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EURO 2012 Gruppe A – Wirtschaftlicher Ausblick

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fussballMittellinie

Gruppe A galt als sportlich ausgewogenste Gruppe. Ganz den Erwartungen hat zumindest theoretisch jedes Team nach den ersten beiden Spieltagen noch die Chance, die Endrunde zu erreichen. Am Besten sieht es allerdings für Favorit Russland aus, die fussballerisch wie wirtschaftlich klar die Nase vorn haben.

Polen

Polen EM2012Geht man allein von der FIFA-Weltrangliste aus, so hat Polen mit Platz 65 wohl kaum Chancen, bis ins Finale in Kiew am 1. Juli 2012 zu gelangen. Auch hinsichtlich der Wettquoten beim Sportwetten-Anbieter bwin galten Polens Kicker eher nicht zur Gruppe der Top-Favoriten. Die rot-weiße Mannschaft nahm überhaupt erst zweimal an einer Fußball-Europameisterschaft teil und schied bereits in der Vorrunde aus. Doch im Fußball ist bekanntlich alles möglich, zumal Polens Nationalelf um Trainer Franciszek Smuda als EM-Gastgeber alle Vorrundenspiele in heimischen Stadien spielt und in den beiden bisherigen Spielen immer mal wieder seine Offensivklasse durchblicken ließ. In der Gruppe A, die als die ausgewogenste und leichteste Gruppe gilt, belegt das Team derzeit den dritten Platz und muss im letzten Spiele gegen Tschechien siegen um den Einzug in die Runde der letzten Acht perfekt zu machen.

Polens Wirtschaft profitiert in erheblichem Maße durch die EU-Mitgliedschaft. Allein in den Jahren 2007 bis 2013 fließen aus dem EU-Haushalt zugesagte Mittel in Höhe von 67,3 Mrd. EUR nach Polen. Durch die Fußball-EM erhofft sich das Nachbarland zusätzliche Einnahmen und eine kostenlose Imagekampagne für den Wirtschaftsstandort Polen. Da kommen Boykottaufrufe von Seiten der Politiker im Fall des zweiten EM-Austragungsortes Ukraine ziemlich ungelegen. Dank der immensen EU-Hilfen läuft die Wirtschaft in Polen auf Hochtouren. So betrug das Wirtschaftswachstum im Jahre 2011 4,3 Prozent. Doch das Land sieht sich gezwungen, die hohe jährliche Neuverschuldung drastisch auf 2 Prozent zu reduzieren. Hinzu leidet das Land unter der Euro-Schuldenkrise, so dass laut OECD-Prognosen in den Jahren 2012 und 2013 mit einem BIP-Wachstum von nur 2,5 Prozent gerechnet wird. Im ersten Quartal 2012 wuchs die Wirtschaft immerhin um 3,43 Prozent. Zu Hilfe kommt den Exportunternehmen der schwache Zloty. Die Binnenkonjunktur leidet aufgrund einer vergleichsweise hohen Arbeitslosenrate.

Russland

Russland EM2012Russland wurde seiner Favoritenrolle in Gruppe A gerecht. Vor allem in ihrem Auftaktspiel gegen Tschechien wussten sie durch gutes Kombinationsspiel und schönem Offensivfussball zu überzeugen. In der FIFA-Weltrangliste belegt die russische Mannschaft Platz 11. Hinsichtlich der Wettquoten bei bwin rangierten Russlands Kicker vor Turnierbeginn gleich hinter Mannschaften wie England und Portugal, die sie durch ihr bisheriges Auftreten sogar hinter sich lassen konnten. Sie gehören damit also mittlerweile für viele zum direkten Favoritenkreis. Mit nur einer Niederlage in 10 Spielen qualifizierte sich das Team um den niederländischen Trainer Dick Advocaat souverän. Mit einem Sieg gegen Tschechien und einem Unentschieden gegen Gastgeber Polen am gestrigen Abend haben sie beste Chancen auch die Vorrunde ungeschlagen zu überstehen, zumal der letzte Gruppen-Gegner das vermeintlich schwache Griechenland ist. Die Zauberformel des russischen Teams scheint „Blockbildung“ zu heißen: Neben Größen wie dem Kapitän Andrey Arshavin stammen gleich sieben Spieler von Zenit St. Petersburg und fünf von ZSKA Moskau. Der Marktwert des Teams wird vom Sportwetten-Onlineportal sportwettenbonus.eu auf 185 Mio. EUR angegeben.

Dass Russlands Fußball-Liga immer hochkarätiger wird, hat nicht zuletzt mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Landes zusammen. Russland ist neben China, Indien und Brasilien eines der vier sogenannten großen Schwellenländer, die in der Finanzwelt unter dem Begriff BRIC zusammengefasst werden. Russland profitiert von den enormen Rohstoffressourcen und dem Rohstoffhunger aufstrebender Staaten wie China. So verfügt Russland über rund ein Viertel der Weltgas-, Eisenerz und Zinnreserven, 6,3 Prozent der Weltölvorräte und die zweitgrößten Kohlereserven. Aber auch Nickel, Kupfer, Kobalt, Blei, Zink oder Platin sind in großen Mengen vorhanden. Bei steigenden Rohstoffpreisen sprudeln so die Staatseinnahmen, von denen andere Wirtschaftsbereiche gefördert werden können. Anders als in westlichen Industriestaaten weist das Land so eine geringe Staatsverschuldung auf. Häufig erwirtschaftet das Land sogar Haushaltsüberschüsse, wie auch im vergangenen Jahr. Das Wirtschaftswachstum lag im Jahr 2011 bei 4,3 Prozent. 2012 soll es nach IWF-Prognosen 4,0 Prozent, im nächsten Jahr dann 3,9 Prozent betragen.

