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EURO 2012 Gruppe D – Wirtschaftlicher Ausblick

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In den vergangenen Wochen geriet der EM-Gastgeber in heftige Kritik wegen Nichtbeachtung der Menschenrechte. Auch sportlich sieht es nicht sonderlich gut aus für das Land. Die Gruppengegner England und Frankreich gelten weiterhin als Favoriten.

Ukraine

ukraine em2012Neben Polen ist die Ukraine Mitveranstalter der Fußball-EM und genießt somit Heimvorteil. Mit Platz 49 in der FIFA-Weltrangliste werden die Chancen für ein Überstehen der Vorrunde allerdings allgemein als sehr niedrig bewertet, trotz enthusiastisch jubelnder Fans, die sehr stolz sind, Gastgeber einer Fußball-EM zu sein. Mit dem derzeit dritten Platz in Gruppe D – hinter den Gruppenfavoriten aus England und Frankreich – haben die Gastgeber ein Weiterkommen zumindest noch in eigener Hand. Ein Sieg am morgigen Abend über England würde sicherlich nicht nur der Ukraine, sondern der EM allgemein gut tun, da nach dem Ausscheiden Polens somit zumindest noch ein Gastgeberland weiterhin im Turnier vertreten wäre.

In den vergangenen Tagen geriet die Ukraine als Gastgeber auch immer mehr in die Kritik aufgrund der Nichtbeachtung von Menschenrechten, gegen die ehemalige Hoffnungsträgerin der Orangenen Revolution und Präsidentin Julia Timoschenko in einem Hungerstreik demonstriert. Viktor Janukowitsch herrscht wieder mit eiserner Hand und verfolgt unliebsame Oppositionspolitiker aus der Vorgängerregierung unter fadenscheinigen Gründen. In der Wirtschaft herrscht Korruption und Vetternwirtschaft, aber auch langwierige Genehmigungsverfahren und Rechtsunsicherheit sorgen für Verunsicherung. Janukowitsch ist daher bei der großen Mehrheit der Ukrainer sehr unbeliebt und es ist unwahrscheinlich, dass er die Wahlen im Herbst politisch überleben wird. Die Fußball-EM sollte nun das angeschlagene Image aufpolieren. Geprägt wird die Wirtschaft vor allem von Oligarchen. Immerhin konnte die ukrainische Wirtschaft 2011 um mehr als 5 Prozent wachsen. Für 2012 senkte der Internationale Währungsfonds jedoch die Wachstumsrate von 4,8 auf 3,0 Prozent. Die BIP pro Kopf ist mit gerade einmal 7.200 USD das niedrigste aller EM-Teilnehmerländer. Der IWF unterstützte die Ukraine mit Milliardenkrediten, aufgrund nicht umgesetzter Reformen wurden die Zahlungen jedoch vorläufig ausgesetzt. Wirtschaftlich punkten könnte das Land aufgrund seiner großen Rohstoffvorkommen von beispielsweise Eisenerz oder Kohle sowie der geographischen Nähe zu den Märken Russlands und der EU.

Frankreich

frankreich em2012-2Wenn es allein nach den Wettquoten bei bwin ginge, ist die Sache klar. Denn der Weltmeister von 1998 und zweimalige Fußball-Europameister (1984, 2000) rangiert hierbei auf Platz 3 hinter den Top-Favoriten Spanien und Deutschland. Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn man die FIFA-Weltrangliste einbezieht. Hier liegt die Grande Nation gerade einmal auf Platz 16, weit hinter England und nur einen Platz vor Schweden. Das liegt wohl auch an dem blamablen Abschneiden bei der vergangenen Fußball-WM in Südafrika, bei der die Equipe Tricolore nach einem Eklat bereits in der Vorrunde ausschied. Doch mit einem Sieg gegen Gastgeber Ukraine und einem Auftakt-Unentschieden gegen England sieht es für die französische Elf gut aus. Als letzter Gruppengegner wartet morgen das bereits ausgeschiedene schwedische Team und schon mit dem Gewinn nur eines Punktes ist der Viertelfinaleinzug gesichert. Daher zählt das Team rund um Ribery, Nasri und Benzema längst zu den direkten Titelfavoriten und wir dürfen gespannt sein, wie weit es diese Offensivkünstler noch bringen werden.

Frankreich ist die zweitwichtigste Wirtschaft in der Eurozone. Es war lange Zeit als einiges der wenigen Euroländer mit einem Rating von AAA ausgestattet. Im Januar 2012 stufte Standard & Poors das Land auf AA+ herab. Frankreichs Wirtschaft stagniert. Im ersten Quartal 2012 registrierte Frankreich ein Nullwachstum. Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2012 ein mageres Wachstum von gerade einmal 0,2 Prozent. Die Gesamtverschuldungsquote liegt mit 85,8 Prozent geringfügig über der Deutschlands. Allerdings dürfte diese bald weiter ansteigen. Für 2013 wird bereits mit einer Verschuldungsrate von 91,7 Prozent gerechnet. Kein Wunder: in den Vorjahren betrug das jährliche Haushaltsdefizit stets zwischen 5,1 und 7,5 Prozent. Mit der neuen Regierung um den Sozialistenchef François Hollande, der auf weniger sparen und mehr Wachstum setzt, scheint eine Änderung dieser Situation in weite Ferne zu rücken. Ob zudem Reichensteuern von 75 Prozent des Einkommens das Patentrezept für weiteren Aufschwung ist, bleibt zudem fraglich. Zu erwarten ist, dass unter dem neuen Staatspräsident die Binnenkonjunktur angekurbelt wird mittels weiterer staatlicher Förderprogramme. Doch das dürfte die Verschuldung noch weiter erhöhen. Die Kurskonsolidierung an den Aktienmärkten lässt zumindest nichts Erfreuliches erwarten.

