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ETF-Jahresrückblick: Bewegte Finanz- und Rohstoffmärkte

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2009 war kein Jahr für schwache Nerven. Sowohl an den Aktienbörsen als auch an den Renten- und Rohstoffmärkten ging es turbulent zu. Immerhin: Mutige Anleger können eine positive Bilanz ziehen.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Als im Dezember vergangenen Jahres Analysten danach befragt wurden, wo sie den DAX in zwölf Monaten sehen würden, waren die Prognosen alles andere als berauschend. Viele Experten befürchteten massive Kursverluste. Zunächst behielten sie damit recht. An den Aktienmärkten ging es tatsächlich weiter nach unten – und zwar weltweit.

Depressionsängste

Hintergrund für den Kursrutsch war die durch die Finanzkrise ausgelöste globale Rezession. In zahlreichen Medien war bereits von einer neuen bevorstehenden „großen Depression“ die Rede. Tatsächlich hagelte es in den ersten Monaten des Jahres fast ausnahmslos schlechte Nachrichten. So brach im ersten Quartal 2009 der Welthandel prozentual zweistellig ein. Als Exportnation war Deutschland davon besonders stark betroffen. Im ersten Quartal 2009 stürzten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Ausfuhren im Vergleich zur Vorjahresperiode um 21,2 Prozent ab. Als Folge schrumpfte die heimische Wirtschaft im gleichen Zeitraum um erschreckende 6,4 Prozent. Einen solch starken Einbruch der Konjunktur hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Aber auch andere Industrienationen wie die USA, Japan oder Großbritannien steckten in der schwersten Rezession seit Jahren.

Kampf gegen die Rezession

Um die wirtschaftliche Talfahrt zu stoppen, beschlossen zahlreiche Staaten, milliardenschwere Konjunkturprogramme aufzulegen. Unterstützung erhielten sie von den Notenbanken in Gestalt einer ultra lockeren Geldpolitik. In vielen Ländern wie den USA, Japan oder der Schweiz herrscht immer noch eine Quasi-Nullzinspolitik. In der Eurozone senkte die EZB den Leitzins im Laufe des Jahres bis auf ein Prozent. Die umfangreichen fi skal- und geldpolitischen Maßnahmen sorgten an den Aktienmärkten für ein Aufatmen. Angetrieben von der Hoffnung, dass der Tiefpunkt der Krise bald überwunden sein könnte, starteten die internationalen Börsen ab Mitte März eine fulminante Erholungsrallye.

Comeback von Aktien

Der DAX legte seit seinem Jahrestief vom 6. März 2009 um fast 60 Prozent zu. Seit Jahresanfang beträgt das Plus rund 20 Prozent (Stichtag: 23. November 2009). In den meisten Industrienationen fi el die Erholung sogar noch stärker aus. So kletterten zum Beispiel die MSCI-Länderindizes für Belgien und Schweden seit Jahresanfang um 47 beziehungsweise 45 Prozent nach oben, knapp dahinter der MSCI Austria mit einem Plus von 43 Prozent.

Beachtliche BRIC-Rallye

Noch dynamischer verlief die Aufwärtsbewegung in den Schwellenmärkten. Vor allem die BRIC-Staaten Brasilien (MSCI Brasil: plus 62 Prozent seit Jahresanfang), Russland (MSCI Russia: plus 77 Prozent), Indien (MSCI India: plus 86 Prozent) und China (MSCI China: plus 61 Prozent) schafften ein beeindruckendes Comeback. Hintergrund für die Hausse: Zahlreiche Emerging Markets haben die Krise besser weggesteckt als erwartet. In China ist zum Beispiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal bereits wieder um 8,9 Prozent gewachsen. Einen Sonderfall stellt Russland dar. In dem einstigen Zarenreich leidet die Binnenkonjunktur zwar weiterhin unter der Krise. Jedoch konnte der stark rohstoffl astige russische Aktienmarkt von den wieder anziehenden Rohstoffpreisen profi tieren.

