Sara Zinnecker zum Thema ETF-Sparpläne
Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage beim Verbraucherportal Finanztip.de

Für wen eigenen sich ETF-Sparpläne? Diese und weitere Fragen besprechen wir mit Sara Zinnecker, Redakteurin im Team Bank & Geldanlage vom gemeinnützigen Online-Verbrauchermagazin Finanztip.de.

Für wen eignen sich ETF-Sparpläne?

ETF-Sparpläne eignen sich grundsätzlich für alle, die sich vorstellen können, langfristig – also über mindestens 10 Jahre – monatlich einen kleinen Betrag, 50 Euro oder mehr, beiseite zu legen. Auch junge Sparer können ohne Weiteres einen Sparplan beginnen.

Wie sollten Anleger bei der Auswahl der ETFs vorgehen?

Wir empfehlen Anlegern in Indizes zu investieren, die möglichst viele Länder und Branchen abdecken, also breit gestreut sind und damit Schwankungen ausgleichen. Wir empfehlen den MSCI World mit 1600 Einzelwerten oder – wer im Euroraum bleiben will – den Stoxx Europe 600.

TIPP: Hier finden Sie eine Liste aller ETF-Sparplan-Anbieter.

Welche Kritikpunkte gibt es bei ETF-Sparplänen?

Keine direkten. Die Kosten sind bei ETF-Sparplänen kein Thema, im Gegenteil: Solche Sparpläne sind eine der günstigsten Möglichkeiten, Vermögen aufzubauen. Viele Onlinebanken haben diverse ETFs im Programm, die für den Kunden im Ankauf kostenlos sind.

Auf welche Punkte sollten Anleger besonders achten?

Anleger sollten schauen, dass sie in liquide Märkte investieren, das heißt in Märkte, in denen viel und regelmäßig gehandelt wird. Wählen sie einen Indexfonds auf zu spezielle Märkte, etwa auf bestimmte Schwellenländer oder bestimmte Branchen, besteht die Gefahr, dass sie ihre ETF-Anteile in Krisenzeiten nicht verkaufen können. Grundsätzlich raten wir Sparern aber, Abschwungphasen auszuhalten und langfristig dabeizubleiben.

Wie stehen Sie zum Thema Cost-Average-Effekt?

Der Durchschnittskosteneffekt besagt, dass Sparer, die monatlich eine feste Rate investieren, bei sinkenden Kursen mehr Fondsanteile bekommen. Das wirkt sich, wenn die Kurse dann wieder steigen, positiv auf die Rendite aus. Allerdings können Anleger, die beim Kauf einer festen Zahl von Fondsanteilen das richtige Timing erwischen, ebenso erfolgreich sein. Welche Strategie besser ist, weiß man immer erst hinterher. In der Praxis bevorzugen die meisten Sparer aber ohnehin konstante Raten.

TIPP: ETF-Sparpläne gibt es auch im Rahmen von VL-Sparen.

Ist ein Sparplan immer besser als die Einmalanlage?

Die Wahl zwischen Sparplan und Einmalanlage hängt doch davon ab, wie viel Geld dem Sparer zur Verfügung steht. Will er eine Summe, die er bereits hat, kostengünstig anlegen? Oder will er regelmäßig einen bestimmten Betrag des Einkommens in einen langfristigen Sparplan packen? Die beiden Sparformen sind insofern nicht vergleichbar. Der Sparplan hat den Vorteil, dass der Einstiegszeitpunkt weniger wichtig ist. Weil anfangs erst wenig Geld im Sparplan steckt, fällt es weniger ins Gewicht, wenn es am Markt erst einmal nach unten geht.

Würden Sie bei einen ETF-Sparplan eher thesaurierende oder ausschüttende ETFs wählen?

Wer nicht auf die regelmäßigen Dividenden angewiesen ist, fährt in punkto Vermögensaufbau mit der thesaurierenden Variante besser. Wer einen ETF bevorzugt, der einen Großteil der Aktien im Index nachkauft (also einen physischen), muss allerdings aufpassen: Ist der Fonds im Ausland aufgelegt, müssen Anleger die Dividenden jedes Jahr selbstständig versteuern. Wird der Fonds verkauft, fällt noch einmal Abgeltungssteuer auf die Dividenden an. Um diese Doppelbesteuerung zu vermeiden, müssen Anleger lückenlos nachweisen, dass sie in den Vorjahren bereits Abgeltungssteuer bezahlt haben. Anleger sollten sich hier im Zweifel den Rat eines Steuerberaters einholen.

Auf welche Punkte in Sachen Gebühren sollten Anleger bei der Wahl der Direktbank besonders achten?

Anleger sollten eine Onlinebank wählen, die ein kostenloses Depot anbietet und möglichst wenig für den Ankauf der gewählten ETFs verlangt. Den MSCI World und Stoxx Europe 600 bieten die meisten Onlinebroker kostenlos für den Sparplan an. Da die Bank diese Gratisangebote aber jederzeit ändern kann, sollten Sparer auch sehen, dass die gewählte Bank auch ansonsten wenig für den An- und Verkauf der ETFs verlangt und keine Zusatzbedingungen festschreibt, wie zum Beispiel eine Mindestanzahl an Trades im Quartal.

Wie oft sollte ein Anleger Ihrer Meinung nach sein Depot überprüfen und gegebenenfalls anpassen?

Eigentlich gilt: Einmal die Anlageentscheidung fest- und dann die Füße hochlegen. Einmal im Jahr können Sparer aber überprüfen, ob ihr Sparziel so noch stimmt. Muss ich vielleicht früher an mein Geld? Haben ich geerbt und kann etwas zugeben? Stimmen meine Renditevorstellungen noch? Da Anpassungen im Portfolio teuer sind, raten wir Sparern aber nur in Ausnahmefällen und bei Summen ab 20.000 Euro dazu.

Wenn Sie einen Wunsch an die Direktbanken äußern könnten. Welche Punkte müssten aus Ihrer Sicht noch verbessert werden?

In puncto ETF-Sparpläne sind die Onlinebroker schon gut dabei. Dank des regen Wettbewerbs sind die Kosten bereits niedrig. Mit Flatex ( Zum Testbericht) kam zuletzt ein Anbieter dazu, der eine Flatrate für Depotkäufe anbietet – also einen Preis ganz unabhängig von der Ordergröße. Das geht in die richtige Richtung. Manche Broker könnten die Kosten und das ETF-Angebot vielleicht noch etwas übersichtlicher ausweisen.

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.