Start ETF-News Krim-Krise und der Einfluss auf den Aktienmarkt

Krim-Krise und der Einfluss auf den Aktienmarkt

105
Ukraine Russland-Artikel

Die Lage auf der Krim verschärft sich, die Aktienkurse gehen weltweit herunter. Wie sollten Anleger darauf reagieren?

Die Lage auf der Halbinsel Krim verschärft sich. Mittlerweile ist ein Großteil der Halbinsel Krim von russischen Soldaten besetzt. An der russischen Grenze zur Ukraine beobachteten Grenzschützer eine große Anzahl gepanzerter Fahrzeuge. In Teilen der Ostukraine machen zudem prorussische Demonstranten mobil. In Donezk, der Heimatstadt des abgewählten vorherigen Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch, besetzten sie Teile eines Gebäudes der Regionalverwaltung. Hunderte Demonstranten schwenkten russische Fahnen und skandierten „Putin komm“. Seit Tagen hängt dort bereits die russische Fahne. in anderen Teilen der Ostukraine, in der die russische Bevölkerung die Mehrheit bildet, kam es zu zahlreichen pro-russischen Demonstrationen. Das russische Parlament hat bereits einstimmig einem russischen Armeeeinsatz auf ukrainischem Boden zugestimmt. Für Außenminister Sergej Lawrow geht es dabei um die „Frage der Verteidigung unserer Bürger und Landsleute und der Sicherung ihrer Menschenrechte, insbesondere des Rechts auf Leben“.

Konflikt lässt zwischenzeitlich Aktienmärkte erzittern

Ganz anders bewertet dies die internationale Staatengemeinschaft. So setzten die G-7-Staaten als Konsequenz der Krimbesetzung die Vorbereitung des G-8-Treffens in Sotchi vorübergehend aus. Manches Land fordert bereits die Ausschließung Russlands aus der G-8-Gruppe. In einem Telefonat von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama waren sich beide dabei einig, dass es sich bei der Militäraktion um eine „unakzeptable russische Intervention auf der Krim“ und somit um einen „Verstoß gegen das Völkerrecht„, handele.“ Die NATO befürwortet die Entsendung internationaler Beobachter in die Ukraine.

Aktienmärkte gehen auf Tauchstation

Die Zuspitzung der Lage hat auch ihre Folgen auf die Aktienmärkte. Allein vergangene Woche büßten russische Aktien um 13,59 Prozent ein. Auch der russische Rubel verlor deutlich an Wert. So sah sich die russische Zentralbank gezwungen, den Leitzins von 5,5 Prozent auf 7,0 Prozent zu erhöhen. Russische Anleihen notieren zudem mit deutlichen Aufschlägen. Der Imagegewinn durch die Olympischen Winterspiele, von denen sich manche Analysten Kursgewinne im russischen Markt erhoffen, dürfte damit verspielt sein. Mögliche Boykotts, die von westlichen Politikern bereits gefordert, könnten aber auch eine Auswirkung auf den Weltmarkt haben. So verlor auch der DAX am Montag 3,4 Prozent, ebenso an anderen Weltmärkten ging es kräftig abwärts. Hinzu kommen auch keine einheitlichen Konjunkturdaten aus den USA. Bereits Ende 2013 verkaufte Börsenguru Warrant Buffett einen Großteil seiner US-Konsumgüteraktien. Und George Soros wettet bereits auf einen Börsencrash.

Auf Depotabsicherung achten

Auf jeden Fall sollten Anleger in einer volatileren Zeit ihre Depotabsicherung nicht ganz vernachlässigen. Mit Short-ETFs auf Russland zu setzen, ist bisher noch nicht möglich. Im MSCI-Emerging Markets, auf dem man auch auf fallende Märkte setzen kann (WKN: DBX0G4) ist Russland lediglich mit 5,94 Prozent enthalten.

Anleger, die auf eine weitere Krisen-Zuspitzung setzen, können auch auf steigende Rohöl-Preise setzen und Rohstoff-ETCs zum Beispiel auf Brent-Rohlöl setzen (z.B. WKN: A1N49P) Denn Boykotts würden das Angebot erheblich einschränken. Bereits zu Wochenbeginn gingen die Preise für Rohöl der Sorte Brent um rund zwei Prozent nach oben.

Allzu wahrscheinlich ist die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Rohölboykotts jedoch nicht, da viele europäische Länder Europas, darunter auch Deutschland von russischen Rohöl- und Gaslieferungen abhängig sind. Und es liegt auch im russischen Interesse, dass solche Lieferungen nach Westeuropa nicht zum Erliegen kommen, da die Rohstoffeinnahmen einen Großteil des russischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften.

Vieles schon eingepreist – russische Aktien sind günstig bewertet

Der MSCI Russia ist auf Jahresfrist bereits um rund 17 Prozent gefallen. Damit preiste der Markt bereits schon negative Erwartungen bezüglich der Konjunktur ein. Der Grund. Angesichts eines geringen Binnennachfrage und einer Umstrukturierung der Wirtschaft sagen manche Analysten nur ein Wachstumsplus in Höhe von 1 bis 1,5 Prozent voraus. Weit optimistischer war dagegen der Internationale Währungsfonds zu Beginn des Jahres, der Russland ein Plus von 3,0 Prozent voraussagte. Zahlreiche Infrastruktur-Großprojekte könnten für wieder steigende Kurse in bestimmten Sektoren sorgen. Für ein langfristiges Investment sprechen vor allem die niedrigen Bewertungen, die ein durchschnittliches KGV von unter fünf aufweisen. Als Anleger sollte man also die Entwicklung genau beobachten, um nicht in ein fallendes Messer zu greifen. Kommt es zu einer Bodenbildung, kann man dann aber durchaus wieder in russische Aktien zu Schnäppchenpreisen investieren. Möglich ist dies beispielsweise über den Lyxor ETF auf den Dow Jones Russia Titans (WKN: LYX0AF) mit den zehn kapitalstärksten russischen Titeln. Eine Alternative dazu ist ein Produkt von iShares auf den MSCI Russia ADR/GDR (WKN: A1C1HV) der aktuell 16 Aktien umfasst. Ein starkes Übergewicht entfällt dabei auf den Sektor Energie, Finanzen und Rohstoffe.

TEILEN
Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.