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Keine Angst vor Schwankungen am Aktienmarkt

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Schwankungen am Aktienmarkt

Das Gespenst der Volatilität geht um: Schwankungen am Aktienmarkt und Nachrichten über starke Kursausschläge sorgen für Verunsicherung. In Zeiten, in denen traditionelle sichere Anlageformen wie Versicherungen kaum noch Zinsen erbringen, fragen sich viele Anleger, ob ein Aktieninvestment nicht zu risikoreich ist – Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Es stimmt: Die Aktienmärkte schwanken, denn das liegt in ihrer Natur. Eine Faustregel besagt, dass es in „Bullenmärkten“ relativ stetig bergauf und in einem „Bärenmarkt“ unter starken Kursausschlägen nach unten geht. Bei fallenden Kursen sind die Marktteilnehmer verunsichert und reagieren stärker auf kleine Signale als in Zeiten, in denen die Zuversicht überwiegt. Die Volatilität ist ein Maß für diese Kursschwankungen. Sie wird als Standardabweichung der Kursschwankungen über einen bestimmten Zeitraum berechnet – bei Aktien sind dies üblicherweise 365 Tage. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass die Faustregel oft zutrifft. So weist der DAX über die vergangenen fünf Jahre eine jährliche Volatilität von 19,34 Prozent auf (Stand: 02.12.2016). Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008 erreichte die Jahres-Volatilität des DAX einen Wert von 38,14 Prozent, während der Verlustphase im Jahr 2011 kletterte sie noch einmal auf 28,87 Prozent.

Schwankungen am Aktienmarkt: Eine Frage der Strategie

Die Volatilität hat also als Risikomaß durchaus ihren Sinn. Die entscheidende Frage lautet aber: Wie gehen langfristig orientierte Anleger damit um? Denn eines ist sicher: Wer sein Geld aus Angst vor dem Aktienmarkt in Termingeld parkt, kommt bei Vermögensaufbau und Vorsorge nicht vom Fleck. Gehen wir systematisch an das Problem heran. Dazu teilen wir es in zwei Teilfragen. Erstens: Welche Rolle spielt die Volatilität überhaupt für langfristig orientierte Anleger? Und zweitens: Welche Folgen ergeben sich daraus für die Anlagestrategie?

Langfristig spielt die Volatilität eine geringe Rolle

Die Antwort auf die erste Frage steckt bereits in der oben genannten Definition: Die Volatilität beschreibt Kursschwankungen um einen Mittelwert, und auf den kommt es an. Denn die Erfahrung zeigt, dass die Aktienmärkte über längere Zeiträume in Summe fast immer gestiegen sind. Das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zeigt z. B.: Über Anlagezeiträume von mehr als 15 Jahren hat der DAX bislang stets Gewinne erbracht, und das weit überwiegend bei annualisierten Renditen im hohen einstelligen bis zweistelligen Bereich. Daher sollten Anleger sich von kurzfristigen Kursausschlägen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Doch wenn hohe Volatilität ein Indikator für fallende Märkte ist, sollte es dann nicht darum gehen, diese zu vermeiden? Leider ist es fast unmöglich, fallende und steigenden Märkte zu erkennen. Selbst professionellen Vermögensverwaltern gelingt dies so gut wie nie: Nur 2,2 Prozent von ihnen schaffen es, langfristig besser zu sein als der Markt. Für Privatanleger ist daher die sinnvollste Strategie, sich auf langfristige Zugewinne zu konzentrieren.

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Den optimalen Investitionszeitpunkt gibt es (in der Realität) nicht

Kurzfristige Kursschwankungen und mittelfristige Marktzyklen lassen sich dennoch nicht vermeiden. Viele Anleger fragen sich daher, ob sie beim Investment die Marktlage abwarten sollten. Besonders bei guter Börsenlage warten viele auf den nächsten Einbruch – doch diese Strategie kann in einem Teufelskreis enden, und das Geld wird am Ende gar nicht investiert. Die Wahrheit ist: Der Investitionszeitpunkt hat zwar einen großen Einfluss auf den Anlageerfolg, doch leider ist es kaum möglich, ihn zu erwischen. Ein rationaler Anleger investiert den gewünschten Betrag daher immer sofort. Die Volatilität ist ein Zufallsprozess, der weder in der Theorie noch in der Praxis prognostizierbar ist. Auch wer plant, regelmäßig etwas zurückzulegen, sollte daher versuchen, sich nicht beeinflussen zu lassen. In diesem Fall ist ein Sparplan der richtige Weg. Dabei wird in gleichen Abständen ein konstanter Betrag investiert – unabhängig von der aktuellen Marktlage.

