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Goldminenaktien: Abschlag zum Goldpreis ist gestiegen

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Anleger, die zuletzt in Goldminenaktien investierten, waren angesichts drastischer Kursrückgänge wenig erfreut. Doch ETF Securities-Rohstoff-Analystin Simona Gambrini sieht erste Anzeichen einer Trendumkehr.

Gambrini Rohstoffanalystim ETF Securities„Historisch haben Goldminenaktien in der Regel Gold outperformt, wenn die weltweite Konjunktur angezogen hat, wie sie beispielsweise durch den US-Einkaufsmanagerindex gemessen wird. Umgekehrt entwickelte sich Gold meistens stärker als die Goldminen-Unternehmen, wenn sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt und sich eine weltweite Rezession abgezeichnet hat“, sagt Simona Gambarini, Rohstoffanalystin bei ETF-Securities. „Zuletzt hätten sich diese historischen Zusammenhänge jedoch nicht bewahrheitet. Obwohl die Wirtschaft in den USA und China anziehe und viele Aktienmärkte den höchsten Stand seit mehreren Jahren erreicht hätten, würden Goldminenaktien mit einem Abschlag von mehr als 53 Prozent zu Gold gehandelt. Auch sei das Verhältnis des Goldpreises zum Kurs der Goldminenaktien derzeit mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Hohe operative und Explorationskosten belasten die Marge

„Makroökonomische Entwicklungen sind ein Faktor, warum sich die eigentlich enge Verbindung zwischen Goldminenaktien und Gold aufgelöst hat. Während der Goldpreis vor allem durch die Sorge vor Währungsabwertungen und der europäischen Staatsschuldenkrise getrieben wurde, haben diese Entwicklungen die Aktienmärkte und damit auch die Kurse von Goldminenaktien belastet“, so die Begründung Gambarinis für die negative Entwicklung von Goldminenaktien. Betrachte man allein die Marge und operativen Kosten, erscheine das Geschäftsmodell der Goldminenunternehmen robust. Würden jedoch Explorations- und Kapitalkosten hinzugezogen, ergebe sich ein völlig anderes Bild. Gambrini: „Die Produktionskosten für eine Unze Gold sind in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt jährlich um 16 Prozent gestiegen. Allerdings konnten die Goldminenunternehmen ihre Margen verbessern. So ist etwa der Goldpreis im Schnitt jährlich um 20 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sind jedoch die Explorationskosten im Durchschnitt seit 2001 jährlich um mehr als 28 Prozent gestiegen. Werden diese Investitionskosten mit berücksichtigt, haben sich die Produktionskosten für eine Unze Gold nahezu auf mehr als 1.500 US-Dollar je Unze verdreifacht und machen die Förderung für viele Unternehmen unprofitabel.“

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Goldminenunternehmen ist stark gesunken

Allerdings siieht Gambrini auch Grund zur Zuversicht: „Während Goldminenaktien historisch mit einer Prämie gegenüber anderen Branchen gehandelt wurden, weisen sie nun ein geringeres Kurs-Gewinn-Verhältnis als der S&P 500 und Minenaktien für Basismetalle auf. Verglichen mit ihrem historischen Kurs-Gewinn-Verhältnis handeln die Goldminenunternehmen aktuell rund 70 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und 48 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.“Für Investoren, die mit Goldminenaktien ihr Depot breiter diversifizieren möchten und dabei gleichzeitig nach Investments suchten, die laufende Erträge erwirtschaften, seien deshalb Goldminenaktien zunehmend attraktiv. So habe sich die Dividendenrendite der Goldminenaktien in den vergangenen sechs Monaten auf mehr als 1,5 Prozent verdoppelt. Dies sei ein Trend, der sich wahrscheinlich fortsetzen werde.

Fondsvolumenstärkster Goldminen-ETF ist der NYSE Arca Gold BUGS von RBS (WKN: A0MMBG). Geeignet ist das Produkt für kurzfristige Goldentwicklungen, da der Index Unternehmen aufnimmt, die ihre Goldproduktion nicht über einen Zeitraum von mehr als anderthalb Jahren absichern. Alternative dazu ist ein Produkt von Comstage auf den gleichen Index (WKN: ETF091).

ETF Securities setzt mit seinem Produkt auf den DAXglobal Gold Miners (WKN: A0Q8NC). Voraussetzung für die Indexaufnahme ist, dass die globalen Unternehmen mindestens 50 Prozent ihrer Erlöse im Goldabbau generieren.

Im Gegensatz zu den zuvor erwähnten Produkten, die die Indizes allesamt synthetisch abbilden, setzt der iShares S&P Commodity Producers Gold (WKN: A1JS9D) auf eine vollständige Abbildung. Der Index umfasst die 64 weltweit marktkapitalstärksten Goldminenbetreiber.

Alternative: physisch hinterlegte ETCs

Mit der Einführung von physisch hinterlegten Edelmetall-ETCs hätten Investoren aber auch eine Alternative zu den Goldminenaktien gewonnen, mit der sich ein direktes Investment in Gold umsetzen lasse. Neben diesen einfach physisch hinterlegten ETCs bieten zudem die Deutsche Börse mit Xetra-Gold (WKN: A0S9GB) und die Börse Stuttgart mit EUWAX-Gold (WKN: EWG0LD) außerdem Produkte an, bei denen das Wertpapier jederzeit in physisches Gold gewandelt werden kann.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.