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ETF-Marktbericht: Luft nach oben ist dünn

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Einzelne Ideen und Trends schwimmen gegen den eher vorsichtigen Gesamtmarkt, z.B. Indexfonds mit Midcaps, chinesischen und koreanischen Aktien, Short-Strategien zum Bund-Future.

(Börse Frankfurt). Im Vergleich zu den Vormonaten sind die Umsätze deutlich verhaltener, berichten die Market Maker unisono. Die Rating-Delle der USA, wieder aufflammende Diskussionen um die Schuldenlast Griechenlands – aktuell noch verstärkt durch das Wahlergebnis in Finnland, bremsten die Anleger. Bastian Ohta von UniCredit wünscht sich mehr Investoren, sieht aber auch, dass der Markt deutlich tiefer stehen sollte und die Risikobereitschaft bereits sehr hoch sei. Bernardus Roelofs von Flow Traders diagnostiziert Unsicherheit. „Die Luft nach oben ist dünn.“

Verhälntis von Käufer zu Verkäufer von 85 zu 15 Prozent

Frank Mohr, ETF-Händler bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) fasst zusammen. „Nach dem Downgrade der USA durch S&P ziehen die Verkäufe an.“ Die Rating Agentur Standard & Poor’s hat am Montag den Ausblick für das langfristige Rating – derzeit AAA – von stabil auf negativ gesenkt. Anleger trennen sich in Folge von ETFs auf US-Indizes wie MSCI USA und S&P 500 (WKNs ETF120, 264388, DBX1MU). Aber auch Tracker auf die anderen großen Indizes wie DAX und Euro Stoxx 50 würden abgegeben. „In einem Verhältnis der Käufer zu Verkäufer von etwa 85 zu 15 Prozent“, konkretisiert Mohr. „Wenn solche News kommen, reagieren Anleger schnell in den wichtigen Indizes.“ Vor der Meldung waren auch breit gestreute ETFs, zum Beispiel auf den STOXX 600, noch gesucht (WKNs 263530, LYX0AX). Ungeachtet dessen stiegen einige auch ein, aber eher im Small- und Midcap-Bereich, zum Beispiel in den iShares MDAX (DE) (WKN 593392), weiß Mohr.

Italien, China und Korea

Im Hinblick auf die Region sieht die Commerzbank ( Zum Testbericht) überwiegendes Interesse in Nischen. Gekauft würden Indexfonds mit koreanischen und chinesischen Aktien (WKNs DBX1K2, DBX1FX), wobei die Umsätze auch eher auf Nischen-Niveau seien. Ohta berichtet von auffälligem Interesse an ETFs mit italienischen Aktien. International würden in Italien notierte, an den dortigen Leitindex MIB gekoppelte ETFs nachgefragt. In Frankfurt sind zwei Produkte im Angebot, und zwar von der Credit Suisse (WKN A0YEDP) und ein db x-tracker (WKN DBX1MB).

Mehrheitlich verkauft – konkret in einem Verhältnis von vier zu eins – werden an russische Aktienindizes (WKNs z.B: LYX0AF, DBX1RC) gekoppelte ETFs. Auch bei ETFs mit osteuropäischen (WKNs A0F6BV, A0HGZV) und mit türkischen Werten dominierten die Abgeber (WKN LYX0AK), wie Roelofs ergänzt.

Abkehr von Banken-ETFs

Im Handel mit Branchen-ETFs fallen vor allem die hohen Umsätze in Indexfonds auf Bankaktien auf. Angesichts der Griechenland-Diskussion trennten sich Investoren von Anteilen an Portfolios mit europäischen Bankaktien, wie die Market Makers unisono beobachten.

Short im Bund-Future

Auch beim Bund-Future dominiert eine Richtung, verkaufen oder gar short gehen. Mohr bringt es auf den Punkt: Während sich Anleger im betrachteten Zeitraum von gehebelten ETFs trennten, die an den Zinsbarometer gekoppelt sind (WKNs ETF561), würden ihre Short-Pendants gekauft (WKN ETF563, LYX0FW), ebenfalls mit Hebel. Die Zweifel an der Bonität der USA bewegten natürlich auch die Rentenmärkte. Der Bund-Future, der als Maß für die langfristigen Zinserwartungen gilt, sei auf die Downgrade-Meldung hin ins Rutschen gekommen und auch technisch angeschlagen, wie Ralf Umlauf, Rentenanalyst bei der Helaba zusammenfasst.

© 19. April 2011 / Edda Vogt

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