Griechenland

griechenland EM2012Im Jahre 2004 schaffte Griechenlands Mannschaft das Unerwartete: Dank des deutschen Fußball-Trainer-Königs Otto „Rehakles“ holte sie sich vor heimischer Kulisse den EM-Pokal. Mit Platz 14 in der FIFA-Weltrangliste zählt Griechenland jedoch dieses Jahr eher zu den Außenseitern der Europa-Meisterschaft. Das sah auch der Spielwetten-Anbieter bwin vor Turnierstart so, der das Land eher an das Ende der Favoritenliste setzt und ihnen keine große Chancen eingeräumt, die Vorrunde zu überstehen. Dies entsprich auch ganz dem bisherigen auftreten des griechischem Teams. Zwar konnte man vor allem durch eine gut organisierte Abwehr gegen Polen im Auftaktspiel der EM einen Punkt mitnehmen, doch sowohl in diesem als auch im gestrigen Spiel gegen Tschechien ließen die Griechen Inspiration und Gefährlichkeit in der Offensive vermissen. Mit dem letzten Platz in der Gruppe A haben sie kaum noch Chancen auf ein Weiterkommen – auch wenn dies durch einen unwahrscheinlich erscheinenden Sieg gegen die Favoriten aus Russland theoretisch noch möglich ist.

Ein Überstehen der Vorrunde würde den Griechen angesichts der aktuell schwerwiegenden wirtschaftlichen Situation im Lande sicher gut tun. Dank immer neuer umstrittener milliardenschwerer EU-Rettungspakete und der Umschuldung konnte das Land in letzter Minute zumindest zwischenzeitlich noch vor einer Staatspleite gerettet werden. Doch nach den unübersichtlichen Mehrheitsverhältnissen nach der griechischen Parlamentswahl Anfang Mai 2012 bleibt es für viele Wirtschaftsexperten fraglich, ob die anspruchsvollen Reformprogramme politisch durchzusetzen sind und das Land dauerhaft in der Eurozone verbleiben kann. Noch im vergangenen Jahr betrug das Staatsdefizit 165,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Dank des Schuldenschnitts verringerte sich immerhin die Schuldenlast um mehr als 100 Mrd. EUR. Es wird zukünftig darauf ankommen, ob Griechenland eine international konkurrenzfähige Wirtschaft aufbauen kann und auf mittelfristige Sicht zur Finanzierung derselben wieder an die internationalen Finanzmärkte zurückkehren kann. Doch mit einem für das Land zu starken Euro wird dies sicherlich schwer. Und für 2012 wird mit einem Haushaltsdefizit von 6,7 Prozent des BIP gerechnet.

Tschechien

tschechien em2012Seit der Trennung des Landes aus dem Verband mit der Slowakei konnte sich Tschechien bisher stets für die Fußball-EM qualifizieren. Mit Platz 26 der Weltrangliste rangiert unser Nachbarland im Vergleich zu Polen weit vorn. Schaut man jedoch auf die Wettquoten, so rangiert das Land hinter Polen. Denn das Team um Michal Bilek ist in die Jahre gekommen. 8 Spieler sind über 30 Jahre. Aber immerhin konnte sich Tschechien in der Qualifikation hinter dem Top-Favoriten Spanien behaupten. Eine Überraschung ist also durchaus möglich. Vor allem nach dem gestrigen 2:0 Sieg über Griechenland und dem momentanen Platz 2 in ihrer Gruppe ist ein Weiterkommen durchaus denkbar. Hierfür müsste man im letzte Gruppenspiel gegen Polen mindestens ein Unentschieden erringen, was gegen hochmotivierte Polen vor heimischer Kulisse allerdings alles andere als ein Selbstläufer wird.

Ebenso wie Polen profitiert das Land erheblich an der Mitgliedschaft in der EU. Seit dem EU-Beitritt im Jahre 2004 flossen Tschechien nach Angaben der Prager Zeitung netto 176,2 Mrd. Kronen (7 Mrd. EUR) aus dem Kohäsionsfonds und den Strukturfonds der EU zu. Mit +1,8 Prozent wächst die Wirtschaft jedoch moderater. Für 2012 sagt der IWF nur ein schwaches Wirtschaftswachstum in Höhe von 0,1 Prozent voraus. Begründet wird das geringere Wachstum mit der nachlassende Weltkonjunktur und negativen Auswirkungen für das Binnenwachstum infolge der anstehenden Sparmaßnahmen. Bis zum Jahr 2013 plant die Regierung, das Haushaltsdefizit wieder unter die Maastrichtschwelle von 3 Prozent zu drücken. Dafür wurden Sparmaßnahmen sowie die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 10 auf 14 Prozent beschlossen. Doch bereits nächstes Jahr wird wieder mit einem Wirtschaftswachstum von +2,1 Prozent gerechnet, 2017 soll es dann sogar 3,5 Prozent betragen.

 ETFs auf die Gruppenmitglieder

 IndexKAGWKN Kosten
MSCI Poland (Polen)iSharesA1H8EL0,74 %
DJ Rusindex Titans 10 (Russland)LyxorLYX0AF0,65 %
FTSE/ATHEX 20 (Griechenland)LyxorLYX0BF0,45 %
CECE (Tschechien)LyxorA0F6BV0,50 %
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