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ETFs auf Indizes „Made in Germany“

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Auch wenn eine breite Streuung des Anlagedepots die Risiken deutlich reduziert – allen Empfehlungen zum Trotz setzen deutsche Anleger immer noch vorwiegend auf den heimischen Markt. Daher nehmen wir „Made in Germany“ im ETF-Markt genauer unter die Lupe.

„Hätten Sie gewusst, dass die Marktkapitalisierung deutscher Aktien gemessen am Weltaktienmarkt nur knapp vier Prozent beträgt, dass deutsche Aktien aber mit mehr als 50 Prozent in den Aktienportfolios deutscher Anleger gewichtet sind?“ Diese leicht provokante Frage stellt ein Finanzexperte der Citibank zu Beginn eines Gastbeitrags auf dem Onlineportal „wallstreet-online“. Damit macht er auf ein weltweit zu beobachtendes Phänomen aufmerksam, das in der Finanzwelt unter dem Begriff „Home Bias“ bzw. „Heimatmarkt-Neigung“ subsumiert wird. Geprägt wurde der Begriff erstmals von Kenneth French und James M. Poterba im Jahr 1991. Seitdem gibt es unzählige Studien, die diesen börsenpsychologischen Aspekt belegen. Einerseits hat dies natürlich mit Heimatverbundenheit und Patriotismus zu tun, es gibt aber auch andere Gründe. Eine alte Börsenregel heißt schließlich auch: kaufe nur Werte, die du kennst. Bei ausländischen Aktien ist es weit schwieriger, an entsprechende Informationsquellen heranzukommen. Hinzu kommen Wechselkursrisiken, die bei einer solchen Anlage in der Regel mit in die Investitionsentscheidung einbezogen werden müssen, ebenso wie möglicherweise höhere Transaktionskosten.

ETF-Markt ist auch betroffen

Auch wenn die zuletzt genannten Gründe bei ETFs oft keine Rolle spielen, das Phänomen der „Heimatmarkt-Neigung“ ist auch im ETF-Markt zu finden, auch wenn nicht ganz so stark ausgeprägt. Von den insgesamt 178,5 Mrd. Euro, die in Europa in ETFs investiert sind, sind etwa 21 Mrd. Euro im DAX Index angelegt. Auf rein deutsche Basiswerte entfallen etwa 32 Mrd. Euro, also etwa 18 Prozent des Gesamtmarktvolumens. Bezieht man noch alle breit diversifizierten überregionalen Indizes, in denen deutsche Basiswerte auch vertreten sind, in die Rechnung mit ein, wäre der Anteil deutscher Investments noch weit höher.

Deutsche Aktien-ETFs

Inzwischen können Anleger aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Indizes auf deutsche Aktien wählen. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten vor.

DAX Index

Mit Spannung warten Anleger Anfang September auf den Anpassungstermin des DAX Index. Als Aufsteiger werden derzeit die Aktien von Continental und Lanxess gehandelt. Metro und MAN könnten dafür absteigen. Größter ETF auf den deutschen Leitindex ist der iShares DAX ETF (WKN: 593393), in dem aktuell etwa 12 Mrd. Euro investiert sind. Der Index wird vollständig abgebildet, Erträge werden thesauriert. Die Gesamtkostenquote beträgt günstige 0,16 Prozent. Über Swaps abgebildet wird der DAX dagegen bei db x-trackers (WKN: DBX1DA). In diesem ETF sind aktuell 6,3 Mrd. Euro investiert. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,15 Prozent.

F.A.Z.-Index

Unter jüngeren Anlegern weit unbekannter, aber dafür wesentlich älter ist der F.A.Z.Index. Er wurde im Jahr 1961 von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufgelegt, seine historischen Daten reichen zurück bis ins Jahr 1950. Bei dem Index handelt es sich anders als beim DAX nicht um einen Performanceindex, sondern ähnlich wie andere internationale Indizes um einen Kursindex. Dividenden werden daher nicht berücksichtigt. Zudem ist er weit breiter aufgestellt, denn er umfasst die 100 wichtigsten deutschen Unternehmen aus zwölf Branchen. Er deckt damit rund 84 Prozent der Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen in Deutschland ab. Über den ComStage ETF F.A.Z.-Index (WKN: ETF006) kann man in diesen Index investieren. Mit einem Fondsvolumen von 36 Mio. Euro ist der ETF aber vergleichsweise klein. Die Abbildung des Index erfolgt via Swaps, Erträge werden thesauriert. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,15 Prozent.

MSCI Germany Index

Nicht ganz so breit gefasst ist der MSCI Germany Index, der aktuell die 53 Aktien mit der höchsten Marktkapitalisierung enthält. Am stärksten gewichtet sind Siemens, BASF und Bayer. Über den Amundi ETF MSCI Germany (WKN: A0REJQ) kann man in diesen Index investieren. Das Fondsvolumen beträgt 141 Mio. Euro. Abgebildet wird der Index über Swaps. Die Erträge werden thesauriert. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,25 Prozent.

