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Immobilieninvestments – bieten ETFs attraktive Einstiegmöglichkeiten?

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Im Immobilienmarkt, insbesondere in den USA, hat die aktuelle Wirtschaftskrise ihren Anfang genommen. Seit einigen Monaten wächst bei Investoren jedoch wieder das Interesse an Risiko und damit Renditechancen. Besonders die Anlageklassen, die in der Krise am stärksten gelitten haben, scheinen attraktive Einstiegsniveaus zu bieten.  Weltweite Immobilienaktien (Real Estate Investment Trusts, REITs) zum Beispiel haben seit ihrem Tiefstand Anfang März 2009 schon knapp 80% gewonnen. Sind Immobilienaktien eine Alternative zu direkten Immobilieninvestments und bieten sie ähnliche Vorteile?

Investitionen in Immobilien bieten relativ stabile Erträge, geringe Volatilität und niedrige Korrelationen mit Aktien und Anleihen. Eine weitere Eigenschaft von Immobilien ist ihre Illiquidität, der Anlagehorizont sollte langfristig sein. Diese Eigenschaft wurde jahrelang von Investoren akzeptiert und teilweise vernachlässigt; bis zur hiesigen Finanzkrise. Der Wert der Immobilienanlagen litt stark in der Krise, viele Investoren stießen an ihre Risikogrenzen und wurden gezwungen Risikopositionen zu reduzieren. Jedoch konnten viele Immobilieninvestitionen nicht schnell genug oder gar nicht liquidiert werden. Anleger verkauften stattdessen oft Aktien, was wiederum das Gewicht der Immobilen im Gesamtportfolio stabilisierte oder sogar erhöhte.

Liquidität und Flexibilität

Aufgrund der Erfahrungen der Finanzkrise legen viele Investoren mehr Wert auf Liquidität und Preistransparenz. Das erklärt das starke Interesse an Immobilienaktien. Im Gegensatz zu Direktinvestments oder offenen und geschlossenen Immobilienfonds, werden REITs an der Börse gehandelt. Der Börsenhandel stellt Liquidität und transparente Marktpreise bereit. Die Mindestinvestition ist im Vergleich zu Direktinvestments eher gering. Die Flexibilität, auch amerikanische, asiatische oder weltweite REIT ETFs in Euro handeln zu können, ist ein weiterer Vorteil der ETFs.

Regelmäßiger Ertrag

Gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld helfen REITs laufende Erträge zu erzielen. In den meisten Ländern, wie etwa den USA, Großbritannien und Deutschland, sind sie verpflichtet den Großteil ihrer Einnahmen an Investoren auszuschütten. Die Auszahlungen haben sich daher trotz der Einbrüche der vergangenen beiden Jahre auf einem hohen Niveau gehalten. Brutto beträgt die Ausschüttungsrendite der verschiedenen FTSE EPRA/NAREIT Indizes zwischen 4,0 und 6,4 Prozent (Stand September 2009).

Diversifikation und Volatilität

Investoren, die Liquiditätsrisiken hoch bewerten, finden in ETFs auf Immobilienaktien eine Alternative zu klassischen Immobilieninvestments. Allerdings entwickeln sich die

Immobilienaktien nicht parallel zu Direktinvestments in Immobilien. In den USA und Großbritannien liegen die Korrelationswerte für die Immobilienaktien zu Indizes, die die Wertentwicklung von Direktinvestments in Immobilien abbilden, beispielsweise über die vergangenen neun Jahre bei 57 bzw. 76 Prozent. Die Volatilität der Immobilienaktien ist zudem höher als die von Direktanlagen in Immobilien. Das liegt allerdings auch an der Liquidität und der ständigen Bewertung durch den Börsenhandel. Immobilienaktien bieten dennoch Diversifikationschancen. Zum Beispiel korreliert der europäische DJ STOXX 600 Real Estate Index negativ zum europäischen Anleihenmarkt (-18%), wie ihn der Barclays Capital Euro Aggregate Bond Index widerspiegelt und nur zu 74% mit dem Gesamtindex DJ STOXX 600. Die Korrelationen der REITs zum S&P 500 liegen mit 67% nur leicht höher als die der Direktinvestments mit 59%.

Einsatz in der Asset Allocation

In der taktischen Asset Allocation lässt sich mit Immobilienaktien die geringe Gewichtung des Immobiliensektors in marktbreiten Indizes von häufig weniger als zwei Prozent flexibel erhöhen. Investoren können so von einer möglichen konjunkturellen Erholung auf den weltweiten Immobilienmärkten profitieren. Kurzfristig können die REIT ETFs auch als Übergangsinvestition genutzt werden bis eine kritische Größe für ein Direktinvestment erreicht ist. In der strategischen Asset Allocation setzen institutionelle Anleger REITs oft in Kombination mit Direktinvestitionen in Immobilien ein, beispielsweise um einen gewissen Teil der Immobilienanlage stets liquidieren zu können, für internationale Immobilieninvestitionen oder um eine breitere Streuung als mit Direktinvestitionen zu erlangen.

von Blanca König, CFA, Senior Sales Strategist, iShares

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