Gespannt blicken Anleger am Sonntag Richtung Rom. Grund: In der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone wird gewählt.
Etwa zwei Kilometer entfernt vom Koloseum ziehen bald die neuen italienischen Abgeordneten ein.

Gespannt blicken Anleger am Sonntag Richtung Rom. Grund: In der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone wird gewählt. So sonnig die Aussichten für Touristen sind, so eingetrübt sehen Kritiker die wirtschaftliche Lage Italiens. „Die Kreditfähigkeit des Landes erodiert seit 2010 kontinuierlich“, sagt Marc Friedrich, Ökonom und Bestseller-Autor. Matthias Kullas vom Centrum für Europäische Politik bläst ins gleiche Rohr: „Italien ist das größte Sorgenkind der Euro-Zone. Es besteht die Gefahr, dass das Land zum zweiten Griechenland wird.“ Aufgrund der wirtschaftlichen Größe und des politischen Gewichts scheint Italien jedoch „too big to fail“ – also zu groß, um zu fallen ­– zu sein. Die politische Landschaft ist seit Jahren zerklüftet. Eine Fünf-Prozent-Hürde, wie in Deutschland, gibt es nicht. Beobachter rechnen diesmal mit Rückenwind für EU- und Eurokritischen Parteien. Silvio Berlusconis Forza Italia verspricht Steuererleichterungen für alle. Die linksgerichtete Fünf-Sterne-Bewegung prüft die Abschaffung von 400 Gesetzen, darunter auch das zur Ausgabenkontrolle des Staates.

Mögliche Regierungskonstellationen

Italien-Interessierte finden unter dem Titel „Wahl in Italien: ein Spiel der Koalitionen“ einen umfangreichen Überblick über die politische Ausgangslage der italienischen Parteien und ihre Aussichten für die Parlamentswahl am 4. März. Die Parteienlandschaft lässt sich grundsätzlich in drei große Blöcke aufteilen:

1. Mitte-Rechts: Bestehend aus Forza Italia (FI), Lega Nord und Fratelli d´Italia (Brüder Italiens). Der Forza Italia gehört der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi an.

2. Mitte-Links: Säulen sind die Partito Democratico oder PD (Demokratische Partei). Die bekannteste Persönlichkeit von PD ist der ehemalige Ministerpräsident Mateo Renzi.

3. Partei gegen das Establishment: Zu nennen ist hier in erster Linie die Fünf-Sterne-Bewegung, die jedoch eine Koalition mit einer etablierten Partei ablehnt. Die Partei ist die derzeit größte.

Das Wahlsystem in Italien

Politisch Interessierte hierzulande fragen sich: Wie funktioniert Italiens neues Wahlsystem? Wie in Deutschland haben auch die Italiener zwei Stimmen. Eine gilt der Abgeordnetenkammer, die andere dem Senat. In jedem Fall werden Stimmen entweder für einen Einzelkandidaten oder eine Partei abgegeben – die Entscheidung liegt bei jedem einzelnen Wähler. In beiden Wahlen müssen die Wähler nicht in gleicher Weise stimmen.

Interessant für Deutschitaliener: Eine begrenzte Zahl an Sitzen sind für Volksvertreter bestimmt, die von italienischen Staatsbürgern gewählt werden, die im Ausland leben.

Wirtschaftliche Daten zu Italien

Trotz diverser Probleme, etwa im Staatshaushalt oder der relativ hohen Jugendarbeitslosigkeit mit 32,7 Prozent, zählt Italien nach wie vor zu den wichtigsten Volkswirtschaften Europas und sogar weltweit.

Lesetipp: Erfahren Sie alle wesentlichen Daten zur italienischen Wirtschaft. Übrigens: Auch Deutschland ist dabei.

Mit ETFs in Italien investieren

Nach der Bildung einer stabilen Regierung kann für Italien-Freunde eine Geldanlage wieder interessant werden. Hier bietet sich ein breit gestreuter ETF an. Eine Möglichkeit ist etwa der iShares FTSE MIB UCITS ETF EUR (Acc) (WKN: A0YEDP). Der ETF bildet die 40 größten italienischen Unternehmen ab. Das physisch replizierende Produkt ist thesaurierend. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,33 Prozent.

iShares FTSE MIB UCITS ETF EUR (Acc)

WKN: A0YEDP ISIN: IE00B53L4X51
Kurs

70,96 €

Kosten (TER) 0,33 %
Fondsvolumen 88,62 Mio. €
Indexabbildung physisch
1 Monat -10,58 %
Lfd. Jahr -10,44 %
Mehr ETFs finden: ETF-Suche

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.