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Indizes: die wichtigste ETF-Zutat

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Ein ETF hat die Aufgabe, einen Index so exakt und kostengünstig wie möglich abzubilden. Daher sollten sich Anleger immer intensiv mit den Konstruktionsprinzipien von Aktienindizes beschäftigen. ETF-Experte Hans-Joachim Reich von der Reich Consulting GmbH führt die wichtigsten Punkte auf.

Ziel und Zweck eines Aktienindex ist es, einen spezifischen Aktienmarkt repräsentativ abzubilden. Die Überlegung, welche einzelnen Aktien in welcher Gewichtung aus dem Gesamtuniversum der möglichen Aktien ausgewählt werden sollen, ist eine der zentralen Fragestellungen. Die „Theorie der effizienten Märkte“ (Markowitz) postuliert, dass im Aktienpreis bereits alle Informationen enthalten sind und der Börsenwert also dem fairen Wert des Unternehmens entspricht. Hieraus ist die herkömmliche Konstruktionsvorschrift für fast alle Aktienindizes abgeleitet. In den Index kommen, je nachdem, die 30, 50, 100 oder noch mehr nach Börsenwert (Marktkapitalisierung) gewichteten größten Unternehmen. Die zahlreichen Indizes werden regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst.

Die Auswahlmethodik eines Index

Die nebenstehende Abbildung zeigt beispielhaft die grundlegende Auswahlmethodik für die weit verbreitete MSCI-Indexfamilie. Die Indizes werden weltweit nach diesem Regelwerk konstruiert. Andere Indexprovider verwenden für ihre kapitalisierungsgewichteten Indizes meist sehr ähnliche Verfahren. Das relevante Gesamtuniversum (je Region oder je Land) wird zunächst nach definierten, quantitativen Regeln wie zum Beispiel Handelbarkeit, Liquidität, Free Float und Mindestgröße auf einen „investierbaren Marktindex“ reduziert, der bis zu 99 Prozent der Marktkapitalisierung abdeckt. Danach werden die Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung in die jeweiligen Größenklassen Large-, Mid- und Smallcaps zugeordnet und bilden so die entsprechenden Sub-Indizes. Zusätzlich können die Größenklassen noch hinsichtlich der beiden Investmentstile Value (dividendenund substanzstarke Unternehmen) und Growth (wachstumsstarke Unternehmen) segmentiert werden. Auch hierbei werden streng quantitative, mathematische Verfahren auf die Variablen Kurs-Buchwert-Verhältnis, Kurs- Gewinn-Verhältnis, Dividendenrendite und diverse Gewinnwachstumsraten angewendet. Diese Art der Auswahl und Konstruktion sorgt für ein transparentes, jederzeit nachvollziehbares, robustes und vor allem emotionsloses Indexkonzept. Einige Anbieter wie etwa MSCI und Stoxx liefern zusätzlich Sub-Indizes auf bis zu 24 Branchensektoren wie beispielsweise Energie, Handel, Automobil oder Telekommunikation und andere.

Alternative Index-Methoden

Die marktkapitalisierungsgewichteten Indizes stehen vereinzelt im Verdacht, in Boom- oder Bust-Phasen konstruktionsbedingt höhere Volatilitäten zu erzeugen, da sie schnell wachsende Unternehmen tendenziell übergewichten. Diesem Effekt versuchen fundamental konstruierte Indizes entgegenzuwirken. Prominentester Vertreter ist die RAFIIndexfamilie von FTSE, bei der für die Auswahl und Gewichtung der Aktien fundamentale Daten wie Buchwert, Dividenden, Cashflow und Absatzzahlen aus den Geschäftsberichten herangezogen werden.

Strategie-Indizes

Eine ähnliche Berücksichtigung additiver Daten und Informationen verfolgen auch Indizes, die konkrete Strategien oder Präferenzen abzubilden suchen. Hierunter fallen beispielsweise Schriakonforme Indizes, deren im Index enthaltene Unternehmen die religiösen Regeln des Islam erfüllen, oder die beliebten Dividendenindizes, die Unternehmen anhand ihrer Dividendenrenditen auswählen und gewichten.

Themen-Indizes

FTSE-EPRA/NAREIT-Indizes: Hinter diesem sperrigen Begriff verbergen sich die globalen und regionalen Indizes auf Unternehmen, die mehr als 75 Prozent ihres Vorsteuergewinns aus Immobiliengeschäften generieren. Der Indexanbieter FTSE ermittelt mit klaren mathematischen Filterkriterien unter ergänzender Heranziehung der Geschäftsberichte eine Vielzahl von Immobilien/REITs-Indizes. Diese ermöglichen eine repräsentative Abbildung des Marktes der Immobilien- Wertschöpfungskette, der thematisch geprägt ist von Substanzwerten (Immobilien), hohen Dividendenausschüttungen (Mieteinnahmen) und in vielen Ländern steuerlichen Begünstigungen für die jeweiligen Unternehmen. Von Standard & Poors (S&P) gibt es darüber hinaus noch eine ganze Reihe von weiteren Themen-Indizes, die eine meist globale Marktabbildung der Themen Infrastruktur, Energie (Clean Energy), Wasser (Green Investing), Agrarrohstoffe (Natural Resources), CO²-Effizienz und sogar Innovation sicherstellen sollen. Die beiden letztgenannten Themen-Indizes werden allerdings auch durch teilweise subjektive Auswahlkriterien mit qualitativen Merkmalen zusammengestellt.

Worauf achten?

Eine der wichtigsten Eigenschaften neben der repräsentativen Marktabbildung ist die möglichst breite Diversifikation des Index. Hier gilt tatsächlich: Viel hilft viel! Je mehr Aktien im Index enthalten sind, desto besser. Ferner sollte der Indexprovider eine transparente und durchgängige, streng quantitative Konstruktionsmethodik verwenden. Bauchgefühl sollte ebenso fehl am Platze sein wie schwammige oder fragwürdige Konstruktionsregeln wie zum Beispiel willkürliche Durchschnittsbildungen (wie beim Dow Jones Industrial Index oder beim Nikkei 225 Index). Die Auswahl der individuell „passenden“ Indizes ist sicherlich eine Fleißaufgabe auf den vorwiegend sehr guten Internetseiten der Provider. Aber es lohnt sich.

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