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Konjunktur: Wie vor 10 Jahren?

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  • Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschland 2013 mit der von vor zehn Jahren. 
  • Vieles war ähnlich. Damals führte aber die Reformbereitschaft in Wirtschaft und Politik zu einem Wachstumsschub in den folgenden Jahren. 
  • Diesmal ist damit nicht zu rechnen. Deutschland könnte allenfalls von den Reformen in Südeuropa profitieren.
 
Dr.Martin W. Hüfner 

Schauen Sie sich einmal die Grafik an. Die Parallelen zwischen der Entwicklung des Wirtschaftswachstums in Deutschland heute und vor zehn Jahren sind verblüffend. Damals wie heute kamen wir von goldenen Zeiten mit Expansionsraten von über 4 %. Dann hat sich die Dynamik spürbar verlangsamt. 2003 ging die reale Wirtschaftsleistung sogar leicht zurück (0,4 %). In diesem Jahr wird sie nur geringfügig steigen.

 

Interessanter als der Blick zurück ist freilich die Perspektive nach vorne. 2003 war das letzte einer Reihe von Jahren, in denen sich die deutsche Wachstumsrate verlangsamte. Danach zog die Konjunktur kräftig an. 2006 erreichte die Expansion fast wieder 4 %. Wenn damals nicht die große Finanzkrise in den USA gekommen wäre, wäre es vermutlich noch eine Zeit lang mit überdurchschnittlichen Raten weitergegangen. Könnte es sein, dass so ein Aufschwung wieder bevorsteht? Um die Antwort vorweg zu nehmen: Nein, danach sieht es nicht aus.

Der wichtigste Grund dafür ist, dass damals die Rahmenbedingungen der wirtschaftlichen Entwicklung ganz andere waren: Damals galt Deutschland als der „kranke Mann Europas“ (so ein Titel der britischen Zeitschrift Economist). Das wirkte auf die Deutschen wie ein Stachel in der Haut, der herausgezogen werden musste. Heute schreibt dieselbe Zeitschrift vom „Hegemon Europas“. Da muss man nichts ändern.

Damals forderte der deutsche Bundespräsident, dass ein „Ruck durch das Land“ gehen müsse. Heute sind die Menschen mehr oder weniger zufrieden mit der wirtschaftlichen Lage. Der ifo Geschäftsklimaindex hat im Juli zum dritten Mal hintereinander zugenommen.

Damals gab es über fünf Millionen Arbeitslose, die Arbeitslosenquote lag über 10 %. Da musste etwas getan werden. Heute freuen wir uns, dass der Arbeitsmarkt so viel besser ist als in anderen Ländern.

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Vor zehn Jahren waren die Aktienkurse in Deutschland drei Jahre hintereinander kräftig zurückgegangen. Das saß den Anlegern tief im Nacken. Im März hatte dann ein Aufschwung begonnen, dem nur wenige richtig trauten. Heute haben wir vier Jahre mit einer Aktienhausse hinter uns. Viele Experten sind der Meinung, dass das so weitergehen könnte.

All das führte damals zu einer „kreativen Unzufriedenheit“. Die Lage war so schlecht, dass etwas geändert werden musste. Das geschah dann auch. Die Unternehmen gingen in Deutschland mit Elan daran, die Strukturen der Firmen zu modernisieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Die Ausrüstungsinvestitionen erhöhten sich preisbereinigt zeitweise mit zweistelligen Raten.

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