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Frankreich – Nummer 2 in Europa

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Frankreich hat zwei Besonderheiten – es ist das einzige europäische Land, in dem iShares nicht der Marktführer ist und nach Deutschland der zweitwichtigste ETF-Markt diesseits des Atlantiks.

In Europa sind derzeit etwa 250 Milliarden US-Dollar in ETFs investiert und davon 50 Milliarden US-Dollar allein in Frankreich. Dies geht aus internen Schätzungen von BlackRock hervor. Momentan sind an der NYSE Euronext in Paris 489 ETFs gelistet, also weniger als bei uns. „Das Wachstumspotenzial ist noch sehr groß. Versicherungen und Pensionskassen beginnen gerade, ETFs für sich zu entdecken und interessieren sich für Schwellenländer- Produkte und zukünftig womöglich auch für Renten ETFs“, sagt ein Sprecher von Lyxor in Frankreich. Auch die Privatanleger würden ETFs verstärkt nutzen. Dieses Marktsegment sei aber noch in der ersten Entwicklungsphase.

Lyxor dominiert den ETF-Markt

Der französische Markt weist viele Gemeinsamkeiten zum deutschen auf. Allerdings gibt es aber auch einige feine Unterschiede. Zwar ist der französische ETF-Markt, genauso wie der deutsche, fest in der Hand von einigen wenigen ETF-Anbietern. Während hierzulande iShares vor Lyxor und Deutschen Bank den Löwenanteil auf sich vereinen, sind es im Nachbarland nur zwei Provider, die gemeinsam 85 Prozent des Gesamtmarktes ausmachen. Marktführer ist in Frankreich Lyxor, an zweiter Stelle steht iShares, der europäische Marktführer. Und das, obwohl es auch in Frankreich mittlerweile 17 ETF-Anbieter gibt. Anders als in Deutschland, kann ein französischer Anleger nicht direkt in Aktien aus Übersee investieren. Amerikan i s c h e A k t i e n sind zum Beispiel an der Euronext überhaupt nicht gelistet. Will ein Franzose Zugang zu ausländischen Märkten außerhalb von Europa haben, braucht er einen Fonds oder ETF mit einem europäischen Domizilland und UCITS-III-Mantel als Eintrittskarte. Was die Mentalität angeht, gibt es unterschiedliche Vorlieben. „Deutsche Anleger legen einen großen Wert auf den Tracking Error, was auch die positive Aufnahme von swap-basierten ETFs erklärt. Französische Anleger hingegen reagieren sensibler auf die Preisstruktur“, sagt eine Sprecherin vom französischen ETF-Anbieter Amundi. Eric Wohlebert, Frankreich- Chef von iShares, kennt noch einen weiteren Unterschied: „In Frankreich haben Investmentfonds eine lange Tradition. Die französische Fondsindustrie ist deutlich größer als in Deutschland. In Deutschland dagegen ist das Zertifi kate-Geschäft viel ausgeprägter. Zertifi kate werden in Frankreich dagegen kaum genutzt.“

Immer wieder Zertifikte

Obwohl Zertifi kate in Frankreich nie eine herausragende Rolle gespielt haben, hat die Pleite von Lehman Brothers auch dort einen bleibenden Eindruck hinterlassen, von dem die ETF-Branche – genauso wie hier – profi tiert hat. „Die französischen Anleger wurden dadurch für das Kontrahentenrisiko sensibilisiert“, sagt Wohlebert. Dementsprechend gewannen ETFs auch in der Grande Nation an Beliebtheit. „Wir haben das Amundi- ETF-Geschäft in Frankreich gegen Ende von 2008 gestartet und konnten nach einem Jahr, in dem wir uns stark auf das Entwickeln von Produkten fokussiert haben, unsere Assets under Management bis Ende 2009 nahezu verdoppeln“, sagt eine Amundi-Sprecherin. Auch für Frankreich erwarten die Anbieter, dass der Wachstumstrend weiter anhält. Auch dort wird um die Marktanteile gekämpft. Noch ist Lyxor dort seit 2001 die Nummer eins. Das hat der französische Anbieter vermutlich auch seiner langjährigen Monopol- Stellung zu verdanken. Denn erst 2007 kam die Konkurrenz. Damals eröffnete iShares sein Büro in Paris. Im gleichen Jahr also, in dem db x-trackers in Deutschland auf dem Markt antrat und iShares den deutschen ETF-Anbieter Indexchange aufgekauft hatte. Das belebte nicht nur den französischen ETF-Markt. „Davor gelang es keinem deutschen Asset Manager, Anteile eines deutschen Fonds in Frankreich zu verkaufen. Selbst dann nicht, wenn der Fonds UCITS-III-konform war. Durch den Kauf von Indexchange hat iShares auch deutsche ETFs in Frankreich angeboten. Diese sind hier sehr erfolgreich. Der iShares-ETF auf den DAX ist ein deutsches Produkt und gehört zu den Top Ten der am meisten gehandelten ETFs in Frankreich. Wohlebert fügt hinzu: „ETFs kennen keine Ländergrenzen. Wenn das Produkt gut ist, wird es überall gekauft.“

Großer OTC-Handel bei ETFs

Auch in Frankreich werden ETFs in erster Linie von institutionellen Anlegern genutzt und stärker Over-the- Counter als an der Börse gehandelt. „Wir schätzen, dass der OTC-Handel zwei bis drei Mal größer ist als der börsliche Handel in Frankreich“, sagt Wohlebert. Über eins müssen sich französische Anleger allerdings keine Gedanken machen – über die Steuer. Weder swap-basierte noch voll replizierende ETFs bieten dort einen Steuervorteil.

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