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Geldmarkt – zinsfreies Risiko?

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Die EZB verfolgt aktuell eine Null-Zins-Politik. Entwickelt sich der risikofreie Zins zu einem zinsfreien Risiko? Geld parken ist heute ungemein schwieriger als noch vor ein paar Jahren. Statt Zinsen zu verdienen, gilt es heute Risiken zu managen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte Anfang Juli den Hauptrefinanzierungssatz unter 1 Prozent auf ein historisches Tief von 0,75 Prozent. Gleichzeitig wurde der Einlagensatz auf 0 Prozent gesenkt. Die EZB folgte damit dem Beispiel Chinas und Großbritanniens, die kurz zuvor ebenfalls ihre Geldpolitik gelockert hatten. Für den Geldmarktzins EONIA, der sich am Einlagensatz orientiert, bedeutet dies nichts Gutes. Aktuell liegt dieser noch bei 0,12 Prozent.

Geldmarkt-ETFs in Euro mit synthetischer Replikation orientieren sich in der Regel am EONIA-Zinssatz. Bei Kostenquoten (TER) von 0,10 bis 0,15 Prozent ergibt dies für den Anleger eine Nullrendite. Rechnet man die Transaktionsgebühren oder die Inflation hinzu, wird die Rendite sogar deutlich negativ. Es ist also derzeit keine gute Entscheidung, Liquidität in Geldmarkt-ETFs zu parken.

Nicht besser sieht es bei den physisch replizierenden Konkurrenzprodukten von iShares oder ETFlab aus. Diese investieren in kurzlaufende deutsche Staatsanleihen mit Laufzeiten von einen bis 12 Monaten. Deren effektive Rendite bewegt sich derzeit natürlich ebenfalls um die Null-Prozent-Linie.

Wer heute Geldmarkt-ETFs in seinem Depot hält, wird also damit in nächster Zeit kein Geld verdienen. Es bleibt also „nur“ der Faktor Kapitalerhalt und damit rückt der Fokus auf die Risiken.

Dünne Luft für Euro-Geldmarkt-ETFs

Auf diesem niedrigen Zinsniveau bieten sich für die Emittenten so gut wie keine Möglichkeiten, die Attraktivität für Investoren zu erhöhen. Selbst eine Senkung der Verwaltungskosten bringt kaum eine Verbesserung. Anleger verlieren also mit Berücksichtigung der Inflation im Endeffekt Geld – es ist daher kein Wunder, dass sich viele Anleger aus diesem Bereich zurückziehen. Als Folge dessen ist davon auszugehen, dass bei gleichbleibendem Zinsniveau etliche kleinere Fonds geschlossen werden.

Alternativen zum Geldparken

Deutlich attraktiver sind da die Tagesgeld- und Festgeldangebote der Banken. Mit denen wird man zwar auch nicht reich, aber man kann aktuell gut 1 Prozent – bei begrenzten Werbeangeboten auch mehr als 2 Prozent – pro Jahr erzielen. Und dies sogar bei minimalen Risiken durch Schutz durch den Einlagensicherungsfonds. Dabei sollte man auch beachten, dass die Möglichkeit besteht, seine Liquidität zeitnah wieder zu investieren. Denn richtige Chancen auf Rendite findet man in absehbarer Zeit nur im Bereich von risikotragenden Anlagen. So sollte für ein langfristiges Investment die Wahl auf ein gut diversifiziertes Weltportfolio fallen.

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