ETF-Erfinder John Bogle ist tot.
ETF-Erfinder John Bogle ist tot.

Vanguard gab den Tod von ETF-Erfinder John Bogle, Gründer der Vanguard Group bekannt. Bogle verstarb in Bryn Mawr, Pennsylvania. Er wurde 89 Jahre alt.

John Bogle hatte einen legendären Status in der amerikanischen Investmentgemeinschaft, hauptsächlich wegen zweier herausragender Leistungen: Er führte den ersten Index-Investmentfonds für Anleger ein und stand hinter dem Konzept, bis es breite Akzeptanz in der Gesellschaft fand. Sein Indexkonzept führte zu einer Senkung der Kosten in der Investmentfondsbranche. Vanguard, das Unternehmen, das er gegründet hat, um seine Philosophie zu verkörpern, ist heute eine der größten Investment-Management-Firmen der Welt.

„Jack Bogle hat sich nicht nur auf die gesamte Investmentbranche ausgewirkt, sondern vor allem auch auf das Leben unzähliger Personen, die für ihre Zukunft oder die Zukunft ihrer Kinder sparen“, sagte Tim Buckley, Geschäftsführer von Vanguard. „Er war ein enorm intelligenter, motivierter und talentierter Visionär, dessen Ideen die Art und Weise, wie wir investieren, völlig verändert haben. Es ist uns eine Ehre, sein Erbe fortsetzen zu dürfen.“

Bogle begann seine Karriere 1951, nachdem er mit Magna cum Laude Wirtschaftswissenschaften an der Princeton University abgeschlossen hatte bei Wellington Fund, dem ältesten Fonds der USA. Dieser wurde 1929 gegründet. Bogle arbeitete in verschiedenen Abteilungen, bevor er 1955 Assistent des Präsidenten wurde, die erste einer Reihe von Führungspositionen, die er bei Wellington bekleiden würde: 1962 Verwaltungsvizepräsident; 1965 stellvertretender Vizepräsident und 1967 Präsident. Er wurde die treibende Kraft hinter Wellingtons Wachstum.

Nach einem Streit gründete er die Vanguard Group of Investment Companies. Diese nahm am 1. Mai 1975 ihre Geschäftstätigkeit auf. Um sein neues Projekt zu beschreiben, prägte Bogle den Begriff „The Vanguard Experiment“. Es war ein Experiment, bei dem die Investmentfonds mit ihren eigenen Direktoren, Führungskräften und Mitarbeitern zu Selbstkosten und unabhängig operierten – eine radikale Veränderung gegenüber den traditionellen Strukturen eines Fonds. „Unsere damalige Herausforderung“, erinnert sich Bogle ein Jahrzehnt später, „war es, aus der Asche eines großen Unternehmenskonflikts eine neue und bessere Möglichkeit zu schaffen, einen Investmentfonds-Komplex zu betreiben. Das Vanguard-Experiment sollte zeigen, dass Investmentfonds unabhängig arbeiten können, und zwar auf eine Weise, die ihren Aktionären direkt zugutekommt. “

Der Indexfonds-Pionier

1976 stellte Vanguard den ersten Index-Investmentfonds – First Index Investment Trust – für Einzelanleger vor. Der Fonds wurde von anderen Unternehmen der Branche als „unamerikanisch“ und „sicherer Weg zur Mittelmäßigkeit“ beschimpft und sammelte anfänglich nur elf Millionen US-Dollar ein. Der heute als Vanguard 500 Index Fund bekannte Fonds hat sich mittlerweile mit einem Vermögen von über 441 Milliarden US-Dollar zu einem der größten der Branche entwickelt. Indexfonds machen heute mehr als 70 Prozent des verwalteten Vermögens von Vanguard in Höhe von 4,9 Billionen US-Dollar aus. Sie werden auch von vielen anderen Fondsgesellschaften angeboten und bilden die meisten ETFs. Für seine Pionierarbeit für das Indexkonzept für Einzelanleger wurde Bogle oft als „Vater der Indexierung“ bezeichnet.

» Lesen Sie dazu passend unser Portrait über das Leben des John Bogle «

 

Bogle sprach häufig vor Fachleuten und der Öffentlichkeit. Er antwortete auch persönlich auf viele der Briefe, die Vanguard-Aktionäre an ihn geschrieben hatten. Auch schrieb er viele Berichte an Vanguard-Mitarbeiter, die er im Hinblick auf das nautische Thema von Vanguard als „Crew-Mitglieder“ bezeichnete. Bogle benannte das Unternehmen nach Admiral Horatio Nelsons Flaggschiff in der Schlacht am Nil im Jahre 1798; er meinte, der Name „Vanguard“ spreche für die Themen Führung und Fortschritt.

Im Januar 1996 übergab Bogle die Leitung von Vanguard an seinen handverlesenen Nachfolger John J. Brennan, der 1982 als Assistent von Bogle in das Unternehmen eintrat. Im Dezember 1999 trat er aus dem Vanguard-Aufsichtsrat zurück und gründete das Bogle Financial Markets Resource Center, ein von Vanguard unterstütztes Unternehmen. Bogle arbeitete als Präsident des Zentrums und analysierte bis zu seinem Tod Probleme, die die Finanzmärkte, Investmentfonds und Investoren betrafen. Bogle schrieb zwölf Bücher und verkaufte davon weltweit über 1,1 Millionen Exemplare.

Hier noch ein Video des britischen Journalisten Robin ( Zum Testbericht) Powell, der das Vermächtnis von John Bogle gut und treffend zusammenfasst.

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