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Konjunkturprogramme – was ist inzwischen passiert?

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Markus Aigner

Markus Aigner untersuchte im Rahmen einer Diplomarbeit bei Prof. Dr. Hans-Werner Sinn die Ökonomik von fiskalischen Rettungsprogrammen. Im EXtra-Magazin fasst er das Ergebnis zusammen.

Nur durch eine zügige Reaktion der G7-Länder auf eine gemeinsame Rettungsstrategie konnte ein Zusammenbruch der Weltwirtschaft verhindert werden.

Ausgehend von der Subprime-Krise auf dem US-amerikanischen Hypothekenmarkt hat sich eine internationale Finanzmarktkrise entwickelt, die im Frühjahr 2009 schließlich die Realwirtschaft erreicht hat und von der kaum eine Volkswirtschaft der Welt verschont geblieben ist. Das Weltfinanzsystem hat sich im Oktober 2008 am Rande einer Kernschmelze befunden. Nur durch eine zügige Einigung der G7-Länder auf gemeinsame Leitlinien für eine Rettungsstrategie ist diese abgewendet worden, indem ein Bank-Run verhindert wurde.

Unterschiedliche Ansätze

Die moderne Wirtschaftspolitik hat dabei grundsätzlich zwei Möglichkeiten, entscheidend in die marktwirtschaftlichen Vorgänge einzugreifen. Dies ist zum einen die Geldpolitik, die innerhalb der Europäischen Währungsunion zentral von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesteuert wird. Zum anderen haben die europäischen Länder die Möglichkeit, dezentral mittels fiskalpolitischer Maßnahmen Schocks auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage abzufedern.

Möglichkeiten der Geldpolitik

Die Geldpolitik wird häufig als erstes Instrument eingesetzt, wenn es darum geht, ein Konjunkturtal zu überwinden. Grund dafür ist die schnelle, einfache und kostengünstige Einsetzbarkeit über die Offenmarktgeschäfte. Mittels expansiver Geldpolitik werden die Zinsen gesenkt; das Ziel dabei ist, die Investitionen anzuheizen. Doch die Geldpolitik hat auch ihre Grenzen. Die amerikanische Zentralbank hat beispielsweise als unmittelbare Reaktion auf die aktuelle Wirtschaftskrise den Bestand an Zentralbankgeld im privaten Sektor zwischen Juni 2008 und Mai 2009 um 936 Milliarden Dollar erhöht, was einem Anstieg um 108 Prozent entspricht. Auch die Leitzinsen in den USA wurden auf nahezu null gesenkt. In Europa erhöhte die EZB den Zentralgeldbestand von April 2008 bis Juli 2009 immerhin um 42 Prozent und senkte den Leitzins auf ein Prozent. Die gewaltigen Summen, die aufgrund dieser Politik in Europa und in den USA seit Beginn der Krise bereits in die Wirtschaft gepumpt wurden, ziehen nicht unerhebliche Inflationsrisiken nach sich. Hinzu kommt, dass die Möglichkeiten für weitere Zinssenkungen großenteils ausgereizt sind, da sie sich weltweit bereits nahe null befinden. Zudem ist zu beachten, dass die EZB weitgehend nur den kurzfristigen Zinssatz beeinflussen kann. Die privaten Haushalte finanzieren ihre Ausgaben aber über langfristige Konsumkredite, daher spielen diese Zinssätze nur eine untergeordnete Rolle.

Geldpolitik als Wunderwaffe

Noch bis unmittelbar vor der Krise wurde von den meisten Experten die Geldpolitik als das alleinige ernsthafte Instrument zur Stabilisierung der Wirtschaft betrachtet. Aufgrund der beschriebenen Mechanismen hat sich diese Sichtweise jedoch komplett verändert und die klassische keynesianische expansive Fiskalpolitik steht aktuell im Mittelpunkt der Debatten.

