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ETFs für Erben: Was tun mit einem unerwarteten Vermögenszuwachs?

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In unserer Reihe „ETFs in der Praxis“ gehen wir auf die verschiedenen Lebensabschnitte ein und möchten aufzeigen, wie Anleger je nach Lebenssituation und Risikobereitschaft ihr Vermögen strukturieren können. In dieser Ausgabe widmen sich die Experten von aventus finance der Zielgruppe „Erben“.

In der letzten Ausgabe haben wir uns mit der Zielgruppe „Rentner“ befasst. In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit den spezifischen Anforderungen eines Erben. Wie sichere ich das Vermögen? Wie sichere ich es gegen Inflationsrisiken ab? Diese und viele andere Fragen beschäftigen Erben immer wieder. Ziel dieses Artikels ist es nicht, die Depotvorschläge eins zu eins zu übernehmen. Vielmehr soll illustriert werden, worauf es ankommt, wenn man ein Portfolio umsetzen möchte.

Die Erben Bernd Müller (56), verheiratet, ist Chemiker und Leiter einer Abteilung eines großen Pharmaunternehmens in München. Er hat ein überdurchschnittliches Einkommen und besitzt zusammen mit seiner Frau ein vermietetes Mehrfamilienhaus. Um seine Geldanlage hat er sich bis jetzt nicht viel gekümmert. Für den hohen Lebensstandard der Familie haben die Einkünfte aber immer ausgereicht. Die beiden Söhne Björn und Jonas sind kurz vor dem Ende ihres Studiums und planen in Kürze den Start in das Berufsleben. Vor kurzem ist Herrn Müllers Mutter gestorben. Sie hat ihm rund 300.000 Euro vererbt. Er weiß, wie hart seine Eltern dafür gearbeitet haben, ihm ein kleines Vermögen aufzubauen und zu hinterlassen.

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Ihm ist es daher wichtig, das Erbe nicht zu verschleudern, sondern es zu erhalten und zu vermehren, um später an seine beiden Söhne etwas weitergeben zu können. Ihm macht eine stark steigende Inflation Sorgen, deshalb ist es ihm wichtig, das Erbe möglichst inflationsgeschützt zu investieren. Da er sein gesamtes Berufsleben in der Gesundheitsbranche tätig ist und er hier langfristig Chancen sieht, möchte er gerne einen kleinen Teil des Vermögens speziell in diesen Sektor investieren. Herr Müller möchte maximal 40 Prozent des Vermögens in die Aktienmärkte investieren, die restlichen 60 Prozent sollen relativ risikoarm angelegt werden. Bei dieser Portfoliozusammensetzung muss er mit einem jährlichen Verlust von um die 8 Prozent rechnen. Die langfristig geschätzte Rendite liegt bei dieser Portfoliostruktur um die 5 Prozent pro Jahr. Mit diesem Risikoprofil hat Herr Müller einen guten Kompromiss zwischen risikoarmen und risikoorientierten Anlagen gefunden und kann die damit verbundenen Risiken für sich akzeptieren.

 

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So könnte die Anlagestrategie aussehen

Herr Müller möchte also maximal 120.000 Euro in die Aktienmärkte investieren. Er hat gehört, dass eine globale Diversifizierung wichtig ist, um das Risiko breit zu streuen. Auch sei erwiesen, dass die Beimischung von Nebenwerten (Small- Caps) und unterbewerteten Unternehmen (Value) die Rendite optimieren soll.

Die Aktieninvestments

Er entscheidet sich daher, 60 Prozent seines Aktienanteils in die wichtigen Märkte zu investieren. 20 Prozent gehen in die wachstumsstarken Schwellenländer. Über den MSCI Emerging Markets Index bekommt er den Zugang zu Aktien aus Schwellenländern der ganzen Welt. Weitere 20 Prozent investiert er in die USA. Der MSCI USA Index bietet Zugang zu ca. 600 der größten und umsatzstärksten Unternehmen des US-Aktienmarktes. Die restlichen 20 Prozent sollen in den europäischen Aktienmärkten angelegt werden. Der MSCI Europe Index bietet ihm einen Zugang zu den ca. 500 größten und umsatzstärksten Unternehmen aus den 16 europäischen Industrieländern.

Um die globale Marktabdeckung zu schließen, sollen weitere 10 Prozent in den japanischen Aktienmarkt investiert werden. Hier bietet sich der MSCI Japan Index an. Er liefert ihm den Zugang zu ca. 350 der größten und umsatzstärksten Unternehmen des japanischen Aktienmarktes. Um die langfristigen Renditeaussichten zu optimieren, wählt er den MSCI Europe Small Cap Index. Dieser bietet Zugang zu Aktien mit kleiner Marktkapitalisierung der europäischen Industrieländer. Der Value- Ansatz im Depot wird über den MSCI EMU Value Index dargestellt. Mit diesem bekommt er Zugang zu Unternehmen aus der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, die häufig ein niedriges Kurs- Buchwert-Verhältnis aufweisen und damit eine fundamentale Unterbewertung signalisieren können. Seinen Wunsch, gezielt in Unternehmen der Gesundheitsbranche zu investieren, kann er mit dem STOXX Europe 600 Health Care Index darstellen und bekommt somit Zugang zum europäischen Gesundheitssektor. Die restlichen 5 Prozent sollen in den europäischen Immobilienmarkt investiert werden. Der STOXX Europe 600 Real Estate Index bietet Zugang zum europäischen Immobiliensektor. Für alle Indizes steht eine große Anzahl von sehr kostengünstigen ETFs zur Verfügung.

Die Anleiheninvestments

Der risikoarme Anteil im Depot soll mit 180.000 Euro rund 60 Prozent betragen. Hier bieten sich Herrn Müller Anleihen- ETFs als optimale Lösung an. Er möchte sich aber nicht auf nur ein Land fokussieren, sondern auch hier die weltweiten Anleihenmärkte abdecken. Der Citigroup Group-of-Seven (G7) Index bietet Zugang zu Staatsanleihen der sieben führenden Industrienationen: Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Großbritannien und den USA. Rating: Investment Grade.

Da die Investition in Anleihen von Unternehmen langfristig höhere Zinserträge als bei Staatanleihen bietet, will Herr Müller in den Barclays Global Aggregate Corporate Bond Index weitere 20 Prozent investieren. Mit diesem Index hat er Zugang zu weltweiten Unternehmensanleihen von Industrieunternehmen in Industrie- und Schwellenländern nach Rating: Investment Grade.

Die restlichen 20 Prozent sollen in weltweite Inflationsanleihen angelegt werden. Das sind Anleihen, bei denen der Zins und die Rückzahlung an die Inflationsrate gekoppelt sind. Zwar erwirtschaften inflationsgeschützte Anleihen nur dann eine höhere Rendite als eine normale Anleihe, wenn die Inflation stärker steigt als allgemein erwartet. Ist dies tatsächlich der Fall, liefern inflationsindexierte Anleihen auch unter Berücksichtigung der Inflation eine positive Rendite. Über den iBoxx Global Inflation-Linked EUR Hedged Index hat er Zugang zu den wichtigsten staatlichen und quasi-staatlichen inflationsgebundenen Anleihen. Währungsgesichert in Euro und Rating: Investment Grade.

Durch die kostengünstige Investition über ETFs von durchschnittlich 0,30 Prozent pro Jahr steht Herrn Müller fast die gesamte Marktrendite zur Verfügung. Ein vergleichbares Depot mit aktiv gemanagten Fonds würde auf Gesamtkosten von etwa 1,80 Prozent pro Jahr kommen.

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