ETFs in der Zwickmühle

Im Vergleich mit Zertifikaten punkten ETFs vor allem durch das ausgeschaltete Emittentenrisiko, im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds mit niedrigeren Kosten. Neben institutionellen Anlegern kommen daher auch immer mehr Privatanleger auf den ETF-Geschmack. Das bringt Emittenten in Zugzwang – wer jetzt nicht die ETF-Welle reitet, vertut Chancen. Doch öffnet sich für die Anbieter eine Zwickmühle: Die großen Standard-Indizes sind abgedeckt. Beim Vorstoß in Nischenmärkte allerdings ergeben sich Probleme, die Anleger nicht übersehen sollten.

Nach wie vor beherrschen Standardindizes wie DAX und DJ Euro STOXX 50 den ETF-Markt. Rund zwei Drittel der vorhandenen Indexprodukte beziehen sich auf diese Benchmarks – ein Teil der Ergebnisse, die die ETF-Studie von Scope zum ersten umfassenden ETF-Rating in Deutschland ergab.

Den Rest teilen sich Nischen-, Branchen und Spezialindizes. Für diese Barometer ergab das Scope Index-Rating allerdings bei verschiedenen Kriterien unterdurchschnittliche Bewertungen. Eines ist das Kriterium „Transparenz und Nachvollziehbarkeit“. Vor allem thematische Investments, die nicht einer Region oder Branche zugeordnet werden, weisen hier häufig Mängel auf. Beim Islamic Investing steht beispielsweise die Art und Weise des Investierens im Vordergrund. Es geht um eine spezifische Investmentphilosophie. Alle Investments müssen demnach Schariah-konform sein. Zwar existieren keine verlässlichen Zahlen, Schätzungen gehen jedoch von einem weltweiten Investitionsvolumen zwischen 180 und 250 Mrd. US-Dollar aus.

Mit ETFs Schariah-konform investieren

Islamic Investing ist damit heute nicht mehr nur auf islamisch geprägte Gesellschaften beschränkt. Die Titelauswahl für Indizes zu diesem Thema unterliegt aber oftmals nicht streng definierten Kriterien und ist für Anleger damit nicht immer voll nachvollziehbar. Inwieweit ein Unternehmen als schariah-konform bezeichnet werden kann, ist vielmals eine Definitionsfrage. Dem Thema Schariah haben sich gleich mehrere ETF-Anbieter gewidmet. iShares hat beispielsweise einen Indexfonds auf den MSCI World Islamic Index (ISIN: DE000A0NA0L5) im Angebot. Die Management Fee liegt bei diesem Drei-Sterne-Produkt bei 0,6 Prozent. Erträge werden vierteljährlich ausgeschüttet.

Indizes auf Nischenmärkte ebenfalls schwierig

Eine weitere Schwierigkeit, die sich in Nischenmärkten stellt: In Schwellenländern wie Vietnam sind die Börsen noch nicht auf dem Standard der Industrieländer. Eine schlechte Kursversorgung kann dort zu einer niedrigeren Handelsqualität führen, was auch auf die Handelbarkeit des ETFs Auswirkungen hätte. Ein Indexfonds zu diesem Markt ist bereits verfügbar und kommt von db x-trackers (ISIN: LU0322252924). Als Benchmark dient der Vietnam-Index aus dem Hause FTSE. Die Deutsche Bank verlangt eine Management Fee von 0,85 Prozent.

Hohe Kosten bei illiquiden Märkten

Bei Produkten, die sich auf illiquidere Märkte beziehen, müssen Anleger generell mit höheren Gebühren rechnen. Hinzu kommt ein anderes Problem, das bei kleineren Märkten eine Rolle spielen kann: der sogenannte Market Impact. Das bedeutet, dass dort selbst kleine Ordergrößen einen Preis signifikant beeinflussen können. Neben Mängeln bei Transparenz und Handelsqualität gehört auch der oftmals niedrige Diversifikationsgrad zu den Schwierigkeiten, die sich abseits der Standard-Indizes ergeben.

Ein Beispiel ist der CECE Health Care Price Index, den die Wiener Börse berechnet. Im Scope Index-Rating gehört er zu den Benchmarks, die mit zwei Sternen am schlechtesten abgeschnitten haben. Der Index bezieht sich auf osteuropäische Unternehmen, die im Gesundheitsbereich tätig sind. Allerdings sind hier lediglich sieben Einzeltitel enthalten – keine sehr breite Aufstellung. Hinzu kommt, dass zwei Titel aktuell fast 50 Prozent des Indexgewichts innehaben und diesen damit stark dominieren. Noch ist kein ETF zu dieser Benchmark gelistet. Anders sieht das auf dem Zertifikatemarkt aus. Dort finden sich mehrere Produkte zu diesem Barometer. Kein Wunder: Gibt es doch kaum noch Regionen oder Sektoren, die noch nicht mittels Zertifikat investierbar sind.

„Zurück zur Einfachheit“ lautete hier aber das Motto nach der Lehman- Pleite. Und die Branche gesteht selbst ein, dass der Zertifikate-Gedanke oftmals ad adsurdum geführt wurde und nicht jedes Zertifikat Sinn machte. Nun befürchten manche Marktteilnehmer, die ETF-Branche könnte einen ähnlichen Weg beschreiten. Bislang ist der Ur-Gedanke eines einfachen und transparenten Finanzprodukts, mit der die ETF-Branche wirbt, noch weitest gehend bewahrt. Jetzt gilt es allerdings, den goldenen Mittelweg zwischen Durchblick für die Anleger und Innovationsdruck zu finden.

Dieser Beitrag stammt aus dem Magazin: Analysis Kompakt – Indexprodukte von Scope Analysis.

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