Konjunkturprogramme

Im Allgemeinen versucht der Staat bei einer expansiven Fiskalpolitik den Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage dadurch zu bekämpfen, dass er selbst Güter in der Privatwirtschaft kauft, staatliche Transfers wie beispielsweise Renten, BAföG- und Hartz-IV-Bezüge erhöht oder die Steuern senkt. Damit soll die Auftragslage der Unternehmen und somit die Beschäftigung so lange gesichert werden, bis das Konjunkturtal durchschritten ist. Für fiskalpolitische Maßnahmen in Europa ist größtenteils nicht eine übergeordnete Institution verantwortlich, sondern die Mitgliedsländer der Europäischen Union entscheiden dezentral und selbstständig. Als unmittelbare Reaktion auf die Krise haben die größten Industrienationen der Welt bereits große Konjunkturpakete geschnürt, um dem negativen Nachfrageschock auf die Realwirtschaft entgegenzuwirken. Diese Konjunkturpakete sind nichts anderes als die von John Maynard Keynes bereits 1936 in „The General Theory of Employment, Interest and Money“ zur Überwindung von Konjunkturflauten empfohlenen Maßnahmen.

Möglichkeiten der Fiskalpolitik

Grundsätzlich stehen den Regierungen zwei Möglichkeiten der Fiskalpolitik zur Verfügung. Dies ist zum einen die klassische, budgetwirksame Fiskalpolitik, also eine Erhöhung der Staatsausgaben oder eine Steuersenkung (direkte Fiskalpolitik). Zum anderen haben die Regierungen die Möglichkeit, über Kredit- und Bürgschaftsprogramme die Unternehmen bei entstandenen Finanzierungsproblemen zu unterstützen (indirekte Fiskalpolitik). Weltweit belaufen sich die Programme in den drei Jahren von 2008 bis 2010 auf 1,13 Billionen Euro, was in etwa 2,6 Prozent des BIP der gesamten Welt ausmacht. Die größten Anteile dabei liefern die USA mit 529 Milliarden Euro und China mit 162 Milliarden Euro. Die deutsche Bundesregierung versucht mit Hilfe der beiden Konjunkturpakete I und II die Wirtschaft zu stützen und durch das Konjunkturtal zu begleiten. Die beiden Maßnahmenpakete haben insgesamt einen Umfang von knapp 100 Milliarden Euro. Wichtige Punkte dabei sind die Förderung von energieeffizientem Bauen und Sanieren im Rahmen des Gebäudesanierungsprogramms der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von drei Milliarden Euro. Des Weiteren ist von zentraler Bedeutung die beschleunigte Umsetzung von bereits geplanten Verkehrsprojekten im Rahmen des „Innovations- und Investitionsprogramms Verkehr“, der Ausbau und die Sanierung von Schulen, Kitas und Hochschulen, die Sanierung von Krankenhäusern und der Ausbau der Informationstechnologie. Insgesamt belaufen sich diese Punkte für die Jahre 2009 und 2010 auf 14 Milliarden Euro. Zudem wird das Infrastrukturprogramm der KfW für Kommunen um drei Milliarden Euro aufgestockt. Diese Maßnahmen sollen die Auftragslage in der Bauwirtschaft und in den Zulieferbetrieben unterstützen.

Effektive Infrastrukturprojekte

InfrastrukturVerschiedenste Studien zeigen, dass eines der effektivsten fiskalpolitischen Mittel mit den größten Multiplikatoren, sowohl aus theoretischer als auch aus empirischer Sicht, erhöhte Ausgaben für Infrastrukturprojekte sind. Solche Maßnahmen haben jedoch auch die längsten Realisierungszeiten. Die OECD rechnet beispielsweise für Deutschland bei der Durchführung von Verkehrsprojekten im ersten Jahr (2009) mit einem Multiplikator von 0,8, im zweiten Jahr (2010) mit einem Multiplikator zwischen 1,0 und 1,2. Die Bauindustrie wird somit erst in diesem Jahr in vollem Umfang von den Konjunkturpaketen profitieren.

 

Fazit:

Infrastrukturunternehmen zählen zu den großen Profiteuren der weltweiten Konjunkturpakete und dürfen insbesondere in 2010 auf steigende Auftragszahlen hoffen. Davon können Anleger durch eine Investition in Infrastruktur- ETFs profitieren.

Hier haben wir eine Liste der verfügbaren Infrastruktur-ETFs zusammengestellt:

ETF-NameVVGHWhrgISIN
Macquarie Global Infrastructure 1000,65 %USD DE000A0LGQM3
S&P Emerging Markets Infrastructure0,74 %USD DE000A0RFFS2
NMX30 Infrastructure Global0,50 %USD LU0315440411
NMX30 Infrastructure Europe0,50 %EUR LU0315455286
S&P Global Infrastructure0,60 %USD LU0322253229
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