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ETF-Marktbericht: Schwellenländer-Begeisterung angekratzt

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Die in diesem Jahr ohnehin gebremste Euphorie in Sachen Schwellenländer hat durch die Turbulenzen in Ägypten nochmals einen Dämpfer bekommen. Anleger konzentrieren sich lieber auf die Industrieländer.

„Die Unruhen in Ägypten versetzen die Märkte in Aufruhr“, erklärt Bernardus Roelofs von Flow Traders. Schwellenländerfonds stünden klar auf den Verkaufslisten, der Trend gehe hin zu den großen Industrieländerindizes. Dabei blieben die Umsätze hoch. „Der Januar war der beste Monat in unserer Geschichte“, berichtet Roelofs. Auch die Commerzbank ( Zum Testbericht) meldet anhaltend hohe Volumina. Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank hat allerdings eine „Verlangsamung gegenüber dem Jahresanfang“ ausgemacht, er spricht von „soliden Umsätzen“.

Bluechips weiter begehrt

Ausgesprochen beliebt bleiben – wie in den Vorwochen – die Standardwerte, etwa Euro Stoxx 50- (WKN DBX1EU, 593395, ETF050) und S&P 500-Tracker (WKN 264388). Der Euro Stoxx 50 profitiert derzeit von der hohen Gewichtung von Finanzwerten, für die viele Analysten Nachholbedarf sehen, wie Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht) erläutert. Doch auch Nordamerika gehört zu den Rennern: „Die US-Wirtschaft ist 2010 so stark gewachsen wie seit fünf Jahren nicht mehr, vor allem der Privatkonsum hat zugelegt“, so Roelofs.

DAX-ETFs kommen nicht mehr so gut an, Market Maker berichten einhellig von Abgaben (WKN DBX1DA, 593393) bei hohen Volumina. Auf den Umsatzlisten der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage belegen DAX-Tracker abermals die ersten drei Plätze. Dafür positionieren sich die Anleger mit DAX Short-Produkten (WKN DBX1DS), wie Bartels festgestellt hat. Die Bonitätsherabstufung Japans durch Standard & Poor’s hat Indexfonds, die den japanischen Markt abbilden, im Übrigen nicht geschadet. „Verkäufe haben wir nicht gesehen, allerdings ist es um Japan schon seit einiger Zeit still geworden“, heißt es von Seiten der Commerzbank.

Emerging Markets auf Abgabelisten

Auch in Sachen Schwellenländer (WKN A0HGZT, LYX0BX) ist die Kauffreude dahin: „Das Bild bei den Emerging Markets ist gemischt“, erklärt Sidi Kleefeld. Während es im vergangenen Jahr quasi nur Käufe gegeben habe, sei das in diesem Jahr anders, die Abgaben hätten sich zuletzt sogar noch verstärkt. Etwa werde das Emerging Markets Flaggschiff der Deutschen Bank (WKN DBX1EM) eher abgegeben. „Wir sehen zwar auch Zuflüsse, es wird aber nicht mehr blind gekauft.“ Der Commerzbank zufolge positionieren sich Anleger aber durchaus bei einzelnen Ländern, etwa Russland (WKN LYX0AF).

Finger weg von Afrika-Fonds

Indextracker mit ausschließlich ägyptischen Aktien werden in Europa nicht gehandelt, deutlich Federn lassen musste infolge der Unruhen aber der Lyxor Pan Africa (WKN LYX0DK), wie Bernardus Roelofs meldet. Auf Sicht von einem Monat sind Verluste von 11 Prozent zu verbuchen. Auf Sicht von sechs Monaten liegt die Performance aber schon wieder im grünen Bereich, für die vergangenen zwölf Monate kann der Fonds sogar mit einem Plus von fast 17 Prozent aufwarten. Der ETF zeichnet die Entwicklung afrikanischer Unternehmen etwa aus dem Rohstoff- oder Telekommunikationsbereich nach, mit einem Anteil von gut 8 Prozent ist der Baukonzern Orascom Construction Industries mit Sitz in Kairo prominent vertreten.

Aufholjagd bei Banken erwartet

Im Handel mit Sektoren-Indexfonds dominieren die gleichen Trends wie bei Direktanlagen in Aktien. „Die Underperformer des vergangenen Jahres werden gekauft, die Outperformer verkauft“, erklärt Kleefeld und nennt als Beispiele Automobil-ETFs, von denen sich Anleger trennten, und Banken-ETFs, die zugekauft würden. Auch andere Marktteilnehmer sehen großes Interesse an Finanzwerten (WKN ETF066). Flow Traders meldet darüber hinaus noch Zuflüsse in Health Care- (WKN LYX0AS) und Rohstofffonds (WKN A0EAZC) sowie Abflüsse aus der Technologie- (WKN DBX1TE) und Wasserbranche (WKN A0MSAG).

Funkstille bei Renten-ETFs

Renten-ETFs finden nach wie vor nur wenige Anhänger. Auf den Verkaufslisten stehen der Commerzbank zufolge vor allem Indexfonds, die langlaufende deutsche Staatsanleihen abbilden, etwa der iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10,5 (WKN 628949) und der Comstage iBoxx Euro Sovereign Germany Capped 5-10 (WKN ETF522). Laut Deutscher Bank gibt es allerdings Zuflüsse bei Geldmarktfonds wie dem db x-trackers II Eonia (WKN DBX0AN) und Rentenfonds mit Staatspapieren mittlerer Laufzeit, etwa dem db x-trackers II iBoxx Sovereign Eurozone 3-5 (WKN DBX0AE).

© 1. Februar 2011/Anna-Maria Borse

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