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EURO 2012 Gruppe C – Wirtschaftlicher Ausblick

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Während sich die wirtschaftliche Situation in Spanien zunehmend verschlechtert, gilt der Titelverteidiger auch in diesem Jahr als Top-Favorit für den Titel. Aber auch Italien kann sich Hoffnungen machen.

Spanien

Spanien em2012Als Titelverteidiger und amtierender Weltmeister gilt Spanien neben Deutschland als der Top-Favorit für die Fußball-Europameisterschaft. In der FIFA-Weltrangliste steht das Land unangefochten auf Platz 1. Bei den Wettquoten auf bwin sind sie mit dem gestrigen 4:0 Kantersieg an Deutschland vorbeigezogen. Geht man allein nach dem Marktwert der Spieler, der von Sportenwettenbonus.eu mit 641 Mio. EUR angegeben wird, müssten Superstars wie Iniensta, Fabregas und Xavi in jedem direkten Duell die Nase vorn haben. Doch auf dem Spielfeld gelten bekanntlich andere Regeln. So konnte Spanien seine Favoriten-Rolle im Auftaktspiel gegen Italien nicht erfüllen und kam nicht über ein Remis hinaus. Sollte Spanien am Ende trotzdem wieder als Sieger aus dem Turnier gehen, wäre es das erste Land überhaupt, dass dreimal hintereinander einen Titel erringen konnte.

So eine Titelverteidigung könnte für eine willkommene Ablenkung von den immensen wirtschaftlichen Problemen sorgen. Das Land leidet insbesondere unter dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes. Lange Zeit wurden in Spanien so viele neue Wohnungen errichtet wie in Deutschland, Italien und Frankreich zusammen. Diese Spekulationsblase ist nun geplatzt, mit immensen Folgen. Die Arbeitslosenrate liegt bei über 20 Prozent. Bei den Jugendlichen ist sogar jeder zweite von ihnen arbeitslos. Die spanische Wirtschaft schrumpfe im ersten Quartal 2012 zum zweiten Mal in Folge um jeweils 0,3 Prozent. Damit befindet sich Spanien auch offiziell in der Rezession. Vor kurzem wurden von der Ratingagentur Standard & Poors zudem elf spanische Finanzinstitute herabgestuft, die von der Immobilienkrise besonders betroffen sind. Wies Spanien mit einst noch boomendem Immobilienmarkt noch im Jahre 2009 eine vergleichsweise niedrige Schuldenquote von 53,9 Prozent auf, so stieg sie seitdem dramatisch. Für 2013 prognostiziert die EU-Kommission bereits eine Gesamtverschuldung von 78 Prozent. Allein 2011 betrug das Haushaltsdefizit – 8,5 Prozent, inwieweit die angestrebten -5,9 Prozent erfüllt werden können, bleibt zweifelhaft. Um dies doch zu erreichen, wurden von der neuen konservativen Regierung Mariano Rajoy milliardenschwere Haushaltskürzungen beschlossen, die das weitere Wachstum jedoch weiter drosseln könnten.

Italien

Italien em2012Neben Spanien gilt Italien als die zweitstärkste Mannschaft in Gruppe C. In der FIFA-Weltrangliste steht der 4-fache Weltmeister (1934, 1938, 1982, 2006) und einmalige Europameister (1968) mittlerweile jedoch lediglich auf Platz 12. Trotzdem wurde die Squadra Azurra vor Turnierbeginn von den Wettanbietern als Mitfavorit gehandelt, bei bwin beispielsweise fand man sie auf Platz 5. Bei der zurückliegenden Fußball-WM enttäuschte das Team jedoch und schied mit nur 2 Punkten als Gruppenletzter aus. Und auch nach einem vielversprechenden Auftaktspiel gegen Spanien beim laufenden Turnier schwächelte Italien gestern, als sie gegen Kroatien nicht über ein Remis hinaus kamen. Trotzdem stehen die Chancen auf ein Erreichen der Endrunde nicht schlecht. Als letzter Gruppengegner wartet am Montag der vermeintlich leichte Gegner Irland – und wenn sich Spanien und Kroatien nicht gleichzeitig unentschieden trennen, reicht hier in jedem Fall ein Sieg. Geht man nach dem Marktwert, so müsste der Viertelfinal-Einzug ein Selbstläufer werden, denn mit 325 Mio. EUR gehört das italienische Team zu den wertvollsten der EM.

Nicht ganz so rosig sieht es in Italiens Wirtschaft aus. Das Land gehört mit über 120 Prozent Staatsverschuldung vom BIP zu den höchstverschuldeten Euro-Staaten. Ende 2012 sollen es sogar auf 123,4 Prozent sein. Für zehnjährige Staatsanleihen musste der Staat zuletzt wieder 5,84 Prozent Zinsen zahlen. Vergangenes Jahr waren es teilweise über 6 Prozent. Nur dank Einkauf italienischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank kann sich der Staat refinanzieren. So sieht sich Italiens Regierung gezwungen, Sparprogramme aufzulegen und die Wirtschaft international konkurrenzfähig umzugestalten. Bereits Ende 2011 wurde ein Sparpaket im Wert von 24 Mrd. EUR beschlossen, zudem wurde eine Luxussteuer auf teure Autos und Boote erhoben. Im Kampf gegen Steuerhinterziehungen wurden Bareinzahlungen von mehr als 1.000 EUR verboten. Gegen kräftigen Widerstand setzte Ministerpräsident Mario Monti auch eine Flexibilisierung der Kündigungsgesetze und eine Reform der verkrusteten Wirtschaft durch. Trotz allem: Italiens Wirtschaft befindet sich in der Rezession. War man zunächst von einem leichten BiP-Rückgang von 0,4 Prozent ausgegangen, schrumpft Italiens Wirtschaft 2012 voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Irland

