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ETFs unter der Lupe: Den Kosten auf der Spur

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Den Kosten auf der Spur

Die offensichtlichen und zum Teil auch versteckten Kosten von ETFs können maßgeblich die Performance der Produkte drücken. Ben Johnson, Director European ETF Research bei Morningstar, geht bei uns ausführlich auf die einzelnen Kostenpunkte und deren Auswirkungen ein.

Die im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds und traditionellen Index-Trackern geringen Kosten von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) sind wahrscheinlich die attraktivste Eigenschaft dieser Produktklasse. Allerdings achten die meisten Anleger lediglich auf die Gesamtkostenquote (TER), wenn sie ein ETF mit anderen Investments vergleichen. Diese Kostenquote ist in den Verkaufsprospekten und anderen Fonds-Dokumenten angegeben. Die TER stellt jedoch nur eine von vielen Kostenquellen dar. Kauf- und Verkaufskosten, mögliche versteckte Kosten (oder Gewinne) haben alle letztlich Einfluss auf den Ertrag des Anlegers. Wir werden im Folgenden die einzelnen Kostenkomponenten erläutern, um ein Gesamtbild der Kosten für ein ETF-Investment zu geben.

Gesamtkostenquote (TER)

Die Gesamtkostenquote ist der auffälligste Kostenblock bei einem ETF-Investment. Die TER fasst die Kosten zusammen, die der Anbieter jährlich für die Indexnachbildung entnimmt. Dies kann alle möglichen Kosten beinhalten, von den Handels- bis zu den Marketing-Kosten und von Depotbankgebühren bis hin zu Lizenzkosten für den Index. Die durchschnittliche Gesamtkostenquote aller europäischen ETFs liegt bei 0,38 Prozent. Dies sieht im Vergleich zu der durchschnittlichen Gesamtkostenquote von aktiv gemanagten Fonds und traditionellen Indexfonds durchaus vorteilhaft aus.

Handelskosten

BenJohnsonDiese Kosten, die nicht in die TER einfließen, beinhalten Maklergebühren, die Geld- Brief-Spanne und den Market Impact. Der Auf- bzw. Abschlag zum Nettoinventarwert ist ebenfalls ein entscheidender Faktor. Diese Kosten können je nach Handelspartner unterschiedlich hoch ausfallen. Insofern lohnt es sich, die Preise und Kurse von mehreren Marktteilnehmern zu vergleichen, vor allem, wenn das Produkt wenig gehandelt wird oder das Volumen der Order gering ist. Auch der Handelszeitpunkt spielt eine Rolle. Anleger in Deutschland sollten einen ETF auf den S&P 500 Index ab der Mittagszeit handeln; wenn die Wall Street geöffnet ist, bekommen sie bessere Konditionen, als wenn sie ihre Order am Vormittag abgeben, wenn in den USA die Börsen noch geschlossen sind.

Tracking-Unterschied

Der Tracking-Unterschied beinhaltet alle impliziten und expliziten Kosten eines Investments in ETFs. ETFs hinken, ceteris paribus, ihrer Benchmark in Höhe des TER definitionsgemäß hinterher. Angenommen, ein Investor investiert in einen ETF, der den EURO STOXX 50 Index abbildet. Der Fonds verlangt, rein hypothetisch, 0,25 % an Gebühren. In einem Jahr steigt der EURO STOXX 50 Index um 10 %. Die Rendite für den Investor – nach Kosten – beläuft sich auf 9,75 % (10 % Bruttorendite der Benchmark abzüglich der 0,25 % Gebühren). In diesem hypothetischen Beispiel entspricht die Abweichung vom Zielindex genau der TER.

