Start ETF-News „EZB-Entscheidung mit nur geringem Effekt auf Realwirtschaft“

„EZB-Entscheidung mit nur geringem Effekt auf Realwirtschaft“

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Geldschwemme klein

Die Aktienmärkte profitierten heute von der EZB-Entscheidung, über Anleihekäufe insgesamt bis September 2016 1,14 Billionen Euro in den Markt zu pumpen. Doch ein Allheilmittel ist dies nach Ansicht von Finanzstrategen nicht.

„“Das Volumen und die Dauer des Kaufprogramms liegen am oberen Ende der Erwartungen. Wir rechnen aber damit, dass nach einer kurzen Phase der Euphorie wieder etwas Ruhe an den Märkten einkehren dürfte“, so Johannes Müller, Chief Investment Officer Wealth Management Germany der Deutschen Asset & Wealth Management (Deutsche AWM) zur heutigen EZB-Entscheidung.
„Aus wirtschaftlicher Perspektive vertreten wir die Ansicht, dass die Staatsanleihenkäufe weder ein Allheilmittel gegen die Wirtschaftsflaute sein werden, noch dass dadurch ein großer Schaden entstehen wird. Die positivste Wirkung auf die Konjunktur dürfte die Abwertung des Euros haben. Diese kommt einem kleinen Konjunkturprogramm gleich. Darüberhinaus dürften sich die Auswirkungen in Grenzen halten.“ Sehr kritisch beurteile der ETF-Anbieter hingegen einige Äußerungen im Vorfeld der Zentralbankentscheidung. Manche  hochrangige Politikvertreter hätten die noch nicht getroffene Beschlüsse der unabhängigen EZB schon als Tatsache verkündet. Für den Euro rechne die Deutsche AWM mit einer Fortsetzung der Abwertung gegenüber dem US-Dollar. Dies stelle eine Unterstützung für die Unternehmensgewinne in der Eurozone und damit für den Aktienmarkt dar. Der Rückgang der Renditen am Rentenmarkt sei neben der Spekulation auf EZB Maßnahmen hauptsächlich durch rückläufige Inflationsraten und Inflationserwartungen bedingt. Da sich dieser Trend kurzfristig nicht umkehren werde, erwarten die Deutsche AWM auf Sicht auch noch weiter freundliche Rentenmärkte.

„Die Märkte werden darüber jubeln, dass die EZB Staatsanleihen in diesem Umfang aufkaufen wird, was die Erwartungen weit übertrifft und einen Hinweis darauf beinhaltet, dass das Ende hierfür offen sein könnte. Der Euro hat abgewertet und das Quantitative Easing sollte die Preise der Assets weiter beflügeln“, so kommentierte Luke Bartholomew, Fondsmanager bei Aberdeen Asset Management die EZB-Entscheidung. „Aber die Entscheidung, dass die EZB nur 20 Prozent der Schulden auf die eigene Bilanz nehmen wird, ist merkwürdig. Diejenigen, die gegen die quantitative Lockerung waren, waren dies zum Teil, weil sie nicht die gesamten Risiken in den Büchern der EZB haben wollten. Sie scheinen ein Zugeständnis bekommen zu haben, um ein Quantitative Easing in dieser Größenordnung durchzusetzen. Wir alle wissen, dass eine umfassende Fiskalunion für die langfristige Zukunft des Euro entscheidend ist. Daher ist die Tatsache, dass Draghi keine Unterstützung für die volle Übernahme der Last gewinnen konnte, auf lange Sicht kein ermutigendes Zeichen“, gibt der Fondsmanager zu bedenken. Darüber warnt er die Anleger, sich „von der Größe nicht mitreißen lassen“. Sie mag am Rande die Inflationserwartungen anschieben, aber voraussichtlich nur einen geringen Effekt auf die Realwirtschaft in Europa haben. Ein schwächerer Euro sollte den Exporten ein wenig helfen, aber er werde die Europäischen Volkswirtschaften nicht plötzlich wettbewerbsfähiger machen. Dies erfordere dringend Strukturreformen, welche die politischen Entscheider in Europa nicht bereit zu sein scheinen durchzusetzen. Wenn die erste Volatilität vorbei sei, dürften wir uns fragen, worauf wir die ganze Zeit gewartet haben.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.