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Geldmarkt-ETFs: Parkmöglichkeiten

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Parkschild

Die Aktienkurse fallen, die Rohstoffpreise sind rückläufig und Anleihen bringen nur magere Renditen. Also das Geld besser parken. Aber wo?

Nun auch Geldmarktfonds. Die US-Notenbank  unterstützt mit bis zu 540 Milliarden Dollar Geldmarktfonds, die in den vergangenen Monaten stark unter Druck geraten  waren. Geplant ist, den Fonds kurzfristige  Papiere abzukaufen, die nicht mehr gehandelt  werden. Geldmarktfonds investieren  auch in kurzfristige Anlagen von Unternehmen  (Commercial Papers). Bis vor kurzem galten diese als sehr sicher – doch dann kam die Lehman-Brothers-Pleite. Seitdem  wagt sich kaum ein Investor an diese Art  Wertpapiere heran, mit den entsprechend  negativen Folgen für die klassischen Geldmarktfonds. Auch in Deutschland mussten Anleger feststellen,  dass die diese als extrem sicher geltende Anlage in der jüngsten Vergangenheit von Fall zu Fall Verluste einbrachte.

Geldmarkt-ETFs

Wie sieht es nun im Bereich der Geldmarkt- ETFs aus? Am 27. Oktober weist der Finanzdienst Onvista für die drei Flaggschiffe der Branche folgende Ein-Monats-Performance- Zahlen aus: EONIA TR Index ETF der Deutschen Bank weist ein Plus von 0,32 Prozent bei einer Volatilität (Schwankungsmaß) von 0,13 Prozent auf. Der EONIA Euro  Cash von Lyxor kommt auf ein Zugewinn  von 0,36 Prozent bei einer Volatilität von  0,20 Prozent. Am deutlichsten konnte sich  der eb.rexx Money Market von iShares mit  0,92 Prozent verbessern. Allerdings ist er mit  einer Volatilität von 1,92 Prozent auch am schwankungsfreudigsten – zumindest im  Beobachtungszeitraum. Vorläufiges Fazit:  Alle drei Fonds haben ihr Soll erfüllt. Geld  wurde nicht verloren und die Schwankungen hielten sich vor allem bei dem Deutsche-  Bank- und dem Lyxor-Produkt in sehr engen Grenzen.

Angesichts der aktuellen Diskussion um Risiken von Finanzprodukten lohnt auch ein Blick auf die Konstruktion der  jeweiligen Produkte. Beim Deutsche-Bank- ETF und beim Lyxor-ETF sind Swaps erlaubt. Das heißt: Das Sondervermögen besteht aus einem Anleihekorb und bis zu maximal zehn Prozent des Nettoinventarwerts aus einem Swap (hier werden die Erträge des Anleihenkorbs gegen die Performance des EONIA getauscht).

Im Klartext: Swaps sind Inhaberschuldverschreibungen  und gegebenenfalls  bei einer Pleite des Swap-Partners wertlos. Hier liegt somit ein gewisses Risiko. Sowohl die Deutsche Bank als auch Lyxor  haben jedoch jüngst reagiert, sodass das  Sondervermögen Ende Oktober fast nur oder  nur aus europäischen Staatsanleihen bestand.  Der Swap-Anteil lag bei der Deutschen  Bank bei minus 5,4 Prozent und bei Lyxor bei 0,7 Prozent. Ein Swap-Risiko bestand zu diesem Zeitpunkt somit nicht oder kaum.

Grundsätzlich einen anderen Weg beschreitet  iShares. Der eb.rexx Money Market bildet den  Geldmarkt über eine Full Replication (volle  Nachbildung) nach. „Im Gegensatz zu Swapbasierten ETFs auf den EONIA-Zinssatz – besteht keinerlei Kontrahentenrisiko“, heißt es  dazu von iShares. Im Portfolio befinden sich  konsequenterweise „ausschließlich deutsche  Staatsanleihen“ mit kurzer Restlaufzeit.  Ergo: Die Anbieter von Geldmarkt-ETFs achten verstärkt auf die Risiken, was gut für die Anleger ist. Swaps stellen ein gewisses Risiko dar, dass allerdings nicht zum tragen kommt, wenn das Portfolio nur aus europäischen Staatsanleihen erster Güte besteht.

EONIA

Der EONIA (Euro Overnight Index Average) ist der gewichtete Durchschnitt der Zinssätze, zu dem sich Banken im Euro- Währungsgebiet über  Nacht Geld ausleihen.  Er ist sozusagen Tagesgeldzinssatz für den Euro. Die Berechnung erfolgt durch die Europäische Zentralbank (ISIN:  EU0009659945). Aufgrund der Finanzkrise schwankte dieser Satz jüngst recht stark, da die Notenbank immer wieder am Markt intervenieren  musste. 

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