Irland em2012-2Das Land auf der grünen Insel gilt in Gruppe C als Außenseiter und präsentierte sich bislang auch dementsprechend. Verloren sie im Auftaktspiel gegen Kroatien noch relativ knapp mit 1:2, so sahen sie am gestrigen Abend gegen den Titelverteidiger aus Spanien keine Chance und gingen sang und klanglos 0:4 unter. Somit ist Irland die erste Mannschaft der laufenden Europameisterschaft, die selbst theoretisch nicht mehr das Viertelfinale erreichen kann und daher nach zwei Spieltagen bereits ausgeschieden ist. In der FIFA-Weltrangliste ist das Team um den legendären italienischen Giovanni Trapattoni, der in Deutschland mit seinem Spruch „Flasche leer… Ich habe fertig“ unvergesslich bleibt, auf Platz 18 zu finden.

Auch wirtschaftlich sieht es für das Land nicht viel besser aus. Noch vor der Finanzkrise galt Irland als Vorzeige-Wachstumsmarkt Europas. Doch mit der Immobilien-Krise brach der überdimensionierte Banken- und Bausektor zusammen. Seither gilt Irland aufgrund der exorbitant teuren Bankenrettungsaktionen mit einer Verschuldungsquote von 108,2 Prozent vom BIP und einem Haushaltsdefizit von 13,1 Prozent im Jahre 2011 als eines der Hauptschuldner in der Eurozone. Im Jahre 2007 lag die Verschuldungsquote noch bei 25 Prozent des BIP – das zeigt die Dynamik des Niedergangs. Aus dem EU-Rettungsschirm wurde daher das Land mit insgesamt 85 Mrd, EUR unterstützt. Die Folge waren drastische Sparmaßnahmen mit einer Rückführung der Sozial- und Bildungsausgaben und der Erhöhung von Steuern, die innerhalb der EU als vorbildlich gelten. Die Arbeitslosenrate stieg allerding im Jahr 2011 auf 14,3 Prozent. Das Wirtschaftswachstum wird 2012 die 1 Prozentmarke nicht überschreiten. Allein in der demographischen Entwicklung kann das Land im Vergleich zu anderen europäischen Staaten noch punkten mit 2,01 Kindern pro Frau. Bereits Ende Mai dürfte man von Irland wieder hören. Dann stimmen die Iren, die als EU-skeptisch gelten, über die Fiskalunion ab.

Kroatien

Kroatien em2012-2Kroatien galt als Underdog in Gruppe C, doch nach dem gestrigen Unentschieden gegen Italien stehen die Chancen auf ein Weiterkommen plötzlich nicht schlecht. Dies haben sie vor allem auch dem Wolfsburger Torjäger Mandzukic zu verdanken, der alle drei Tore Kroatiens schoss und somit die Torschützenliste der EM – zusammen mit Mario Gomez und Alan Dzagoev – anführt. Auch hinsichtlich der FIFA-Weltrangliste sieht es mit Platz 8 für die Mannschaft um Trainer Slaven Bilic ziemlich gut aus. Bereits viermal konnte sich Kroatien für die Fußball-EM qualifizieren, und so manches Mal sorgte das Team für eine Überraschung. Eine weitere wäre perfekt, sollten die Kroaten am nächsten Montag tatsächlich den Einzug in die Endrunde feiern können und somit einen der beiden Favoriten Italien oder Spanien bereits in der Vorrunde aus dem Turnier schießen. In der EM-Qualifikation schafften es Kroatiens Kicker jedoch erst im Playoff gegen die Türkei, sich in die Teilnehmerliste der 16 besten europäischen Fußballnationen einzureihen.

Kroatien ist in starkem Maße verflochten mit der italienischen Wirtschaft. So leidet auch das südosteuropäische Land stark unter der Finanzkrise. Der Internationale Währungsfonds senkte vor kurzem seine Prognose für 2012 von +1,8 Prozent auf -0,5 Prozent. Andere Analysten rechnen sogar mit einem höheren Negativwachstum. Wachstumsimpulse kommen vom Beitritt des Landes zur Europäischen Union am 1. Juli 2013. Zudem gilt Kroatien als attraktives Urlaubsland. Den Konjunkturaufschwung des vergangenen Jahres konnten Exportunternehmen des Landes nur unzureichend nutzen. Die Industrieproduktion legte gerade einmal 1 Prozent zu. Auch vom Binnenkonsum sind keine Impulse zu erwarten. Zumal die Arbeitslosenrate mit 17,9 Prozent vergleichsweise hoch ist. Im Vergleich zu anderen Staaten ist die Gesamtverschuldungsrate vergleichsweise niedrig. Doch wuchs der Schuldenberg von 31 Prozent des BIP im Jahre 2008 bis 2011 auf 58 Prozent. Bis 2014 könnte die Verschuldung dann auf 75 Prozent wachsen, wenn das Haushaltsdefizit, das im Jahre 2011 bei 5,5 Prozent lag, ungebremst weitergeführt würde. Um ein griechisches Szenario zu vermeiden, erhöhte die neue Regierung um Jadranka Kosor die Mehrwertsteuer von 23 auf 25 Prozent. Zudem wurden Kürzungen b ei Renten, Gehältern im öffentlichen Bereich sowie bei öffentlichen Ausgaben angekündigt.

 ETFs auf die Gruppenmitglieder

 IndexKAGWKN Kosten Indexanteil
MSCI Spain (Spanien)AmundiA0REJT0,25 %100 %
FTSE MIB (Italien)Credit SuisseA0YEDP0,33 %100 %
Irland (kein ETF verfügbar)
South East Europe Trades(Kroatien)RBSA0MU3T0,80 %24 %
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