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Interview: Wenig erfahrene Anleger sollten bei Standard-Indizes bleiben.

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Sippel

Der Indexanbieter STOXX hat vor kurzem 1.200 neue Indizes auf den Markt gebracht. Konrad Sippel, Executive Director und verantwortlich für die Produktentwicklung, erklärt, wie die neue Indexfamilie aufgebaut ist, warum auch kompliziertere Strategie-Indizes in seinen Augen ihre Daseinberechtigung haben und weshalb eine hohe Marktabdeckung nicht nur Vorteile mit sich bringt. STOXX hat eine neue Indexfamilie eingeführt. Wie kommt es zu der stolzen Anzahl von 1.200 STOXX Global Indizes?

Die neuen Indizes beziehen sich auf 53 Regionen bzw. Länder. Für viele davon bieten wir zusätzlich Sektorenindizes z.B. zu den Bereichen Technologie oder Banken an. Der Grund für die hohe Index-Anzahl liegt aber vor allem darin, dass wir meist verschiedene Varianten der Indizes berechnen . z.B. mit oder ohne Dividenden, in Euro oder anderen Währungen. Außerdem bieten wir zu den einzelnen Märkten Indizes mit unterschiedlich hoher Marktabdeckung an. Die .Total Market Indizes. erreichen eine Marktabdeckung von 95 Prozent, die Broad-Indizes. streben 85 Prozent und die .Blue Chip.Indizes 65 Prozent an.

Ist bei einem Index nicht immer eine hohe Abdeckung erstrebenswert?

Die Indizes mit einer kleineren Anzahl von enthaltenen Titeln bringen Vorteile bei der Indexabbildung in Form von ETFs oder Zertifikaten. Je weniger Aktien enthalten sind, desto einfacher kann der Index nachgebildet werden. Wenn beispielsweise bei 9.000 Titeln, die der STOXX Global Total Market Index enthält, Gewichtungen nach der vierteljährlichen Anpassung geändert werden müssen, ist das aufwendig und kostenintensiv. Zudem korrelieren die einzelnen Indizes ohnehin sehr stark. Denn in den schmaler aufgestellten Indizes konzentrieren wir uns auf die Blue Chips. Und meist sind es diese Werte, die den Markt am besten repräsentieren.

Weshalb werden dann überhaupt die breiten Markt-Indizes berechnet?

Sie eignen sich weniger zur Abbildung mit ETFs oder Zertifikaten. Aber als Benchmarks sind sie beispielsweise von Assetmanagern gefragt. Diese wünschen sich, dass der Index den Markt möglichst genau widerspiegelt.

Haben Sie in die STOXX GlobalFamilie neben der Standardpalette auch Strategie-Indizes aufgenommen?

Auch solche Indizes sind in der neuen Indexfamilie zu finden. Zum einen verfolgen sie einfache, bekannte Strategien wie einen Shortoder Hebelansatz. Aber auch neue Konzepte wie sie die .Optimal Leverage.-Indizes umsetzen, sind dabei. Hier geht es darum, gehebelte Indizes auch für den langfristigen Einsatz im Portfolio tauglich zu machen. Je nach Marktphase wird der Index stärker oder schwächer gehebelt.

Sind es nicht solche Indizes, die aufgrund ihrer Komplexität als Basis für ETFs aktuell in der Kritik stehen?

Es ist natürlich wichtig, dass eine klare Struktur und klare Regeln für den Strategie-Index vorliegen. Diese richten sich an Anleger, die wissen, in welchen Marktphasen die Struktur welche Vorund Nachteile bringt und gezielt diese Vorgehensweise in ihrem Portfolio umsetzen möchten, aber selbst nicht implementieren können. Für sie sind ETFs auf Strategie-Indizes eine kostengünstige Möglichkeit. Wenig erfahrene Anleger, die sich mit der zugrunde liegenden Struktur nicht beschäftigt haben, sollten bei Standard-Indizes bleiben.

Gibt es schon ETFs, die einen Ihrer neuen Indizes abbilden?

Bislang noch nicht. Wir stehen aber bereits in Gesprächen mit verschiedenen Anbietern und ich gehe davon aus, dass die ersten Produkte hierzu nicht mehr lange auf sich warten lassen werden.

Dabei sind auf dem Markt schon für fast alle Länder, Regionen und Sektoren Indizes und ETFs vorhanden…

Unser Vorteil ist jedoch, dass wir nicht an historisch gewachsene Strukturen gebunden sind. Positiv wird am Markt vor allem aufgefasst, dass die Global Indizes für alle Märkte, egal ob Hongkong oder Lateinamerika, gleich konstruiert sind.

Dieser Artikel wurde der Analysis Kompakt Nr. 07/2011 von Scope entnommen.

 

 

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