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ETFs: Etwas mehr Risiko bitte

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FRANKFURT (Börse Frankfurt). Mit der Stimmung an den Aktienmärkten steigt auch die Abenteuerlust bei ETF-Anlegern. Nicht nur Bluechip-ETFs aus den Industrieländern kommen an, Zuspruch gibt es auch für Schwellenländer und europäische Staatsanleihen.

Mit dem Höhenflug der Börsen. bauen viele ETF-Anleger ihre Aktienpositionen aus. „Raus aus der Sicherheit, rein ins Risiko“, beschreibt Jörg Sengfelder von der DekaBank die Tendenz im ETF-Handel. „Sowohl die Anzahl der Trades als auch die Volumina können sich sehen lassen“, berichtet auch Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht), der unterm Strich einen leichten Verkaufsüberhang ausmacht.

Die zuletzt deutlich besser als erwarteten US-Beschäftigtenzahlen für den Monat Januar sowie die weiterhin expansive Geldpolitik in den USA und im Euroraum macht Bernardus Roelofs insbesondere für den Sprint im ETF-Handel zum Ende der Woche mitverantwortlich. Mit 243.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft seien die Erwartungen der Volkswirte um rund 100.000 übertroffen worden. Zudem habe der US-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor im Januar einen überraschenden Schub bekommen.

US-Werte beliebt

Dem Nasdaq hätten die positiven Konjunkturmeldungen zwischenzeitlich zu einem Elfjahreshoch verholfen, was Anleger in die entdprechenden ETFs gezogen hat (WKN 541779). „Bei sibirischer Kälte ging es im ETF-Handel über alle Anlageklassen hinweg heiß her“, meldet der Händler von Flow Traders, der auf Wochensicht insgesamt einen deutlichen Kaufüberhang im Verhältnis von etwa 70 zu 30 Prozent verbucht.

Nach vorn sei es auch für den S&P 500 gegangen und Anleger haben ebenfalls Indexfonds gekauft (WKNs 264388, A0Q9UW) . Hingegen trennten sie sich laut Bartels mehrheitlich von ETFs zum MSCI North America (WKNs A0JMFG, DBX1MU, A0J206).

Emerging Markets ziehen wieder an

Über den Tellerrand hinaus hin zu Aktien aus aufstrebenden Ländern schauen laut Bartels immer mehr ETF-Anleger. „Ob einzelnes Land oder marktbreite Abdeckung, der Trend Richtung Schwellenländer hat sich in dieser Woche verstärkt.“ Von Kauffreude spricht der Händler beispielsweise bei Indexfonds mit lateinamerikanischen Werten (WKN A0NA0K) und beim marktbreiten MSCI Emerging Markets (WKNs LYX0B0, A0HGZT, DBX1EM). Beliebt seien auch Portfolios mit brasilianischen und indonesischen Unternehmen (WKN DBX0EU). Einen Grund vermutet der Händler in der zuletzt erneut in den Vordergrund gerückten Griechenlandthematik. Dies habe die Unsicherheit hinsichtlich europäischer und US-amerikanischer Aktien erhöht. Kauffreude registriert Roelofs zudem bei ETFs mit chinesischen Bluechips (WKN A0LGQN).

DAX und Euro Stoxx-ETFs uneinheitlich

Bei Indexfonds mit europäischen Aktien gehe es eher ausgewogen zu, wie Bartels berichtet. Beide Seiten gespielt würden zum Beispiel bei Indexfonds auf den Euro Stoxx 50 (WKN 935927, 593395) und den DAX (WKNs 593393, DBX1DA, LYX0AC), für die Sengfelder per Saldo indes einen Kaufüberhang verbucht. Etwas mehr Verkäufe als Käufe gebe es zudem für Indexfonds, die den Stoxx 600 (WKN 263530) und den MSCI Europe nachbilden.

Automobilwerte gefragt

Von sehr hohen Umsätzen spricht Bartels in ETFs mit Aktien aus dem Banken- und Versicherungssektor. „Hier überwiegen stark die Rückflüsse.“ Verkäufe verbucht die Commerzbank ( Zum Testbericht) etwa beim breit aufgestellten Stoxx 600 Banks (WKN DBX1SF) und beim iShares DJ Euro Stoxx Banks (WKN 628930). Einen Abgabeüberhang meldet Sengfelder zudem bei ETFs auf die Gesundheitsbranche und bei Roh- und Grundstoffen (WKN LYX0AX). Ins Depot legten Anleger sich hingegen Automobilwerte (WKN A0Q4R2), wie Roelofs bemerkt.

Mehr Risiko bei Festverzinslichen

Hinsichtlich der Renten-ETFs spricht Sengfelder von einer Umschichtung in kurz- und langlaufende europäische Staatsanleihen (WKNs ETFL12) zulasten von Bundesanleihen (WKNs ETFL18, ETFL20) und erkennt darin einmal mehr eine höhere Risikoneigung bei Anlegern. „ Von einem Rückgabetrend bei Portfolios mit deutschen Staatsanleihen etwa beim iShares eb.rexx Government Germany (WKN 628946) berichtet auch Bartels. Abgegeben worden seien zudem deutsche Bonds mit Restlaufzeiten zwischen 1,5 und 2,5 Jahren (WKN 628947).

Corporate Bonds gern, aber ohne Finanzwerte

Bei Unternehmensanleihen punkten Bartels zufolge vor allem ETFs, die keine Finanzwerte (WKNs A0YEEX, DBX0E6) enthalten. „Diese meiden Investoren in diesem Segment seit Monaten“, bemerkt der Händler. Ins Depot legten Anleger sich beispielsweise den ETFlab iBoxx EUR Liquid Non-Financials Diversified (WKN ETFL38) mit bis zu 40 liquiden Anleihen von Unternehmen, deren Hauptgeschäftsfeld nicht finanzwirtschaftlich ist.

© 7. Februar 2012 / Iris Merker

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.