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Indexnachbildung: Auf der richtigen Spur

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Florian_Lenhart_UniCredit

Florian Lenhart von der UniCredit schreibt über unterschiedliche Methoden einen Index nachzubilden und was Anleger dabei beachten sollten.

Ein ETF hat das Ziel, einen Index so genau  wie möglich abzubilden. Dabei kann der Tracking  Error des ETF als ein Maß für die Qualität  der Benchmarknachbildung betrachtet  werden. Der Tracking Error bezeichnet die  Standardabweichung der Renditedifferenz  zwischen einem Portfolio und seiner Benchmark.  Je größer der Tracking Error ist, umso  ungenauer wird ein Index abgebildet. Vielfach wird argumentiert, dass ein geringer  Tracking Error zwingend auch eine bessere Rendite verspricht, dem ist jedoch nicht so.

Risikomaß

Der Tracking Error ist vielmehr ein Risikoals  ein Renditemaß. Ein niedriger Tracking  Error bedeutet nicht zwingend, dass die Performance  besser ist, dies wird an einem Beispiel  deutlich: Ein ETF, der jeden Tag genau  fünf Prozent unter der Performance des zugrundeliegenden  Index liegt, hat unter Umständen  einen niedrigeren Tracking Error  (gebenenfalls sogar einen Tracking Error von null) als ein ETF, der besser als der Index  abschneidet, aber große Schwankungen  in der Performance aufweist.

Nachbildung

Das Ausmaß des Tracking Errors kann  durchaus durch die Art der Indexnachbildung  beeinflusst werden. Hier finden im europäischen  Markt zwei Möglichkeiten Anwendung:  Während zum Beispiel der „iShares DAX  (DE)“ (und viele weitere Produkte der Barclays  Global Investors Deutschland) zur  Replikation des DAX die Aktien entsprechend  der jeweiligen Gewichtung halten (volle  Nachbildung oder englisch Full Replication),  verwenden der „db x-trackers DAX  ETF“ sowie der „Lyxor ETF DAX“ Total-  Return-Swaps bei der Indexnachbildung  (synthetische Nachbildung). Total-Return-  Swaps sind eine sehr akkurate Methode, um  nichtausschüttende Indizes (sogenannte  Performanceindices wie zum Beispiel den  DAX) abzubilden. Die meisten internationalen  Indizes sind jedoch Preisindizes, die keine  Dividenden berücksichtigen und damit im  ETF regelmäßige Ausschüttungen vorsehen.  In diesen Fällen müssen auch Aktienswap-  ETFs Cash vorhalten, um diese Ausschüttungen  vorzunehmen. Dies kann wiederum  den Tracking Error erhöhen.

Zusatzerträge

Verschiedene Indexfamilien berücksichtigen  die in der Praxis anfallende Quellensteuer  auf Zins- oder Dividendenerträge unterschiedlich.  Während zum Beispiel der DAX  annimmt, dass die Dividenden ohne Steuerabzug  reinvestiert werden, nehmen die Indizes aus der Stoxx-Familie einen maximalen  Quellensteuerabzug von 25 Prozent an. Vereinfacht  gesagt bedeutet das, dass ein ETF  aufgrund der in der Praxis anfallenden Quellensteuerabzüge  und Management Fee einen  Index wie den DAX praktisch nicht schlagen  kann.

Leiherträge

ETFs auf Stoxx-Preisindizes sollten dagegen  in der Regel den Index schlagen, denn mit  Hilfe verschiedener Instrumente kann man in  der Praxis die Quellensteuerbelastung erheblich  optimieren. Diese Mehrerträge fließen  dem Fonds zu und überkompensieren in den  meisten Fällen die Management Fee. Während  Aktienswap-ETFs diese Quellensteueroptimierung  praktisch „eingebaut“ haben, ist  es aber falsch anzunehmen, dass Full-  Replication-ETFs nicht auch mit verschiedenen  Instrumenten die Quellensteuerbelastung  minimieren können. So können aus den Aktienbeständen  der ETFs Leiheerträge generiert  werden, die zu einem gewissen Maße dem  Fondsvermögen zugeführt werden können.  iShares schafft es bei vielen ETFs teilweise erhebliche Zusatzerträge zu generieren. Diese  Zusatzerträge sind naturgemäß von ETF  zu ETF unterschiedlich und können generell  auch von Anbietern von Aktienswap-ETFs  generiert werden.

Emittentenrisiko

Durch die Abbildung des Index mit Derivaten  ist der Marktwert des Total Return Swap Teil des ETF-Vermögens und darf laut Investmentgesetz bis zu zehn Prozent des Vermögens betragen. Sollte der Marktwert des  Swap zehn Prozent überschreiten, muss der  Marktwert des Swap bar ausgeglichen und  wieder auf null gesetzt werden. Im Vergleich  zum Full-Replication-Ansatz besteht also ein  maximales Emittentenrisiko von zehn Prozent.

Geschäftspolitik

Über was sich Privatanleger auf jeden Fall bewusst sein müssen: Die Nachahmungsmethode  hat einen direkten Einfluss auf den Tracking  Error. Letztlich ist entscheidend, wie viel die durch Quellensteueroptimierung und  Wertpapierleihe generierten Zusatzerträge  dem ETF-Sondervermögen zufließen. Diese Entscheidung obliegt den einzelnen ETF-Emittenten. Es existieren also durchaus Performanceunterschiede zwischen vergleichbaren  ETFs verschiedener Emittenten. Die Entscheidung, wie viel dieser Zusatzerträge in den ETF einfließen soll, kann aber jederzeit revidiert werden, was bedeutet, dass  aufgrund der historischen Wertentwicklung  nicht zwingend auf zukünftige Gewinne eines  ETFs eines Emittenten geschlossen werden kann.

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