etf marktbericht

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Bei extrem hohen Umsätzen war der ETF-Handel Anfang der vergangenen Woche von massiven Verkäufen geprägt, seit Donnerstag sieht es aber schon wieder anders aus. Angesichts der Berg- und Talfahrt konzentrierten sich die meisten Anleger auf große Indizes.

Crash hin oder her – die ETF-Händler können sich über extreme Kursschwankungen an den Börsen freuen. „Das Geschäft ist explodiert“, erklärt Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). „Bei uns lag die Anzahl der Trades in der vergangenen Woche fünfmal so hoch wie üblich“. Seit Diesntag sei zwar ein wenig Ruhe eingekehrt, die Umsätze wären aber immer noch deutlich höher als etwa im Juli. Dabei habe es natürlich viele Abgaben gegeben, immer wieder hätten sich Anleger aber auch positioniert. „Das Verhältnis lag in der vergangenen Woche bei 60 Prozent Verkäufen zu 40 Prozent Käufen“, meldet Mohr. „Es hat sich auch gezeigt, dass – anders als Kritiker prophezeit haben – Indexfonds in schwierigen Zeiten handelbar bleiben“. Investoren hätten immer einen Preis bekommen.

„Es war die Hölle los“, schildert Bernardus Roelofs von Flow Traders die Lage. In einer Woche seien so hohe Umsätze erzielt worden wie sonst nicht mal in einem Monat. Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank berichtet von „massiven Verkäufen“ bis Mitte der vergangenen Woche, ab Donnerstag habe sich das aber gedreht. „Insgesamt waren die Volumina sehr, sehr gut.“ Nach drei Tagen mit deutlichem Gewinnen tendiert der DAX heute wieder schwächer, Auslöser war das enttäuschende Wachstum des deutschen BIP im zweiten Quartal.

Short-ETFs punkten

Im Mittelpunkt des Interesses standen in der vergangenen Woche ganz klar die großen Indextracker. „Wir haben 80 Prozent unseres Geschäfts mit DAX-, Euro Stoxx 50- oder S&P 500-ETFs gemacht“, erklärt Mohr (WKN ETF001, 593393, DBX1DA). Dabei sei der Handel stark von institutionellen Investoren geprägt worden, die sich taktisch positioniert hätten. Einige Anleger hätten aber auch strategisch agiert. „So mancher, der zum Beispiel schon lange auf US-amerikanische Aktien setzen wollte, hat die Gelegenheit nun genutzt.“ Daneben seien gehebelte Produkte auf den DAX auf eine rege Nachfrage gestoßen. Flow Traders sieht den Fokus ebenfalls auf den Indizes DAX, Euro Stoxx 50 und S&P 500 (WKN LYX0AC, 798328, 264388, A1H53N). Die Deutsche Bank hat auch Interesse an Short-ETFs ausgemacht, vor allem Short-Tracker auf den Euro Stoxx 50 seien Anfang der vergangenen Woche gut weggegangen, danach aber wieder „zugemacht“ worden.

Flucht aus Banken-ETFs

Angesichts der Stürme an den Aktienmärkten spielten Spezialthemen in den vergangenen Tagen keine so große Rolle. Allerdings mussten besonders die Banken-ETFs abermals deutlich Federn lassen (WKN A0F5UJ, DBX1SF, LYX0AP). „Banken-Indexfonds wurden kräftig abgestoßen, Short-ETFs auf Banken gekauft“, weiß Kleefeld (WKN DBX1AH). „Wenn Sektoren-Indexfonds Thema waren, dann waren es Banken-, Grundstoff- und Automobil-ETFs“, berichtet Mohr. „Auch hier gab es neben vielen Abgaben aber auch immer mal wieder Käufe.“ Roelofs zufolge konnte die Gesundheitsbranche ebenfalls nicht überzeugen, er meldet Abflüsse aus dem Lyxor Stoxx 600 Health Care (WKN LYX0AS).

Schwellenländer-ETFs in Mitleidenschaft

Unterdessen konnten sich auch die Schwellenländer-ETFs dem Abwärtsstrudel nicht entziehen. „Hier gab es viele Abgaben, der Schwerpunkt lag aber bei den Industrieländern“, sagt Roelofs. Er meldet Abflüsse aus dem iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT) und dem db x-trackers Emerging Markets (WKN DBX1EM). Auch ETFs mit Einzelmärkten wie Russland oder Indien hätten auf den Verkaufslisten gestanden (WKN LYX0AF, LYX0BA).

Sicherheit hoch im Kurs

Durchaus beliebt waren hingegen Renten-ETFs, besonders solche mit deutschen Staatsanleihen oder Geldmarktprodukte. „Bei Renten-Trackern hatten wir fast nur Käufe“, meldet Roelofs und verweist auf den ETFlab Deutsche Börse EuroGov Germany (WKN ETFL17), den iShares Barclays Capital Euro Government Bond 5-7 (WKN A0YBRY) und den db x-trackers II iBoxx Sovereigns Eurozone 7-10 (WKN DBX0AG). Auch Geldmarkt-ETFs wie der db x-trackers Eonia (WKN DBX0AN) und der Lyxor Euro Cash Eonia (WKN LYX0B6) seien auf den Einkaufszetteln gestanden. „Bis Mitte der vergangenen Woche wurden ETFs mit deutschen Kurzläufern gekauft“, berichtet auch Kleefeld, er nennt den db x-trackers II iBoxx Germany 1-3 Total Return (WKN DBX0C9) als Beispiel. Neben Gold und Geldmarktprodukten seien diese als „sichere Häfen“ besonders beliebt gewesen. Seit Donnerstag würden die Positionen aber schon wieder abgebaut.

© 16. August 2011/Anna-Maria Borse

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.