Gerd Kommer: „Interessenkonflikte sind die Pest der Finanzbranche“

Gerd Kommer: „Interessenkonflikte sind die Pest der Finanzbranche“

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Gerd Kommer, Weltportfolio
Gerd Kommer, Erfolgsautor des Buches "Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs"

Auf dem Kapital-Gipfel in München treffen Anleger auf den erfolgreichen Finanzbuch-Autor Dr. Gerd Kommer und die Finanzblogger Finanzwesir, Finanzrocker und DividendenAdel. Im Vorfeld sprachen wir mit Dr. Gerd Kommer von Gerd Kommer Invest.

In vier Vorträgen gehen die Experten auf die richtigen Strategien zum langfristigen Vermögensaufbau ein und geben Tipps, wie Sie Ihre persönliche Geldanlage verbessern können. Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion statt, auf der Sie Fragen an die Experten und Vertreter von finvesto und Scalable Capital stellen können.

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Herr Dr. Kommer, Ihr Buch „Souverän Investieren mit Indexfonds“ hat seit dem Jahr 2002 viele Anleger motiviert die Anlage auf eine passive Anlagestrategie umzustellen. Warum sollte man Ihrer Empfehlung folgen?

Die wissenschaftlichen Belege dafür, dass passives Investieren – also Investieren auf buy-and-hold-Basis, global diversifiziert mit Low-Cost-Indexanlagen – konventionellem, aktivem Investieren überlegen ist, sind überwältigend. Jedenfalls soweit man auf dem Gebiet einer Sozialwissenschaft überhaupt jemals von „überwältigender Evidenz“ sprechen kann. Und diese Evidenz ist seit 2002, als mein Buch in der ersten Auflage erschien, eher noch stärker geworden. Ihre Frage war: Soll man passiv Investieren? Lassen Sie uns mal folgendes Gedankenexperiment anstellen: Wir befinden uns auf dem Gebiet der Medizin. Es existieren 25 Therapien für eine schwere Krankheit X, die ohne Behandlung nach kurzer Zeit zum Tod führt. Soeben hat ihr Arzt festgestellt, dass Sie an dieser Krankheit leiden. Sie sind zwar ein Pechvogel aber auch ein rationaler Mensch und beschäftigen sich daher nun mit der Forschungslage zu der Krankheit. Nach zwei Monaten intensiver Recherche haben Sie festgestellt, dass „Therapie 25“ in 9500 von den vorhandenen zehntausend wissenschaftlichen Studien als beste Therapie abschnitt. „Als beste“ heißt hier: Sie führt zur längsten Restlebensdauer nach Beginn der Krankheit. In 500 von den zehntausend Studien schnitt jeweils eine der 24 anderen Therapien am besten ab. Nun gehen Sie wieder zu Ihrem Arzt. Er empfiehlt Ihnen, es mit „Therapie 5“ zu versuchen. Er kenne zwei Studien, in denen Therapie 5 erfolgreicher war als allen anderen Therapien. Was tun Sie jetzt? Keine Ahnung, was Sie tun würden, ich würde nach einem neuen Arzt googlen.

Welche Tipps geben Sie Anlegern, die es sich nicht zutrauen Ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen?

