufnimmt. Bei Katjes war es die Katjes International GmbH & Co. KG und nicht das Mutterhaus.
  • Was wird mit Ihrem Geld gemacht? Beim Fruchtgummihersteller werden Konzernkredite vergeben und Gesellschafter Darlehn zurückgezahlt.
  • Wie sieht es mit wichtigen Bilanzkennzahlen aus und wie alt sind diese? • Das Finanzergebnis des Konzerns ist zwar aktuell, weist aber für das Geschäftsjahr 2012 einen Verlust von 3,5 Mio. Euro (2011: minus 3 Mio. Euro) aus. Auch der Cashflow ist negativ.
  • Kann man sich hier, wenn aktuelle Daten vorliegen noch ein Bild machen, kommen weitere Faktoren hinzu. Werden weitere Anleihe begeben oder neue Kredite aufgenommen, verändert sich die Eigenkapitalquote zulasten des Investors.

Dieser kurze und noch unvollständige Überblick zeigt: Finger weg vom Einzelinvestment in den deutschen Mittelstand. Das ist, als wenn sie bei der Urlaubswanderung ein Goldstück im Wasser glitzern sehen.

Will man das Risiko streuen, muss man sich professionellen Goldsuchern anvertrauen sprich einen Fonds erwerben. Fonds gibt es noch nicht viele, aber wie es in der Zeit eines Goldrausches nun mal so ist, schießen diese jetzt wie Pilze aus dem Boden. Also auch hier Vorsicht. Denn das war auch schon im Goldrausch im Jahr 1850 in den USA so: Am Goldrausch wollen alle verdienen.

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