Start ETF-News Europäische Staatenkrise: differenziert investieren mit neuen Renten-ETFs

Europäische Staatenkrise: differenziert investieren mit neuen Renten-ETFs

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Mit drei neuen ETFs können Anleger in den Rentenmarkt der Eurozone investieren – und zwar differenziert nach Kreditwürdigkeit der Schuldner. In Zeiten von Griechenland, Irland & Co. lassen sich Risiko und Rendite besser kontrollieren.

Obwohl die Renditen von Staatsanleihen derzeit im Keller sind und ihr Ruf als Hort der Sicherheit gelitten hat – Stichwort Griechenland-Krise -, erfreuen sich staatliche Bonds unter Anlegern nach wie vor höchster Beliebtheit. Anscheinend misstrauen zahlreiche Investoren der weiteren Entwicklung an den Aktienmärkten. Statt sich den Risiken von Anteilsscheinen auszusetzen, präferieren sie Gläubigerpapiere mit festen Zins- und Tilgungszahlungen. Gleichzeitig zeigen die Entwicklungen in Irland, dass die Staatenkrise anscheinend doch noch nicht ausgestanden ist. Es gilt also auch bei Staatsanleihen die unterschiedlichen Risiken zu berücksichtigen.

Emittenten bieten Neues

Von der ungebrochenen Nachfrage nach Rentenpapieren zeugt auch die rege Emissionstätigkeit im ETFBereich. So hat die Deutsche-Bank-Tochter db x-trackers kürzlich zwei neue Renten-ETFs herausgebracht. Und auch der französische ETF-Anbieter Amundi wartet mit einer entsprechenden Neuemission auf. Alle drei Indexfonds partizipieren an der Wertentwicklung von Staatsanleihen von Ländern aus der Eurozone, differenzieren jedoch bei der Bonität der im Indexportfolio enthaltenen Schuldtitel.

Bonität als Kriterium

So setzt der von db x-trackers angebotene iBoxx € Sovereigns Eurozone AAA ETF auf beste Schuldnerqualität. Zu diesem Zweck bildet der zugrunde liegende Index nur die Wertentwicklung von Eurozone-Staatsanleihen ab, die über ein durchschnittliches Rating von „AAA“ verfügen, also von höchster Bonität sind. Rund 80 Prozent des Index entfallen auf deutsche und französische Bonds. Weitere Schuldnerländer sind die Niederlande, Österreich, Finnland und Luxemburg.

Magere AAA-Renditen

Bekanntlich muss, wer eine hohe Bonität will, Abstriche bei der Rendite in Kauf nehmen. So lag die Endfälligkeitsrendite der insgesamt 129 im Index vertretenen Anleihen zum 01. Oktober 2010 lediglich bei 2,41 Prozent pro Jahr – bei einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 6,7 Jahren. Da es sich um einen Total Return Index handelt, werden die Zinszahlungen in den Index reinvestiert, also mit eingerechnet. Die jährliche Managementgebühr für den Swap-basierten ETF beträgt 0,15 Prozent. Einen Tick günstiger (Managementgebühr: 0,14 Prozent p. a.) ist der AAA Government Bond EuroMTS Index ETF von Amundi. Auch mit diesem neuen Indexfonds können Anleger in AAA-Bonds aus dem Euroraum investieren und damit eine Hochsicherheitsstrategie verfolgen. Wie beim ETF von db x-trackers müssen die im Index vertretenen Staatsanleihen auf Euro lauten und über eine Restlaufzeit von mindestens einem Jahr sowie ein Volumen von mindestens zwei Milliarden Euro verfügen.

Mehr Zinsen, mehr Risiko

Wem die Renditen von AAA-Anleihen zu dürftig sind, hat mit dem db x-trackers iBoxx € Sovereigns Eurozone Yield Plus ETF eine Möglichkeit, gezielt auf höher verzinsliche Papiere auszuweichen. Der zugrundeliegende Index beinhaltet Staatsanleihen von den fünf Mitgliedsstaaten der Eurozone mit der höchsten 5-jährigen Anleiherendite. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass es mit der Kreditwürdigkeit dieser Länder nicht zum Besten bestellt ist. Immerhin: Rund 95 Prozent der Rentenpapiere im Anleihenportfolio verfügen zumindest über ein AA-Rating. Dennoch finden sich im Yield-Plus- Index auch Staatsanleihen von den PIGS-Ländern Portugal, Irland und Spanien (Griechenland ist nicht enthalten). Italien, das mit 55 Prozent den höchsten Anteil stellt, und Belgien vervollständigen das Quintett. Die Endfälligkeitsrendite der insgesamt 124 Bonds belief sich zum 01. Oktober 2010 auf 4,29 Prozent pro Jahr, also fast zwei Prozentpunkte mehr als beim AAA-Index.

Gute Performance in der Vergangenheit

Die neuen Renten-ETFs von db xtrackers und Amundi bieten Investoren eine interessante Möglichkeit, nach Bonität differenziert und nach Ländern diversifiziert in den europäischen Rentenmarkt zu investieren. Ein wichtiger Punkt darf dabei aber nicht übersehen werden: Die den ETFs zugrunde liegenden Indizes bilden in erster Linie die Kursentwicklung von Anleihen ab. Das heißt: Fallen die Zinsen, steigen die Anleihekurse – und umgekehrt. In der Vergangenheit war das kein Problem, da die Notenbanken infolge der Finanzmarktkrise vor zwei Jahren die Leitzinsen vehement gesenkt haben. Dieser Zinsabfall hat zum Beispiel dem iBoxx € Sovereigns Eurozone AAA Index in 2008 eine prächtige Performance von plus 11,2 Prozent beschert.

Gefahr einer Zinswende

Mittlerweile mehren sich jedoch die Stimmen, die vor einer Blase am Bondmarkt mahnen, darunter kein Geringerer als Warren Buffet. Auch der bekannte Investor Marc Faber warnt vor einem Crash bei Staatsanleihen. Innerhalb von drei Monaten, so Faber, werde sich eine Zinswende abzeichnen, die den Bondmarkt zum Absturz bringen könnte. Mit anderen Worten: Sollten die Zinsen – etwa infolge erhöhter Inflationserwartungen oder steigender Risikoprämien – tatsächlich zulegen, wären (stark) sinkende Anleihenkurse die Folge. Ein Risiko, das es nicht zu unterschätzen gilt.

 

Neue Renten-ETFs (Staatsanleihen Eurozone)
IndexKAGISINVVG
Kurs
SpreadVolumen in Mio. EURDASSWAPFWhrg
iBoxx € Sovereigns Eurozone AAAdb x-trackersLU04849694630,15 %174,910,09 %4,9TSJaEUR
Ex-AAA Government Bond EuroMTSAmundiFR00108921900,14 %158,500,65 %20,24TSJaEUR
iBoxx € Sovereigns Eurozone Yield Plusdb x-trackersLU05244802650,15 %117,80,14 %24,9TSJaEUR