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ETFs: Gemischte Gefühle

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FRANKFURT (Börse Frankfurt). Von überraschend aktiv und handelsfreudig bis vergleichbar ruhig reichen die Beobachtungen der Market Maker zum ETF-Handel der vergangenen Woche. „An diesem Montag wurde zwar rege gekauft, bis Freitag vergangener Woche überwogen aber die Abgaben“, berichtet Marco Salaorno von der Société Générale. Selbst bei niedrigen Kursen seien viele Anleger noch ausgestiegen.

Als bemerkenswert bezeichnet die Commerzbank ( Zum Testbericht) das große Interesse an Renten-ETFs. „Rund 42 Prozent des Handelsvolumen macht dieser Bereich aus“, berechnet Andreas Bartels, der das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen über alle Anlageklassenhinweg mit 54 zu 46 Prozent beziffert. „Anleger waren zuletzt überdurchschnittlich aktiv und haben tendenziell mehr gekauft“, meldet der Händler.

Von einem deutlichen Verkaufsüberhang im ETF-Handel auf einem eher verhaltenen Niveau spricht Mark Schönbrodt von der DekaBank. „Die Weihnachtszeit naht und rückt das Thema Weihnachtsgeschenke in den Vordergrund“, begründet der Händler die Zurückhaltung der ETF-Investoren.

Weihnachtlicher Konsum stützt Aktienmärkte

„Die hohen Umsätze des US-Einzelhandels am vergangenen Thanksgiving-Wochenende hätten den Richtungswechsel an den Aktienbörsen mit ausgelöst. „Dazu beigetragen haben zudem ein überraschend fester deutscher ifo-Geschäftsklimaindex“, ist Florian Perini von Flow Traders überzeugt. Untermauert worden sei dies durch vorweihnachtliche Kauffreude am ersten Adventswochenende in Deutschland. „Der Konsum scheint nun endlich die ersehnte Stütze zu sein“, glaubt der Händler. Negative Schlagzeilen bezüglich der Eurokrise rückten deshalb etwas in den Hintergrund. „Nachdem die ETF-Umsätze in der vergangenen Woche uneinheitlich waren, sind nun mehrheitlich Käufer unterwegs.“

Bluechip-Tracker im Fokus

Auch deshalb wäre der Handel mit Bluechip-Trackern unterm Strich eher ausgewogen. Eine Vorliebe erkennt Bartels für deutsche Basiswerte wie DAX (ETF001), ShortDAX oder LevDAX. „Die zweite und dritte Reihe werden meist links liegen gelassen“, berichtet der Händler. Flow Traders spricht von gleichermaßen Käufen und Verkäufen etwa bei DAX-ETFs (WKNs 593393, DBX1DA, LYX0AC) sowie bei Indexfonds auf den Stoxx 600 (WKN 263530), den MSCI North America (WKN A0J206), den MSCI World (WKN A0HGZR) und den Eurostoxx 50 (WKN 935927), 593395). Beide Seiten gespielt würden zudem bei Trackern des japanischen Nikkei (WKN A0H08D), des Dow Jones (WKN 541779) und des S&P 500 (WKN 264388).

Short- und Hebelprodukte vorn mit dabei

Durch die nach wie vor hohe Volatilität an den Aktienmärkten agierten ETF-Investoren vermehrt taktisch mit teilweise verringertem Anlagehorizont. ETFs mit inverser Wertentwicklung oder mit Hebel gehörten laut Bartels zu den größten Umsatzträgern im ETF-Handel. „Durch die deutlichen Verluste an den Börsen in der vergangenen Woche überwogen hier die Käufe“, erklärt der Händler. Anleger interessierten sich zum Beispiel für den db x-trackers ShortDAX (WKN DBX1DS) und den ComStage ETF EURO STOXX 50 Daily Short (WKN ETF052). Gesucht sei zudem der Lyxor ETF EURO STOXX 50 Daily Double Short (WKN LYX0FW), mit dem Investoren mit doppeltem Hebel auf fallende Kurse setzen.

Wenig los bei Sektor-ETFs

Vergleichsweise ruhig geht es laut Salaorno bei Sektor-ETFs zu. Auf niedrigem Niveau überwögen die Abgaben etwa bei Roh- und Grundstoffen (WKN LYX0AX); den Energieträgern Gas und Öl (WKN A0H08M) und im Lebensmittelsektor (WKN A0H08H). Mehr Rückflüsse als Zuflüsse gebe es zudem für iShares STOXX Europe 600 Personal & Household Goods (WKN A0H08N).

Reges Interesse an Festverzinslichem

Die Handelsaktivitäten rund um Renten-ETFs hätten zuletzt deutlich zugenommen, wie Bartels berichtet. Käufe und Verkäufe hielten sich dabei in etwa die Waage. „Ein kleiner Trend ist die Vorliebe für kurzlaufende Staatsanleihen zulasten der mittleren und längeren Laufzeiten“, erkennt der Händler. Gekauft worden sei beispielsweise ein Tracker deutscher Bonds mit Restlaufzeiten zwischen 1,5 und 2,5 Jahren (WKN 628947). Bundesanleihen-ETFs mit Fälligkeiten zwischen 2,5-5,5 und 5,5-10,5 Jahren (WKNs 628948, 628949) seien dagegen tendenziell abgestoßen worden. Abgaben registriert Schönbrodt zudem für Tracker europäischer Rentenwerte (WKN ETFL14). Von einem Kaufüberhang spricht Salaorno auch beim iShares eb.rexx Government Germany (WKN 628946) und beim db x-trackers II iBoxx € Germany 1-3 TR (WKN DBX0C9).

Liquide Unternehmensanleihen gefragt

Bei Unternehmensanleihen punkten Schönbrodt zufolge vor allem ETFs, die keine Finanzwerte enthalten. Ins Depot legten Anleger sich beispielsweise den ETFlab iBoxx EUR Liquid Non-Financials Diversified (WKN ETFL38). Der zugrunde liegende Index bildet den Markt für in Euro denominierte Corporate Bonds ab und enthält bis zu 40 liquide Anleihen von Unternehmen, die nicht aus der Finanzbranche sind.

Geldmarkt-ETFs ausgewogen

Bei Geldmarktfonds haben Anleger den Händlern zufolge keine einheitliche Meinung. Abgaben beobachtet Schönbrodt etwa für den db x-trackers US Dollar Money Market (WKN DBX0AM). Von Verkäufen spricht Perini zudem beim db x-trackers II Eonia (WKN DBX0AN) und beim ComStage ETF Commerzbank ( Zum Testbericht) EONIA (WKN ETF100), während Bartels für letzeren Kaufinteresse verbucht. Der Tracker knüpft an die Wertentwicklung des Commerzbank EONIA Index an.

© 29. November 2011 / Iris Merker

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.