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Länderrisiken im ETF-Mantel

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Griechenland-Anleihen

Hoch verschuldete Staaten sorgen aktuell für Schlagzeilen. Anleger,die auf Staatsanleihen-ETFs setzen, sollten die Länder-Bonität im Blick behalten.

Staatsanleihen sollen  Stabilität  und Sicherheit in ein Portfolio bringen.  Insbesondere als die Aktienmärkte während der Krise große Verluste  verbuchten,  rückten  die  festverzinslichen Papiere in den  Fokus vieler Anleger. Doch seit sich  die  Finanz-  und  Wirtschaftskrise  zur  Schuldenkrise  auf  Länderebene  entwickelt  hat, sollten Anleger auch diese Investments genau beobachten. Dies gilt für Anleihen selbst, aber auch für ETFs, die diese  abbilden.

Der  Worst  Case  für  Investoren  besteht  im  Komplett-Ausfall  einer  Anleihe. Viele  Marktteilnehmer  halten  dies  für  unwahrscheinlich. Dass  die  Euro-Länder  vor  wenigen  Tagen  erneut  eine  Milliardentranche  für  Griechenland  abgesegnet  haben, bestätigt diese Annahme. Allerdings  hat  die  Ratingagentur  Standard  &  Poor’s  (S&P)  vor  einem  teilweisen  Kreditausfall  gewarnt.  Denn  aktuell  wird diskutiert, ob private Gläubiger  wie  Banken  und  Versicherungen  bis  2012  fällige Gelder aus griechischen  Anleihen  wieder  reinvestieren. Derart verlängerte Anleihen könnten von  der Ratingagentur als Kreditausfall.bewertet und  bei der Europäischen Zentralbank nicht mehr als Sicherheit  hinterlegt werden.

Doch auch wenn der Totalausfall ausbleibt:Gerät ein Land in Zahlungsschwierigkeiten, sinken in der Regel die Kurse der entsprechenden  Bonds.

Kursrutsche bei einigen europäischen ETFs auf europäische Staatsanleihen

Der Vorteil von Anleihen-ETFs:  Da diese Indizes abbilden, die gleich mehrere Anleihen, meist zu verschiedenen  Staaten, enthalten, muss sich dies nicht stark auswirken.  Dennoch  zeigen  beispielsweise  die meisten ETFs auf europäische Staatsanleihen im Frühjahr 2010 einen auffälligen Kursrutsch.  Zu  dieser  Zeit  stufte S&P  Griechenland, Portugal und Spanien herab.  Als Schutz  vor ausfallenden Anleihen sind die meisten Indizes so konstruiert,  dass Bonds entfernt  werden, wenn sie ein festgesetztes Mindest-Rating nicht mehr erreichen.  Ausschlaggebend  ist  jedoch  meist  der  Durchschnittswert  aus den Ratings der drei großen Agenturen Moody’s, Fitch und  Standard  &  Poor’s. Die  Folge: Anleihen  bleiben  auch dann noch in den Indizes, wenn  eine der drei  Ratingagenturen die Papiere schon nicht mehr  im Investmentgrade-Bereich  führt. Noch Monate nach dem  Bekanntwerden der  Missstände  in  Griechenland  waren daher Anleihen des Mittelmeerstaats  in  vielen  Renten-Indizes enthalten. Denn die Herabstufung erfolgte bei den Agenturen nicht gleich schnell. Heute allerdings sind kaum noch griechischen Staatsanleihen in den ETFs zu  finden.  Diese  Papiere  wurden verkauft, wenn auch mit großer  Wahrscheinlichkeit  mit  Verlust,  da  die Kurse bereits  stark  gefallen waren.

Einige Ausnahmen,  die jetzt noch auf griechische Papiere zurückgreifen,  sind dennoch am Markt zu finden. Beispielsweise listet eine ganze  Reihe von Amundi ETFs solche in der Zusammensetzung auf.  Dabei handelt es sich um die Fonds zu EuroMTS  Eurozone Government Broad Indizes  mit  unterschiedlichen Laufzeiten.  Die griechischen Indexanteile beschränken sich allerdings auf 1,9 bis  3,7 Prozent.

Mit einem Anteil von 2,0 Prozent ist auch bei einem ETF von  Lyxor  der Einfluss griechischer Anleihen auf die Gesamtperformance gering  (ISIN:  FR0010174292). Der Fonds bildet den EuroMTS Inflation Linked  Index  ab. Er kann  jedoch  als  Beispiel für eine Problematik angeführt  werden, die die Transparenz einiger Fonds betrifft: Dass griechische Anleihen hier eine Rolle spielen, ist für  den  Anleger  nicht  klar  ersichtlich.  Wer  sich  auf  der  Internetseite die Fondszusammensetzung  anzeigen lässt, erhält ein Griechenfreies. Portfolio auf dem Monitor. Der ETF ist  Swap basiert  und  daher  nicht  zwangsläufig aus den gleichen Bausteinen wie  der  zugrunde  liegende Index zusammengesetzt. Für die Performance ist dennoch der Index ausschlaggebend.

Auch hier gilt: Bei höheren Zinsen gibt es auch höhere Risiken

Das  bloße Vorhandensein von Anleihen mit schlechter Bonität in einem  Portfolio muss  jedoch kein Nachteil  sein.  Wie bei allen  Investmentprodukten gilt auch hier: Höhere Risiken bergen höhere Chancen, zumindest  gilt dies vor dem Anleihenkauf. Griechenland und andere stark verschuldete  Staaten  müssen  mit  höheren Zinsen  locken,  um  ihre  Anleihen  am  Kapitalmarkt platzieren zu können.  Deshalb sind seit einiger Zeit auch  ETFs am Markt, mit denen Anleger gezielt auf Anleihen bonitätsschwacher  Länder  setzen  können.  Der  Amundi  ETF  ex  AAA  Government  Bond  EuroMTS  (ISIN:  FR0010892190)  klammert beispielsweise hoch bewertete  Anleihen explizit aus.

Die Liste der enthaltenen Länder liest sich wie eine Aufzählung aller europäischer Staaten, die zuletzt wegen besonders hoher Verschuldungen  Schlagzeilen machten:  Belgien, Italien, Irland, Portugal, Spanien und Griechenland.  Die Hellas-Anleihen kommen dabei auf einen Anteil von 7,5 Prozent. In den vergangenen Monaten ist die Strategie nicht  aufgegangen: Auf Ein-Jahres-Sicht sank der  Kurs um 5,3 Prozent.

Dieser Artikel wurde der Analysis Kompakt Nr. 07/2011 von Scope entnommen.

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