2017 verzeichnete die weltweite ETF-Branche abermals Rekordzuflüsse.

Die globale ETP-Branche verzeichnete 2017 Nettozuflüsse in Höhe von 633 Milliarden Dollar. Das entspricht einem organischen Wachstum von 18 Prozent – so viel wie seit 2009 nicht. Das Nettoneugeschäft übertraf die bisherigen Rekordzuflüsse aus dem Jahr 2016 in Höhe von 378,4 Milliarden Dollar um 67 Prozent, getrieben von Zuflüssen im Aktien- und Anleihenbereich. Das ergibt sich aus dem Global ETP Landscape-Report von BlackRock.

ETPs auf US-Aktien kamen auf 196,1 Milliarden Dollar frisches Kapital. Die Aussicht auf eine US-Steuerreform und das Wirtschaftswachstum haben für Zuflüsse in Nebenwerte und eine Rotation in zyklische Branchen gesorgt. Produkte mit breitem Zugang zu den Aktienmärkten der Industriestaaten verbuchten 116,2 Milliarden Dollar und damit eine neue Rekordsumme, so der Global ETP Landscape-Report. Ansprechende Bewertungen und starke Konjunkturdaten haben diese Entwicklung beflügelt. Zudem vertrauten Anleger ETPs auf breite Schwellenländer-Aktienmärkte 54,4 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital an. Damit hat diese Produktkategorie den Rekord aus dem Jahr 2010 mit damals 31,5 Milliarden Dollar übertroffen. Auslöser waren unter anderem höhere Rohstoffpreise und ein schwächerer Dollar.

Anleihen-ETPs flossen laut dem Global ETP Landscape-Report von BlackRock unter dem Strich 156,2 Milliarden Dollar zu – ein neuer Rekord und ein Anstieg um mehr als ein Drittel gegenüber dem vergangenen Jahr. Produkte auf Investmentgrade-Unternehmensanleihen, Schwellenländerpapiere und US-Staatsanleihen registrierten neue Höchststände.

Patrick Mattar aus dem iShares Kapitalmarkt-Team kommentiert die fünf Kerntrends am europäischen ETP-Markt im Oktober wie folgt:

Spektakuläre Trendwende für Europa

„2017 brachte mit Blick auf europäische Aktien eine spektakuläre Trendwende. Denn sowohl europäische als auch US-Anleger kehrten in dieses Marktsegment zurück und investierten über das Jahr hinweg 40 Milliarden Dollar. Ein Trend, der das ganze Jahr über anhielt, war, dass US-Anleger vermehrt auf Europa schauten, wenn der Dollar gegenüber dem Euro nachgab. In Phasen eines schwächeren Dollar blieben die Kapitalströme größtenteils verhalten, während sie bei einem anziehenden Dollar zunahmen.“

Goldene Chancen

„Ein über das Jahr hinweg anhaltender Trend bei Gold-ETPs war, dass die Kapitalströme bei Produkten mit Listings in den USA beziehungsweise in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) auseinanderliefen. In den USA entsprachen die Mittelbewegungen in etwa der Entwicklung des Goldpreises, sprich Anleger reagierten taktisch auf Preisentwicklungen in beide Richtungen. In Europa hingegen investierten Anleger das ganze Jahr über recht kontinuierlich in Goldprodukte. Der September war der einzige Monat, in dem entsprechende ETPs mit Listings in der EMEA-Region unter dem Strich Mittelabflüsse verbuchten. Das deutet darauf hin, dass Gold-ETPs in europäischen Portfolios eine strategischere Rolle spielten als in US-Portfolios.“

Schwellenländer im Trend

„Für Schwellenländerprodukte war 2017 weltweit ein herausragendes Jahr. Die Nettozuflüsse erreichten 67,9 Milliarden Dollar. Damit blieben sie nur um 0,2 Milliarden Dollar hinter dem Rekord in Höhe von 68,1 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2012 zurück. Die Nachfrage auf dem Heimatmarkt und die politische Situation wirken recht günstig. Insofern erscheinen die Wachstumsaussichten für Schwellenländer im Großen und Ganzen robust, und es gibt nur wenige Faktoren, die den Zuflüssen 2018 ein Ende setzen könnten.“

Diversifizierung bei Aktien aus Industriestaaten

„Anleger nutzen ETPs mit US-Listings das ganze Jahr über, um breit in Aktienmärkte der Industriestaaten zu investieren. Die entsprechenden Produkte verbuchten 2017 rund 100 Milliarden Dollar frisches Kapital – mehr als die europäische ETP-Branche innerhalb dieses Zeitraums im Ganzen, d.h. über alle Anlageklassen hinweg, vereinnahmte.“

Investieren für die gute Sache

„2017 kann als Jahr des Durchbruchs für Nachhaltigkeits-ETFs gelten. Weltweit vertrauten Anleger entsprechenden Produkten insgesamt 5,2 Milliarden Dollar zusätzlich an. Bislang hatte das beste Neugeschäft innerhalb eines Kalenderjahres in diesem Segment bei 2,4 Milliarden Dollar gelegen. Die veraltete Annahme, dass nachhaltige Anlagestrategien auf Indexbasis mit niedrigeren Renditen einhergehen, ist durch moderne passive Fondskonstruktionen widerlegt. Die Einstellung der Endanleger und die regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa in Bezug auf nachhaltige Anlagestrategien ändern sich. Das könnte dazu beitragen, dass entsprechende Produkte mit Listings in der EMEA-Region auf mehr Interesse stoßen als derartige US-Produkte.“

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.