ETF-Anbieter Lyxor wirbt mit Selbstverpflichtung zu mehr Transparenz

ETF-Anbieter Lyxor wirbt mit Selbstverpflichtung zu mehr Transparenz

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Vor wenigen Tagen stellte iShares bereits einen 5-Punkte-Forderungskatalog zu mehr Transparenz bei ETFs auf.  Nun wirbt der ETF-Anbieter Lyxor mit einer Selbstverpflichtung um das Vertrauen der Investoren, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Danach hat Europas zweitgrößter ETF-Anbieter Kriterien erlassen, die er ab sofort einhalten will. Die Kriterien betreffen das Portfoliomanagement, das Indextracking, die Transparenz, das Kontrahentenrisiko sowie den Börsenhandel der hauseigenen ETFs. Die ETF-Anbieter reagieren damit auf die Kritik von Finanzaufsichtsbehörden und Regulierungsbehörden, die in den vergangenen Monaten die ihrer Meinung nach ungenügende Transparenz bei ETFs bemängelten, insbesondere hinsichtlich der Wertpapierleihe sowie der Abbildung des jeweiligen Index durch Swaps.

Wir wollen Qualitätsstandards setzen, die über die regulatorischen Anforderungen hinausgehen“, sagte Lyxors ETF-Chef für Europa, Simon Klein in einer eigens dafür eingerichteten Telefonkonferenz. Viele Punkte der sogenannten ETF-Charta stellten Lyxor nicht vor neue Herausforderungen, weil die Gesellschaft sie schon seit Jahren oder zumindest Wochen befolge. „Aber erst jetzt verpflichten wir uns durch die schriftliche Fixierung dazu, diese Punkte einzuhalten“, so Klein weiter.

Künftig will die Gesellschaft keine Wertpapiere aus ihren ETFs verleihen, Wertentwicklungen nicht über repräsentative Auswahlen der Indexpapiere nachvollziehen oder für Derivategeschäfte innerhalb ihrer ETFs mehrere Angebote einholen. Außerdem wolle Lyxor ihre Fonds an verschiedenen Börsen listen, mit mehreren Handelspartnern zusammenarbeiten und kontinuierlich Preise für seine Fonds stellen. Bereits seit den vergangenen Wochen und Monaten eingeführt habe Lyxor, dass sie alle Wertpapiere aus den Portfolios der Fonds täglich aktuell im Internet veröffentliche. Auch gebe Lyxor täglich aktuell im Internet an, mit welcher Bank und in welchem Umfang sie für welchen ETF Derivategeschäfte eingegangen sei. Die ETFs des Anbieters würden die Wertentwicklungen von Indizes nicht nach vollziehen, indem sie die Indexpapiere in den Portfolios hielten. Stattdessen schlössen sie Swap-Geschäfte mit Banken ab – in der Regel mit dem Mutterkonzern Société Générale. Laut der veröffentlichten Charta wolle sich Lyxor künftig dafür setzen, wie genau die hauseigenen ETFs ihre zugrundeliegenden Indizes abbilden sollen. Die Kennzahl Tracking Error, welche die Wertentwicklung von Fonds und Vergleichsindizes gegenüberstelle, solle auf monatlicher Basis nie über einem Prozent liegen.

Die selbst auferlegten Verpflichtungen würden viele Punkte enthalten, die zuletzt im Zentrum der Kritik an börsennotierten Indexfonds gestanden hätten. In den vergangenen Monaten habe die Kritik an ETFs generell zugenommen. Unter anderem hätten die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Internationale Währungsfonds (IWF) und der Finanzstabilitätsrat auf die Risiken für das weltweite Finanzsystem hingewiesen, die von ETFs ausgehen würden. Dabei verwiesen sie in erster Linie auf die Swap-Geschäfte, welche auch in Lyxors Fonds zum Einsatz kommen würden. Durch diese sei vielfach kaum nachvollziehbar, welche Risiken bei welchem Marktteilnehmer lägen.

In den kommenden Monaten und darüber hinaus wolle Lyxor seine ETF-Charta ergänzen. Als nächster Schritt sei geplant, das Kontrahentenrisiko aus den Swap-Geschäften untertags auf null zu reduzieren und dieses in die Charta aufzunehmen. Bislang setze Lyxor dieses Risiko jeweils zum Ende eines Tages auf null.