Diversifizieren und Optimieren

Für Anleger, die sich von diesen Grundsätzen leiten lassen, spielen andere Faktoren eine weitaus größere Rolle als die kurzfristige Volatilität. Die beiden wichtigsten lauten: Diversifikation und Produktqualität. So können Anleger mit einzelnen Aktien durchaus auch langfristig danebenliegen und dauerhaft Verlust einfahren. Die Gründe dafür sind so komplex, dass auch professionelle Fondsmanager sie nicht mit Sicherheit voraussagen können. Daher zählt eine möglichst intelligente Streuung des Kapitals. Dafür bieten sich börsennotierte Indexfonds (ETFs) an, die einen breiten Marktindex nachbilden. Ein gut diversifiziertes Portfolio kombiniert ETFs auf eine Reihe von Märkten, um auch die unterschiedliche Entwicklung verschiedener Regionen und Sektoren auszugleichen. Da die Märkte sich selten im Gleichschritt entwickeln, lassen sich so auch Schwankungen verringern. Viele ETFs sind zudem über Sparpläne schon mit geringen monatlichen Zahlungen verfügbar.

Doch der Teufel steckt im Detail. Denn durch den Zinseszinseffekt können über längere Zeiträume auch kleine Unterschiede zum Beispiel in der Kostenstruktur eines ETFs – wie etwa die Managementgebühr, ein Ausgabeaufschlag oder die steuerliche Behandlung – erhebliche Auswirkungen auf die Renditeentwicklung im Portfolio haben. Legt ein Sparer etwa monatlich 200 Euro mit einer Wertentwicklung von jährlich 5 Prozent an, bleiben ihm bei einem Orderentgeld von 2,50 Prozent nach 20 Jahren rund 80.536 Euro. Entfällt bei einem kostenlosen Sparplan das Orderentgeld, kann sich der Anleger über 82.549 Euro freuen. Diese Faktoren werden leicht übersehen – für Anleger, die langfristig investieren, können sie jedoch eine größere Rolle spielen als die kurz- oder mittelfristige Entwicklung der Märkte.

Persönliche Schwankungstoleranz berücksichtigen

Trotzdem sollten Anleger genau darüber nachdenken, inwieweit sie bereit sind, gewisse kurzfristige Schwankungen auszuhalten. Hier hilft nur Ehrlichkeit mit sich selbst: Wie hoch ist die persönliche Toleranz gegenüber Kursausschlägen? Je stärker die Schwankungen, die ein Anleger zu tragen bereit ist, je langfristiger der Anlagehorizont und je geringer der Anteil, der als Liquiditätsreserve verfügbar bleiben muss, desto höher kann der Anteil von Aktien beim Vermögensaufbau sein. Allerdings ist es in den weitaus meisten Fällen sinnvoll, zumindest einen kleinen Teil des Vermögens in schwankungsarmen Anlagen wie Anleihen verfügbar zu halten.

Für alle Anleger gilt jedoch: Aktien sind ein entscheidender Faktor beim Vermögensaufbau. Es wäre ein Fehler, aus Angst vor der Volatilität darauf zu verzichten.

Weitere Informationen zum Robo-Advisor growney erhalten Sie auf unserer Themenseite des Anbieters. Interessieren könnte Sie auch der Artikel 5 Qualitätskriterien für gute Robo-Advisors.

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Über den Autor: Gerald Klein // growney Gründer & CEOGerald Klein - growney CEO

Der Diplom-Volkswirt Gerald Klein blickt auf 25 Jahre Bankenerfahrung im Kapitalmarktgeschäft zurück. Vor der Gründung von growney hat er 9 Jahre lang den Wertpapierhandel und das Asset Management Research der Berliner Landesbank verantwortet. Er war dabei als Chef eines 85-köpfigen Expertenteams federführend bei der Entwicklung neuer Finanzprodukte. Sein Ziel: Die Welt des Anlegens endlich verständlicher, günstiger und renditestärker zu machen.