Auf die Schnelle fallen mir da vier Tipps ein: Tipp 1: Der Anleger sollte – bevor er diese „kann-ich-nicht-Entscheidung“ trifft – zwei oder drei gute Bücher über passiv investieren lesen. Erst danach kann man legitimerweise sagen: „Nee, das trau ich mich nicht oder das kann ich nicht.“ Tipp 2: Falls es nach Befolgung von Tipp 1 immer noch Schwierigkeiten gibt – was durchaus der Fall sein kann und keine Schande ist – würde ich es mit einer Beratung bei einer Verbraucherzentrale probieren und dort nach konkreter Hilfe beim Anlegen eines einfachen passiven Portfolios fragen. Tipp 3: In Ergänzung zu Tipp 2 oder auch als Alternative dazu: Der Anleger könnte zu einem Robo-Advisor gehen. Hier würde ich einen von den drei billigsten auszuwählen und – wichtig – darauf achten, dass man nicht wieder durch die Hintertür aktiv investiert, wie es leider bei einigen Robos der Fall ist. Tipp 4: Wenn Tipp 1 bis 3 nicht zum Ziel führen, dann könnte der Anleger die Hilfe eines Honorarberaters in Anspruch nehmen, also jemand, der anders als 98 % aller beratenden Akteure in der Finanzbranche, keinem Interessenkonflikt unterliegt. Interessenkonflikte sind die Pest der Finanzbranche –  das kann man gar nicht stark genug herausstellen. Leider rennen auch sehr viele Pseudohonorarberatern durch die Landschaft. Die kann ein Privatanleger nicht sofort von der Minderheit der echten, anständigen unterscheiden. Ich gebe zu, dass dieses Erkennen-Problem meinen Tipp 4 in gewisser Weise entwertet – muss allerdings auch hinzufügen, dass viele Anleger zu kurzsichtig oder zu geizig (was für ein unschönes Wort!) sind, für guten Finanzrat cash zu bezahlen. Lieber zahlen sie versteckt für schlechten Finanzrat durch Kommissionen und Provisionen. Das ist schade. Was Tipp 4 anbelangt: Ich bin seit neustem Honorarberater und mancher wird nun einwenden: Also, Tipp 4 hätte es angesichts dessen wohl nicht gebraucht…

Welche Anlageklassen dürfen Ihrer Meinung nach in keinem Portfolio fehlen?

Es gibt keine Anlageklasse, über die man kategorisch sagen kann, dass sie in keinem Portfolio fehlen darf. Was in ein Portfolio hineingehört, ist letztlich einzelfallspezifisch. Es lässt sich jedoch schon feststellen, dass die meisten Anlegerportfolios die folgenden zwei Komponenten enthalten sollten: Die so genannte „risikofreie“ Anlage und global diversifizierte Aktien. Das sind die entscheidenden beiden Asset-Klassen – danach kommt lange nichts.

Wer Geld an der Börse anlegt unterschätzt oft die Rolle der Transaktionskosten. Warum?

Transaktionskosten oder sagen wir mal etwas allgemeiner und zutreffender, die Nebenkosten des Investierens reduzieren den Endwert eines langfristigen Investmentvorgangs sehr beträchtlich. Anders ausgedrückt: Schon relativ kleine Unterschiede bei diesen Nebenkosten zwischen Anleger A und B können dazu führen, dass der eine nach 30 oder 40 Jahren ein annähernd doppelt so hohes Endvermögen hat wie der andere, obwohl alle anderen Parameter als identisch angenommen werden. Nebenkosten sind so bedeutsam, weil sie einen negativen Zinseszinseffekt produzieren. Übrigens hat so gut wie jeder Haushalt einen Restanlagehorizont von 20 Jahren oder weit länger – ausgenommen vielleicht Anleger ab einem Alter von 70. Selbst die, die von Kurzfristanlage zu Kurzfristanlage hecheln wie etwa Day Trader haben in Wirklichkeit einen jahrzehntelangen Anlagehorizont. Wer das nicht erkennt, sieht halt den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Der Titel Ihres Vortrages auf dem Kapital-Gipfel lautet „Passiv investieren: Warum und wie? Die Basics.“ Auf welche Inhalte können sich Anleger einstellen?

Ich werde versuchen, die wichtigsten Gründe dafür zu nennen, warum aktiv investieren so schlecht und passiv investieren so gut ist, und wie sich diese Unterschiede in unserer höchst eigenen Finanzgesundheit manifestieren. Dann werde ich noch etwas dazu sagen, wie man aus meiner Sicht passiv investieren sollte und – ebenso wichtig – wie man es nicht tun sollte. „Basics“ steht im Titel des Vortrages, weil man in einer guten halben Stunde bei einem so anspruchsvollen Thema natürlich die Detailtiefe beschränken muss. Auf alle Fälle freue ich mich auf den Event, auf die Diskussion mit Anlegern am Ende meines Vortrages und auf die anderen Vorträge.

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Erfahren Sie hier mehr über die anderen Referenten des Kapital-Gipfel 2017: