Start ETF-News Finanz-Profis entdecken ETFs

Finanz-Profis entdecken ETFs

215
Team-Mann-Frau1

Das ETF-Universum scheint unendlich. Inzwischen setzen auch immer mehr Profi-Investoren auf passive Produkte. Wir erklären, was Vermögensverwalter an ETFs schätzen und wie sich die Branche künftig entwickeln wird.

Vor zwanzig Jahren legte die Vermögensverwaltungssparte von State Street erstmals einen ETF auf – der S&P 500 ETF von SPDR gilt noch heute als eines der attraktivsten Anlagevehikel und ist inzwischen mit einem Volumen von 123 Milliarden US-Dollar der größte ETF weltweit. Doch ist während der vergangenen Jahre nicht nur das Fondsvolumen gewachsen – auch die Anzahl der weltweit handelbaren Produkte bietet Anlegern heute eine Vielzahl von Möglichkeiten. Für Thomas Heidorn, Professor an der Frankfurt School of Management, liegt das Erfolgsrezept dieser Produkte in ihren einzigartigen Eigenschaften: „ETFs sind konkurrenzlos günstig und weichen oft nur gering vom Referenzindex ab. Das sind klare Vorteile gegenüber aktiv gemanagten Fonds“, so der Finanzwissenschaftler.

„Trading-ETFs mit Vorsicht zu genießen“

Nach der rasanten Entwicklung der vergangenen Jahre stellt sich für die Branche die Frage nach der Zukunft. Inzwischen bieten ETFs Zugang zu fast jeder Anlageklasse. Während der vergangenen Jahre erweiterte sich das Angebot zudem um Produkte, die Spekulationen auf fallende Kurse oder gar gehebelte Investments ermöglichen. Doch liegt die Zukunft der Branche in immer neuen Produkten, die immer stärker vom ursprünglichen Sinn börsengehandelter Indexfonds abweichen? Thomas Heidorn hat hierzu eine klare Meinung: „Die Frage ist, ob der ETF-Markt weitere Innovationen in Form von exotischen Produkten überhaupt braucht. Vielmehr sollten bestehende Produkte stärker wahrgenommen werden.“ Weiterhin warnt der Finanzwissenschaftler vor riskanten Produkten unter dem ETF-Deckmantel: „Produkte mit Hebel oder auch Short-ETFs sind mit Vorsicht zu genießen. Es handelt sich dabei in erster Linie um Trading-Produkte, bei denen die Zeit gegen den Investor spielt.“

Bei ETF-Pionier State Street Global Advisors sieht man dies offenbar ähnlich. Der ETF-Anbieter bleibt dem ursprünglichen ETF-Konzept treu: „Weltweit sind alle unsere ETFs physisch unterlegt. Als Indexmanager ist das quasi Teil unserer DNA. Short- oder Hebel-Produkte ist sicherlich nicht das, was Kunden von uns primär erwarten“, erklärt Axel Riedel von SPDR ETFs. Trotz dieser klaren Haltung gibt es unter institutionellen Anlegern auch Fürsprecher dieser exotischen Produkte: „Es gibt Marktsituationen, die den Einsatz solcher Produkte im Portfoliokontext rechtfertigen“, so Michael Winker, Fondsmanager bei Feri.

Erfolgreiches Stockpicking ist schwer

Bei Emittenten sieht man Wachstumschancen dennoch eher in anderen Bereichen: „Gut vom Markt aufgenommen wurden zuletzt unsere Produkte auf Staatsanleihen aus Emerging Markets oder unsere Aristokraten-ETFs, bei denen wir auf Unternehmen abstellen, die ihre Dividenden über einen Zeitraum von zehn oder zwanzig Jahren erhöht oder konstant gehalten haben“, erläutert Riedel. Solche Produkte locken offenbar verstärkt auch Fondsmanager an: Eine Erhebung im Auftrag von State Street brachte kürzlich zutage, dass 42 Prozent der befragten Fondsmanager den ETF-Anteil in ihren Produkten in den kommenden fünf Jahren ausbauen wollen, bei Verwaltern von Pensionskassen planen gar 47 Prozent der Befragten einen höheren ETF-Anteil. Zurückfahren wollen dagegen lediglich acht beziehungsweise ein Prozent der Befragten den Anteil. Der große Anteil der scheinbar gleichgültigen Vermögensverwalter spricht zudem dafür, dass ETF- Produkte bislang noch keine große Rolle in Fonds oder bei Pensionskassen spielen. SPDR- Produktentwickler Scott Ebner interpretiert die Ergebnisse der Umfrage für die gesamte ETF-Branche als „ausgesprochen positiv“: „Investoren wollen in den kommenden fünf Jahren verstärkt auf ETFs setzen„, so Ebner.

Für Finanzprofessor Thomas Heidorn ist das Ergebnis dieser Umfrage keine Überraschung: „Viele institutionelle Anleger möchten nahe am Index investieren. Das ist mit ETFs möglich.“ Auch Einwände, wonach aktive Produkte in schwierigen Märkten möglicherweise bessere Ergebnisse liefern, lässt der Wissenschaftler nicht gelten: „Stockpicking war in der Vergangenheit nicht sehr erfolgreich. Die Zeit, die Investoren für fundiertes Stockpicking aufwenden müssen, sollten sie besser in eine ausgewogene Asset Allocation stecken.“

1
2
TEILEN
Vorheriger ArtikelETFs – Seit 20 Jahren ein Erfolg
Nächster ArtikelETF-Pressespiegel – KW 09/2013 (2)
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.