Tracking-Unterschied = ETF-Rendite – Benchmark-Rendite

Die Kostenquote ist eine vorhersehbare und leicht quantifizierbare Ursache für den Performanceunterschied zwischen ETFs und ihren Basisindizes. Es ist wichtig zu verstehen, dass ETF-Anbieter einen Teil der Effekte, den Gebühren auf die Nettorendite von ETFs haben, mit sogenannten „enhancements“ ausgleichen können. Sie peppen die Rendite also auf. Dies geschieht normalerweise durch die Wertpapierleihe, die ein Extraeinkommen generiert. In einigen Fällen kann dieses Extraeinkommen die Kosten des Fonds mehr als kompensieren. Dadurch kann der ETF sogar eine bessere Performance als seine Benchmark zeigen. Gleichzeitig kann sich hierdurch aber auch das Gegenparteirisiko erhöhen. Der höheren Rendite steht ein höheres Risiko gegenüber.

Tracking-Unterschied vs. Tracking Error

Der Investor sollte zwischen dem Tracking-Unterschied und dem Tracking Error differenzieren. Wie wir eben festgestellt haben, ist der Tracking-Unterschied die Differenz zwischen der Performance des ETFs und dessen Benchmark über einen bestimmten Zeitraum.

Der Tracking Error misst indes die Performance-Volatilität des ETFs relativ zu seiner Benchmark. Für die Berechnung des Tracking Errors wird die Standardabweichung der Renditedifferenz des ETFs zum Index verwendet. Dies basiert auf Tages- oder Wochenbasis.

Sampling-Verfahren kann Tracking-Probleme verursachen

Die laufenden Kosten und das Einkommen aus der Wertpapierleihe sind nicht die einzigen Verursacher für Tracking-Unterschiede. Die Methode der Indexabbildung kann auch ein wichtiger Grund sein. Ein ETF mit physischer Replikation, der z. B. einen Index mit vielen kleineren und weniger liquiden Komponenten abbildet (z. B. den MSCI Emerging Markets Index), kann für die Indexabbildung das sogenannte Sampling-Verfahren verwenden. Hierbei wird ein Korb mit den größten und liquidesten Indexkomponenten ausgesucht, um die Gesamtliquidität des ETFs zu verbessern. Dadurch werden die Handelskosten minimiert. Weil einige kleinere und weniger liquide Indexbestandteile nicht berücksichtigt werden, ist mit dieser Methode keine perfekte Replikation möglich; es können sich Abweichungen vom Zielindex ergeben.

Ein gutes Beispiel für Probleme, die beim Sampling-Verfahren auftreten können, bietet der nur in den USA gelistete iShares MSCI Emerging Markets Index ETF. Der ETF wendet das optimierte Sampling-Verfahren an, um den Index abzubilden. Der ETF hielt bis 2010 lediglich etwa die Hälfte der Indexbestandteile – die liquideren Aktien. Das hatte allerdings zur Folge, dass die NIW-Rendite des ETFs 2009 um fast 10 Prozentpunkte niedriger ausfiel als die Rendite der Benchmark. Hiernach wurde die Zahl der Aktien auf etwa 625 (von 770 Aktien im Index) aufgestockt, und 2010 lieferte der ETF nur etwa 2 Prozentpunkte weniger an Rendite ab als seine Benchmark.

Indexturnover

Die Kosten des Index-Turnover bringen ein weiteres Problem bei der Indexabbildung. Obwohl das Investieren in einen Index eine passive Strategie ist, kann der Austausch von Index-Komponenten einen Turnover hervorrufen. Strategien wie z. B. die fundamentale Indexierung oder eine Gleichgewichtung oder Indizes, welche nur ein Segment des Marktes, wie z. B. Value-, Wachstums- und Dividendenaktien berücksichtigen, haben eine noch höhere Umschlagshäufigkeit. Auch können Firmenpleiten und Fusionen es nötig machen, den Index neu zu gewichten. Die Kosten, die entstehen, um einen ETF mit physischer Replikation mit dem neuen Index wieder in Einklang zu bringen, spiegeln sich letztendlich in einer größeren Abweichung zur Rendite des Zielindex wider.

