Drei Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers stehen Banken erneut vor großen Herausforderungen. Nicht nur bei Ratingagenturen, auch bei vielen Investoren sind die Häuser in Ungnade gefallen, die Aktien abgestürzt. Aufgrund der Index-Konstruktion sind Banken in vielen Benchmarks besonders stark gewichtet. Es exi stieren aber auch Indizes, die einen anderen Weg gehen, Finanzwerte explizit ausklammern oder auf deren Schwäche setzen.

Nach dem Internationalen Währungsfonds hat diese Woche auch die EU-Kommission vor einer neuen Bankenkrise in Europa gewarnt. Die EU-Finanzminister haben nun angekündigt, einen gemeinsamen Plan zur besseren Kapitalausstattung der Banken auszuarbeiten. Die Sorgen um die Geldhäuser spiegeln sich auch in Herabstufungen von Ratingagenturen wider. Moody´ s korrigierte vor wenigen Tagen die Bonitätsnote für drei französische sowie drei US-Banken nach unten und Standard & Poor´s sieht bei sieben italienische Häusern gestiegene Risiken aufgrund der Staatsschuldenkrise. Noch ungewiss ist, wie stark die Belastungen, die den Banken infolge der Griechenlandkrise bevorstehen, tatsächlich ausfallen werden. Die Deutsche Bank hat kürzlich berechnet, dass sich die Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen nicht auf die im Rahmen der privaten Gläubigerbeteiligung ausgehandelten 21 Prozent belaufen werde, sondern mindestens 25 Prozent zu erwarten seien.

Noch mehr als stärkere Belastungen durch Griechenland fürchten viele Banken in der aktuellen Lage jedoch ein Überschwappen der Krise auf andere Länder. Zuletzt galten die Sorgen insbesondere Italien, dessen Kreditwürdigkeit von Moody´s eben falls herabgestuft wurde.

Die Folgen des Bankenmisstrauens an der Böse: In den vergangenen sechs Monaten hat der Branchenindex STOXX Europe 600 Banks 33 Prozent verloren. Der europäische Gesamtmarktindex STOXX Europe 600 weist dagegen ein Minus von lediglich 18 Prozent auf. Erst in den vergangenen Tagen wurden Bankaktien von der Hoffnung auf Fortschritte in der Staatsschuldenkrise und den Rekapitalisierungsplänen beflügelt und konnten starke Kursgewinne verbuchen.

Dass die Bankwerte die Performance des STOXX 600 Banks bestimmen, liegt auf der Hand. Weniger offensichtlich ist der starke Einfluss dagegen bei manch breitem Marktindex. Die Bankenlastigkeit wurde vielen vor allem in der Finanzkrise zum Verhängnis. Als Paradebeispiel gilt der Euro STOXX 50. Er verlor 2008 rund 43 Prozent. Der Grund für den starken Einfluss: Die Gewichtung innerhalb eines Index erfolgt meist nach Marktkapitalisierung. Zwar haben viele Bankaktien in den vergangenen Monaten stark an Wert verloren und ihre Marktkapitalisierung ist damit gesunken. Dennoch entfallen innerhalb des Euro STOXX 50 immerhin noch rund 15 Prozent Indexgewicht auf Bankwerte.

Eine Alternative ist für Anleger noch nicht in Sicht: Vor wenigen Tagen rief die Frankfurter Allgemeine Zeitung zwar den F.A.Z.-Euro-Index ins Leben, bei dem die Marktkapitalisierung nur bei der Auswahl der Werte eine Rolle spielt und alle Aktien dann gleich gewichtet werden. Doch auch hierin finden sich 15 Bankenwerte mit einem entsprechenden Gewicht.

Kritik an Indexkonzepten

Kritiker sehen die Gewichtung nach Marktkapitalisierung bei Aktienindizes problematisch, da der Einfluss eines Titels wächst, je weiter sein Kurs steigt. Am Beispiel der Volkswagen-Aktie hat man erlebt, wie ein Wert, der Kapriolen schlägt, den ganzen Index – in diesem Fall den DAX – im Griff haben kann. Noch angreifbarer ist dieses Vorgehen bei Rentenindizes: Schuldner mit den größten ausstehenden Verbindlichkeiten nehmen nach dieser Methodik das höchste Gewicht im Index ein. Auch hier stehen Banken oftmals ganz oben. Ihre Refinanzierung erfolgt zu einem großen Teil über die Ausgabe von Anleihen. Beim iShares Markit iBoxx Euro Corporate Bond (ISIN: DE0002511243) führt dieses Vorgehen beispielsweise zu einem Banken-Anteil von 50 Prozent.

Um das zu umgehen, wurden bereits erste Anleihen-ETFs lanciert, die Banken explizit außen vor lassen. Ein Beispiel ist der iBoxx Liquid Corporate 100 Non-Financials Sub- Index Total Return ETF von der Deutschen Bank (ISIN: LU0484968655). Hierin sind 47 Anleihen von Unternehmen enthalten, die nicht dem Finanzsektor zuzuordnen sind.

Anleger, die dagegen gezielt auf eine Schwäche der Banken setzen möchten, finden Short-ETFs am Markt, die sich speziell auf Bankaktien beziehen. Neben der Deutschen Bank bietet hier auch die Société Générale-Tochter Lyxor einen ETF auf den STOXX Europe 600 Banks Daily Short Index (ISIN: FR0010916767). Die Benchmark bildet die Entwicklung des Branchenindex, der 50 europäische Banken umfasst, spiegelbildlich ab. Der Hebel wird dabei täglich auf -1 zurückgesetzt. Der Short- Index liegt auf Ein-Jahres-Sicht über 40 Prozent im Plus.

 

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.