MDAX Index

Im MDAX sind die 50 größten mittelständischen Unternehmen zusammengefasst. Am höchsten gewichtet sind aktuell der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sowie die als DAX-Aufsteiger gehandelten Unternehmen Continental und Lanxess. iShares bieten einen ETF auf den Mid-Cap-Index (WKN: 593392) an, der ein Fondsvolumen von 848 Mio. Euro aufweist. Wie bei iShares üblich, wird der Index vollständig abgebildet. Erträge werden thesauriert. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,51 Prozent.

SDAX Index

Der SDAX umfasst die 50 Unternehmen aus dem Small-Cap-Universum der klassischen Industriesektoren. Am höchsten gewichtete Aktien sind TAG Immobilien, GFK sowie Alstria Office. Abgebildet wird der Index durch den ComStage ETF SDAX (WKN: ETF005), der aktuell ein Fondsvolumen von 45 Mio. Euro aufweist. Der Index wird via Swaps abgebildet. Erträge werden thesauriert. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,70 Prozent.

TecDAX Index

Mittelständische Technologie-Unternehmen sind im TecDAX vereinigt. In ihm sind die 30 marktkapitalstärksten Unternehmen außerhalb des DAX aus dem Bereich Technologie vertreten. Mit knapp 90 Prozent sind deutsche Unternehmen überdurchschnittlich vertreten, der Rest entfällt auf niederländische Werte. Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass die Technologieunternehmen aus Deutschland, der EU oder der EFTA kommen und mindestens 33 Prozent des Handelsumsatzes an der Deutschen Börse stattfindet. Die am höchsten gewichteten Unternehmen sind Software AG, Wirecard und Qiagen. Investieren kann man durch den iShares TecDAX ETF (WKN: 593397). Im Fonds sind aktuell 65 Mio. Euro investiert. Der Index wird vollständig abgebildet, Erträge werden thesauriert. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,51 Prozent.

DivDAX Index

Value-Anleger, die auf dividendenstarke deutsche Unternehmen setzen möchten, sind mit dem DivDAX Index gut beraten. Er bildet die 15 dividendenstärksten DAX-Titel ab. Die Indexzusammensetzung wird anhand der zuletzt gezahlten Dividende ermittelt. Größter ETF mit 268 Mio. Euro ist der iShares DivDAX (WKN: 263527). Der Index wird vollständig abgebildet. Die Erträge werden regelmäßig ausgeschüttet. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,31 Prozent.

DAXplus Maximum Dividend Index

Alternative dazu ist der ebenso von der Deutschen Börse berechnete DAXplus Maximum Dividend Index. Er umfasst die 20 dividendenstärksten Unternehmen aus dem Gesamtuniversum von DAX, MDAX und TecDAX. Das Besondere: Ausgesucht werden dabei diejenigen Aktien, für die in der kommenden Dividendenperiode die höchsten Ausschüttungen prognostiziert werden. Zurückgegriffen wird dabei auf die Dividendenankündigungen und -schätzungen. Mit dem ETFlab DAXplus Maximum Dividend (WKN: ETFL23), in dem aktuell knapp 84 Mio. Euro investiert sind, kann man an diesem Index partizipieren. Der Index wird vollständig abgebildet, Erträge werden ausgeschüttet. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,30 Prozent.

Strategie-Indizes

Insbesondere auf die im DAX vereinigten Blue-Chips existieren noch zahlreiche Strategieindex-ETFs. So kann man mittels des db x-trackers Short DAX (WKN: DBX1DS) auf fallende Werte setzen. Möglich ist dies zum Beispiel auch gehebelt sowohl auf steigende (WKN: A0X899) als auch fallende DAX-Kurse (WKN: A0X9AA) von ETF Securities. Auch Optionsstrategien auf den DAX sind investierbar, wie beispielsweise die Covered-Call-Strategie (WKN: LYX0AE) oder die Protective-Put-Strategie (WKN: LYX0BU). Bei der Covered-Call-Strategie wird zudem eine Call-Option verkauft. Der Anleger profitiert dann bei moderat steigenden Kursen zusätzlich an der eingenommenen Optionsprämie. Für unstetige Märkte ist dagegen die Protective-Put-Strategie auf den DAX geeignet. Hier wird neben dem DAX-Portfolio zur Absicherung in eine Put-Option investiert. Damit können Verluste bei fallenden Kursen erheblich abgefedert werden.

Renten-ETFs

Auch im Bereich der Renten-ETFs gibt es eine Vielzahl von ETFs. Hier dominieren ETFs auf deutsche Staatsanleihen in allen möglichen Laufzeitenbändern. Aber auch Pfandbriefe sind investierbar.