Auf dem Weg der Besserung

Etwas zeitlich versetzt zur Erholung an den Aktienmärkten hellten sich auch die ökonomischen Frühindikatoren in Form steigender Auftragseingänge sowie eines freundlicheren Geschäftsklimas wieder auf. So stieg der an den Finanzmärkten viel beachtete ISM-Index der US-Einkaufsmanager im Oktober auf 55,7 Punkte. Das ist, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte, der höchste Stand seit April 2006. Hierzu passt die Nachricht, dass das Bruttoinlandsprodukt der USA im dritten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate um 2,8 Prozent expandierte. Es ist laut dem US-Handelsministierum das erste Wachstum seit dem zweiten Quartal 2008. Auch in der Eurozone scheint die Konjunktur mit einem Plus beim BIP von 0,4 Prozent wieder Tritt zu fassen.

Zinsnotstand

Die sich abzeichnende Konjunkturerholung kann die Rallye an den Aktienmärkten aber nur zum Teil erklären. Eine weitere Ursache dürfte in der hohen Liquidität beziehungsweise den historisch niedrigen Zinsen liegen. Während noch zu Beginn des Jahres zahlreiche Anleger ihr Vermögen in sichere Anlagen wie Termingelder oder Staatspapiere umschichteten, geht der Trend mittlerweile wieder hin zu riskanteren Anlageklassen. Tatsächlich fi elen die Umlaufrenditen für Staatsanleihen in diesem Jahr infolge der Niedrigzinspolitik der Notenbanken auf ein historisch niedriges Niveau. Magere Zeiten also für Zinsanleger, obwohl es um die Realzinsen aufgrund des Fehlens von Infl ation gar nicht einmal so schlecht bestellt ist. Zumindest am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve dürfte sich am Zinsnotstand auch so schnell nichts ändern. Die Mehrheit der Analysten rechnet nicht damit, dass es mittelfristig zu Zinserhöhungen kommen wird.

Rohstoffe vom Tief erholt

Nicht weniger spektakulär als an den Aktienbörsen verlief die Entwicklung an den Rohstoffmärkten. Auch hier waren zunächst sinkende Preise zu beobachten, insbesondere bei den Industriemetallen sowie den Energierohstoffen. Von ihren Tiefs haben sich die meisten „Schätze der Natur“ aber mittlerweile wieder deutlich erholt. Gründe hierfür sind zum einen die sich aufhellenden Konjunkturperspektiven. Zum anderen trieb China die Nachfrage nach Industriemetallen nach oben. Das Reich der Mitte nutzte die niedrigen Preise, um seine Lager aufzustocken.

Neuer Goldrausch

Ein besonderes Revival feierte Gold. Das gelbe Edelmetall stieg zuletzt über 1.150 Dollar je Feinunze – ein neues Rekordhoch. Für den Goldrausch gibt es mehrere Ursachen. Zum einen nehmen die Sorgen über den schwachen Dollar zu. Mittlerweile wird angezweifelt, ob die US-Devise ihre Stellung als Weltleitwährung dauerhaft wird behaupten können. So überrascht es nicht, dass private Investoren, aber auch Zentralbanken ihre Goldbestände aufstocken. Zum anderen scheinen zahlreiche Anleger aufgrund der ausufernden Staatsverschuldung sowie der Liquiditätsflutung durch die Zentralbanken an ein Wiederauffachen der Inflation zu glauben.

Was bringt 2010?

Trotz denkbar schlechter Vorzeichen konnten mutige Anleger, die rechtzeitig in Aktien- oder Rohstoff-ETFs investiert haben, in diesem Jahr beachtliche Renditen erzielen. Doch wie geht es an den verschiedenen Märkten weiter? Hält die Aufwärtsbewegung an, wie Optimisten meinen? Oder droht uns bereits die nächste Blase, wie Skeptiker warnen. Spannende Fragen, denen wir uns in der nächsten Ausgabe des EXtra-Magazins (18.12.2009) in einem „Marktausblick 2010″ widmen wollen.

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Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.