England

england em2012Besonders erfolgreich bei Fußball-Europameisterschaften war England noch nicht. Noch nie schaffte es der Fußball-Weltmeister von 1966 ins EM-Finale. In der FIFA-Weltrangliste ist England auf Platz 7 zu finden. Hinsichtlich der Wettquoten zur EM sieht der Online-Wettanbieter bwin England auf Platz 5 hinter Frankreich und Portugal. Ein Überstehen der Vorrunde des Teams um Fabio Capello bleibt wahrscheinlich, zumal der für die schweren Spiele gegen Frankreich und Schweden gesperrten Topstar Wayne Rooney im letzten Gruppenspiel gegen Gastgeber Ukraine wieder voll angreifen kann. Sicherlich wird das morgige Spiel gegen die hochmotivierten Ukrainer trotzdem alles andere als ein Selbstläufer. Doch da bereits ein Unentschieden zum Viertelfinaleinzug reicht, sind die englischen Fans sehr optimistisch.

Großbritannien mit seinem bedeutenden Finanzstandort London litt ganz besonders unter der Finanzkrise. Mehrere Hypothekenbanken und Bausparkassen mussten verstaatlicht werden, Großbanken wie die Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds Banking Group wurden teilverstaatlicht. Die Bankenrettung ließ das Haushaltsdefizit im Jahr 2009 auf 11,5 Prozent hochschnellen. Vergangenes Jahr lag es noch bei 8,3 Prozent. Das ließ die Gesamtverschuldung von 69,6 Prozent im Jahre 2009 auf 85,8 Prozent im Jahr 2011 hochschnellen. Auch hinsichtlich des Wirtschaftswachstums läuft es nicht unbedingt rund. Nach einem Minuswachstum von 0,1 Prozent (4. Quartal 20119 und von 0,2 Prozent (1. Quartal 2012) befindet sich Großbritannien erstmalig nach 2009 wieder in der Rezession. Besonders die Baubranche macht Sorgen, aber auch die Industrieproduktion stagniert. Mancher Experte führt dies auf die harten Sparmaßnahmen der konservativen Regierung David Cameron zurück. So wurden unter anderem das Pensionsalter auf 66 Jahre angehoben, rund 490.000 Stellen im öffentlichen Dienst gestrichen und drastische Kürzungen im Sozialetat vorgenommen. Für Wirtschaftsimpulse sollen die diesjährigen Olympischen Sommerspiele in London sorgen, die auch das Image des Wirtschaftsstandortes Großbritannien aufpolieren könnten. Und Experten sagen dem Land nur eine kurzfristige Rezession voraus. Bereits im Jahr 2013 soll die Wirtschaft nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds wieder um 2,0 Prozent wachsen.

Schweden

Schweden EM2012-2Seit 1992 schafften es Schwedens Kicker stets, sich regelmäßig für die Fußball-EM zu qualifizieren. Im ersten Jahr ihrer Teilnahme schafften sie es sogar ins Halbfinale. Auf der FIFA-Weltrangliste ist Schweden mit Platz 17 nur einen Platz nach Frankreich zu finden. Der Online-Sportwettenanbieter bwin sah Schwedens Mannschaft um Trainer Erik Hamrén jedoch von Beginn an eher als Außenseiter der Europameisterschaft mit Platz 12. Mit dieser Einschätzung lagen sie goldrichtig, denn nach zwei Niederlagen gegen Ukraine und England stand Schweden schon am letzten Freitag als zweites Team fest, das bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten muss. Das morgige Spiel gegen Frankreich ist somit das letzte Länderspiel, zudem sie bei dieser EM antreten dürfen und bietet lediglich noch die Möglichkeit eines würdigen Abschieds aus der Europameisterschaft. 

Weit besser als im Fußball rollt der Ball in Schwedens Wirtschaft. Das EU-Land, das nicht der Euro-Zone angehört, gilt laut World Economic Forum weltweit nach der Schweiz als wettbewerbsfähigstes Land (Deutschland: Platz 6). Davon zeugt auch das hohe Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 40.600 USD. Und anders als zahlreiche andere westliche Industriestaaten verzeichnete das Land kein Haushaltsdefizit sondern erwirtschaftete 2011 sogar einen leichten Überschuss von 0,3 Prozent. Auch die Gesamtverschuldung liegt bei 38,4 Prozent. Das war nicht immer so. Lange Zeit galt Schweden als der Wohlfahrtsstaat par excellence. Das trieb die Schuldenlast auf über 70 % des BIP. Harte Sozialeinschnitte hatten eine dreijährige Rezession zur Folge. Doch langfristig hat sich bezahlt gemacht. 2010 wuchs das Land nach der Finanzkrise um 5,6 Prozent, 2011 um 4,2 Prozent. Doch 2012 kommt es auch in Schweden zu einem Konjunktureinbruch. Die Prognosen für das laufende Jahr mussten vom staatlichen Konjunkturinstitut von0,6 Prozent auf 0,4 Prozent nach unten korrigiert werden. 2013 soll Schwedens Wirtschaft wieder um 2,5 Prozent wachsen. Zuvor war man von 3,0 Prozent ausgegangen.

 ETFs auf die Gruppenmitglieder

 IndexKAGWKN Kosten Indexanteil
Ukraine (kein ETF verfügbar)
CAC 40 (Frankreich)AmundiA0HHFJ0,25 %100 %
FTSE 100 (England)db x-trackersDBX1F10,30 %100 %
MSCI Nordic Countries (Schweden)AmundiA0REJU0,25 %51 %
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