Dividenden

Der Zeitpunkt der Ausschüttung und die steuerliche Behandlung von Dividendenzahlungen sind weitere Ursachen für potenzielle Probleme bei der Indexabbildung. Der Zeitunterschied zwischen dem Ex-Dividenden-Tag und der Zahlung der eigentlichen Dividende kann die Performance von ausschüttenden ETFs mit physischer Replikation belasten. Während dieser Zeit liegt der auszuschüttende Betrag in einem vom Fonds getrennten Konto. Als Folge ist der Anleger während dieser Zeit in Höhe der ausstehenden Dividenden nicht in den Index investiert. Dadurch erhöht sich die Gefahr, dass die ETF-Rendite von der des Index abweicht. Der Zeitpunkt der Dividendenauszahlung hat keinen Einfluss auf akkumulierende und Swap-basierte ETFs, da diese ETFs jederzeit zu 100 % in den Index investiert bleiben.

Die steuerliche Behandlung der Dividenden ist ein weiterer wichtiger Kostenfaktor. Sobald ETFs Dividenden bzw. Kupons vereinnahmen, die aus Ländern entstammen, in denen ein anderes Steuersystem existiert als im ETF-Domizil, können die Quellensteuern zu einer zusätzlichen Abweichung von der Indexrendite führen. Diese Quellensteuer kann nicht immer komplett zurückgefordert werden. ETFs mit synthetischer Replikation weisen für einige Anlegergruppe aufgrund einer günstigeren steuerlichen Behandlung von Dividenden Vorteile auf; sie können unter Umständen also das Problem mit der Quellensteuer besser handhaben als physische replizierende ETFs.

Kosten bei Rohstoff-ETFs

Viele ETCs und ETNs verlangen zusätzlich zu den laufenden Kosten eine Reihe weiterer Gebühren. Dazu gehören bei Edelmetall-Fonds mit physischer Hinterlegung Depot- und Lagergebühren, Kosten für die Hinterlegung der Sicherheiten und Index-Lizenzgebühren. Die Kosten für die Hinterlegung von Sicherheiten spiegeln die Kosten wider, die entstehen, um das Kontrahentenrisiko für synthetische ETCs und ETNs zu reduzieren. Untersuchungen der Deutschen Bank haben gezeigt, dass diese Kosten durchschnittlich bei 0,40 % für ETCs und bei 0,23 % für ETNs liegen. Lizenzkosten erklären sich von selbst. Sie repräsentieren die Gebühren, die an den Indexanbieter für die Nutzung des geistigen Eigentums (der Benchmark) entrichtet werden müssen. Die Deutsche Bank schätzt, dass sich die Indexgebühren für ETC-Anbieter auf durchschnittlich 0,38 % pro Jahr belaufen. Diese Gebühren sind selten Bestandteil der Gesamtkostenquote und werden teilweise nicht einmal in den Fonds-Dokumenten erwähnt. Investoren sollten sich bei ETFs daher über mögliche versteckte Kosten bewusst sein.

Gesamtkosten ins Verhältnis gerückt

Obwohl die tatsächlichen Kosten für ein ETF-Investment deutlich höher sein können als die Gesamtkostenquote (TER), sind ETFs immer noch eine günstige Anlage im Verhältnis zum breiteren Anlagespektrum. Zumal viele der hier diskutierten Kosten auch bei aktiv verwalteten Fonds anfallen und nicht ETF-spezifisch sind. Grundsätzlich kann man festhalten: Die größten und liquidesten ETFs sind per saldo sehr günstige Angebote, auch auf All-in-Fee-Ebene.

Weitere interessante Investment Möglichkeiten finden Sie in unserem ETF-Anlageleitfaden. Dieser erleichtert Ihnen den Einstieg in die Welt der Exchange Traded Funds (ETFs). Wir stellen Ihnen darin die Anlegemöglichkeiten einzelner Länder, Regionen, Sektoren oder Investmentthemen vor.

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