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Inflation: Schutz vor dem globalen Weichmacher

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Die gestiegene Inflation droht das Vermögen von Anlegern zu schmälern. Hilfe versprechen inflationsgeschützte Anleihen.

Welch bittere Folgen es hat, wenn Geld über Nacht wertlos wird – diese Erfahrung müssen derzeit die Bürger Simbabwes machen. In dem afrikanischen Krisenstaat beträgt die Inflationsrate 165.000 Prozent – es ist die höchste der Welt. Ein Extrembeispiel, sicher. Doch auch in den westlichen Industrieländern ist die Inflation auf dem Vormarsch. In Euroraum liegt die Teuerungsrate bei 3,3 Prozent und damit deutlich über dem Zwei-Prozent-Kriterium, bis zu dem die Europäische Zentralbank (EZB) die Preisstabilität gewährleistet sieht. In den USA stiegen die Verbrauchpreise zuletzt sogar um 3,9 Prozent.

Ölpreis-Schock und Geldmenge

Eine der Hauptursachen für das Revival der Inflation liegt in den stark gestiegenen Preisen für Rohstoffe wie Öl und Gas und den damit höheren Kosten für Energie. Aber auch Agrargüter wie Weizen, Mais oder Soja haben sich verteuert und die Lebensmittelpreise angeheizt. Eine weitere Inflationsursache sind die bedrohlich anschwellenden Geldmengen. Im Euroraum legte die entscheidende Maßgröße M3 binnen Jahresfrist um rund elf Prozent zu. In den USA kann man den Geldmengenzuwachs nur noch schätzen, da die US-Notenbank Fed im März 2006 beschlossen hat, die M3-Daten unter Verschluss zu halten. Schätzungen zufolge ist die M3-Geldmenge dort auf Jahresbasis um 14 bis 16 Prozent angeschwollen. Die volkswirtschaftliche Quantitätstheorie besagt: Legt die Geldmenge bei unveränderter Umlaufgeschwindigkeit überproportional zum Wirtschaftswachstum zu, steigen zwangsläufig die Preise.

Dauerhafte Inflationsgefahren

Ob die Inflation auf absehbare Zeit nachhaltig zurückgeht, muss bezweifelt werden. Zum einen ist es wenig wahrscheinlich, dass der Druck auf die Energie-, Treibstoff- und Lebensmittelpreise nachlassen wird. Zum anderen stecken die Notenbanken in der Zwickmühle: Erhöhen sie die Zinsen, um die Preisstabilität zu sichern, drohen sie die Konjunktur abzuwürgen.

Gefahr der Geldentwertung

Kein Wunder, dass sich Anleger zunehmend um den Verfall ihres Geldes Sorgen machen. Eine fortgesetzte Inflation entwertet nicht nur Bargeld und Sparkonten, sondern kann auch bei klassischen Anleihen das reale Vermögen deutlich schmälern. Dazu ein Beispiel: Auf zehnjährige Bundesanleihen gibt es derzeit eine Rendite von 4,2 Prozent. Die Zinsen werden jährlich ausgezahlt, mit 25 Prozent versteuert und zu gleichen Konditionen wiederangelegt. Ein Käufer eines solchen Papiers hätte am Ende der Laufzeit bei einer Inflationsrate von vier Prozent sein Geld nicht vermehrt. Stattdessen hätten die investierten Mittel rund acht Prozent an Kaufkraft verloren.

Inflationsgeschützte Anleihen

Daher überrascht es nicht, dass inflationsindexierte Anleihen – auch Inflation Linked Bonds (ILB) oder „Linker“ genannt – bei Anlegern immer beliebter werden. Bei diesen Wertpapieren werden die Zahlungsströme (Zinszahlungen und Rückzahlung der Kapitalsumme) an die Entwicklung eines bestimmten Verbraucherpreisindex gekoppelt und jährlich entsprechend der Entwicklung der Teuerungsrate angepasst. Die Folge: Kupon und Rückzahlung sind vor Geldentwertung geschützt (siehe Kasten oben).

Break-even-Inflation

Der Preis für diese Sicherheit: Der reale (inflationsbereinigte) Zins liegt unter den Renditen von normalen Anleihen. Die Differenz ist die eingepreiste Inflationserwartung des Marktes, die so genannte Break-even- Inflation. Bleibt die jährliche Teuerungsrate lediglich auf dieser Marke oder fällt sie gar, schneiden herkömmliche Festzinsanleihen besser ab als inflationsgeschützte Papiere.

Besser diversifiziert per ETF

Wer sich mit den Einzelheiten des Anleihenhandels nicht auseinandersetzen, sein Kapital aber trotzdem mit einem Schutz vor Geldentwertung anlegen will, kauft Exchange Traded Fonds. Sie bieten den Vorteil, dass sie das Vermögen breiter streuen, indem sie einen kompletten Index von inflationsindexierten Anleihen abbilden – etwa einen Korb von europäischen ILBs. Kuponzahlung und die Inflationsprämien gehen dabei in die Indexberechnung mit ein, wodurch dessen Wert entsprechend steigt.

Vorteil Diversifikation

Vom Inflationsschutz abgesehen, gibt es auch andere strategische Gründe für einen ETF auf inflationsgeschützte Anleihen. Sie verbessern das Chance-Risiko-Profil eines Depots, da die Kurse von „Linkern“ kaum mit denen von klassischen Anleihen korrelieren. Sie eignen sich daher gut zur Risikostreuung des Portfolios.

Fazit: Die preiswerte Alternative

Wer daran glaubt, dass die Teuerungswelle anhält oder noch zunimmt, sollte mit ILBs Rendite und Kapital schützen. Einen diversifizierten und kostengünstigen Einstieg in diese Anlageklasse bieten ETFs.

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