Inflation-Swap-ETF schützt nicht bei Inflation

Verfolgt man die Finanz- und Wirtschaftspresse, ist kaum ein Tag zu finden, an dem nicht über die Risiken der zuletzt stark gestiegenen Haushaltsdefizite berichtet wird. Entgegen den Erwartungen vieler Investoren ist die laut Lehrbuch folgende Steigerung der Inflation bisher noch nicht eingetreten. db x-trackers ist nun mit dem Inflation-Swap-ETF einen neuen Indexfonds gestartet, bei dem Investoren auf einen unerwarteten Anstieg der Inflation setzen können.

Inflation-Swap-ETF: Made by Deutsche Bank

Mit dem db x-trackers Inflation 5y Swap ETF (ISIN: LU0426245436) unterstreicht db x-trackers abermals die Stärke im Bereich Derivate und die Innovationsfähigkeit bei der Entwicklung von neuen ETF-Anlagekonzepten. Was auf den ersten Blick als einfaches Produkt mit Koppelung an die Inflationsrate erscheint, ist auf den zweiten Blick aber doch etwas komplizierter. Es lohnt sich also ein Blick auf die Funktionsweise dieses ETFs, um mögliche Missverständnisse bereits im Vorfeld zu vermeiden.

Break-even-Inflation

Um zu verstehen wie der ETF funktioniert, muss man sich zunächst mit dem Thema Inflation beschäftigen. Zu Beginn muss der Investor die so genannte Break-even-Inflation berücksichtigen. Diese Inflation stellt die im Markt erwartete Inflation für einen bestimmten Zeitraum dar. Um sie zu berechnen, vergleicht man die Rendite einer klassischen Staatsanleihe mit der Rendite einer Staatsanleihe, die an die Inflation gekoppelt ist. Heute rentiert eine klassische deutsche Staatsanleihe mit fünf Jahren Laufzeit bei etwa 2,80 % pro Jahr, eine identische inflationsgeschützte Staatsanleihe bietet eine Rendite von 1,60 % pro Jahr. Die Renditedifferenz von 1,20 % ist die Break-even-Inflation, die der Markt heute für den 5-Jahres-Zeitraum pro Jahr erwartet.

Inflation-Swaps

Über so genannte Inflation-Swaps kann man heute am Derivate-Markt in genau diese Inflationserwartung investieren. Der Käufer des Inflation-Swaps tauscht dabei die aktuelle Break-even-Inflation gegen die nach einer bestimmten Zeit erzielte reale Inflation. Liegt die Markterwartung falsch, also lag die Break-even-Inflation tatsächlich unter der real erzielten Inflationsrate, erhält der Käufer des Inflation-Swaps eine positive Ausgleichszahlung. Liegt die realisierte Inflationsrate allerdings darunter muss der Käufer des Swaps die Differenz ausgleichen.

Das Indexkonzept

Der ETF bezieht sich nun auf den von der Deutschen Bank entwickelten DB Euro Inflation-Swap 5-Jahres TR Index. Dieser bildet einen monatlich rollierenden 5-Jahres Inflation-Swap auf die Inflationsrate der Eurozone ab. Diese Inflation wird anhand des vom Statistikamt Eurostat berechneten „Eurozone HICP – all items ex Tabacco Index“ dargestellt. Stand am Ende der Monatsfrist die realisierte Inflation über der zuvor erwarteten Inflation, generiert der Index Zusatzerträge, liegt sie darunter, entstehen Verluste. Die im Index enthaltenen Cash-Komponenten werden mit dem Geldmarktsatz EONIA verzinst. Im Zeitraum Mitte 2007 bis Mitte 2008 zog die Inflationsrate überraschend an, dabei konnte der Index Zusatzerträge generieren. Ende 2008 ,als die Energiepreise unerwartet stark zurückgingen, verlor der Index 10 %.

Fazit:

Mit dem db x-trackers Inflation-Swap TR Index ETF stellt die Deutsche Bank wie schon bei einigen anderen Indexfonds eindrucksvoll ihre Derivate-Expertise und Innovationsfreudigkeit bei der Entwicklung neuer ETF-Konzepte dar. Obwohl der Name den Anschein erweckt, gegen eine steigende Inflation zu schützen, ist das Produkt dafür aus unserer Sicht nicht geeignet. Diesen ETF sollte man nur dann kaufen, wenn die Markterwartung zur Inflation sehr weit von der eigenen Erwartungshaltung abweicht. Nur dann können Zusatzerträge generiert werden. In den letzten 5 Jahren hat der Index um 2 % pro Jahr zugelegt, das entsprach in etwa der im selben Zeitraum realisierten Inflation.

Interessieren könnte Sie auch unser Artikel Mit ETFs von steigender Inflation profitieren und in der ETF-Suche finden Sie darüber hinaus auch eine Liste mit Inflationsschutz-ETFs.

Weitere interessante Investment Möglichkeiten finden Sie in unserem ETF-Anlageleitfaden. Dieser erleichtert Ihnen den Einstieg in die Welt der Exchange Traded Funds (ETFs). Wir stellen Ihnen darin die Anlegemöglichkeiten einzelner Länder, Regionen, Sektoren oder Investmentthemen vor.

Bitte melden Sie sich für unseren kostenfreien ETF-Newsletter an.

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.