Staatsanleihen-Indizes

Nach wie vor sind ETFs auf deutsche Staatspapiere beliebt. Deutsche Anleihen gelten unter Anlegern trotz der äußerst geringen Verzinsung und der Haftungsproblematik Deutschlands für die zahlreichen EU-Staaten als „sicherer Hafen“. Größter ETF in diesem Bereich ist der iShares eb.rexx Government Germany 1,5 2,5 (WKN: 628947). Im Index enthalten sind die größten und liquidesten kurzfristigen deutschen Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 1,5 bis 2,5 Jahren. Auch in den übrigen Indexvarianten mit Restlaufzeiten bis zu zehn Jahren sind zwischen 672 und 731 Mrd. Euro investiert. Weniger beliebt sind aktuell Restlaufzeiten von mehr als 10 Jahren.

Ebenso beliebt ist der Basiswert Deutsche Börse EUROGOV Germany. Die meisten Anlagegelder mit 479 Mio. Euro innerhalb der Produktpalette von ETFlab vereint das Produkt mit Restlaufzeiten von 1 bis 10 Jahren (WKN: ETFL17). Der Index wird vollständig abgebildet, die Erträge werden ausgeschüttet. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,15 Prozent.

Pfandbrief-Indizes

Pfandbriefe haben sich inzwischen zu einem der beliebtesten Rentenpapiere am deutschen Markt entwickelt. Sie haben ihren Ursprung im Preußen des 18. Jahrhundert. Es sind gedeckte, verzinsliche Schuldverschreibungen und sie dienen zur Refinanzierung bestimmter durch Grundpfandrechte, Schiffshypotheken und Flugzeughypotheken besicherter Kredite sowie von Forderungen gegen staatliche Stellen. Als besicherte Schuldverschreibung gelten sie als besonders sichere Anlagen. Größter ETF auf deutsche Pfandbriefe ist der iShares eb.rexx Jumbo Pfandbriefe (WKN: 263526). Im ETF sind aktuell 20 der liquidesten Jumbo-Pfandbriefe enthalten. Mehr als 66 Prozent haben eine Laufzeit von 1 bis 3 Jahren. Stark gewichtet sind auch Papiere mit 3–5-jähriger Laufzeit (22 Prozent). Der Durchschnittskupon beträgt 3,40 Prozent.

Spezialitäten-Indizes

Die bisher erfolgreichste Strategie im Rentenbereich war es, auf eine Bund-FutureStrategie von ComStage zu setzen. Der ComStage ETF CB Bund Future Leveraged TR (WKN: ETF561) partizipierte an dem konstant fallenden Zinsniveau der vergangenen Monate. Wer angesichts des derzeit niedrigen Zinsniveaus wieder auf steigende Zinsen setzen möchte, sollte lieber auf ein Short-Produkt setzen, entweder ungehebelt (WKN: ETF562) oder gehebelt (WKN: ETF563) mit doppelter Partizipation.

Geldmarkt

Angesichts der niedrigen Verzinsung spielen ETFs auf den deutschen Geldmarkt eher eine untergeordnete Rolle. Sie bieten quasi keine Verzinsung, können also höchstens eine werterhaltende Rolle im Portfolio einnehmen. Es sind derzeit gerade einmal zwei Produkte mit physischer Indexabbildung am Markt verfügbar. Größter ETF ist der iShares eb.rexx Money Market ETF (WKN: A0Q4RZ). Eine Alternative stellt der ETFlab Dt. Börse EUROGOV Germany Money Market (WKN: ETFL22) dar. Die Kosten betragen bei beiden ETFs 0,12 Prozent.

Fazit:

Für deutsche Anleger bietet der ETF-Markt eine große Zahl an Investitionsmöglichkeiten. Dies und der sogenannte „Home Bias“ sind wohl der Grund für die große Nachfrage. Anleger sollten aber die internationalen Märkte nicht gänzlich aus dem Depot verbannen. Denn in ein breit diversifiziertes Portfolio gehören viele unterschiedliche Anlageregionen. Erst dadurch kann der Diversifikationseffekt greifen und das Risiko im Portfolio reduziert werden.

Ausgewählte Aktien-ETFs auf deutsche Aktien

Index KAGTERVolumen
% – YTD
DAXiShares0,16 %12.516 Mio EUR16,76 %
DAXdb x-trackers0,15 %6.444 Mio EUR17,98 %
F.A.Z. IndexComStage0,15 %38,51 Mio EUR16,97 %
MSCI GermanyAmundi0,25 %145,76 Mio EUR17,87 %
MDAXiShares0,51 %824,47 Mio EUR22,92  %
SDAXComStage0,70 %44,39 Mio EUR10,03  %
TecDAXiShares0,51 %64,87 Mio EUR15,88  %
DivDAXiShares0,31 %272,79 Mio EUR20,31  %
DAXplus Maximum DividendETFlab0,30 %84,41 Mio EUR14,88  %
ShortDAXdb x-trackers0,40 %575,39 Mio EUR– 18,07  %
 
Quelle: www.extra-funds.de, Stand: 17.09.2012
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