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Licht und Schatten von Emerging Markets ETF-Anlagelösungen

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EmergingMarkets

Passive Indexfonds (ETFs) werden immer öfters von Portfoliomanagern aktiv gemanagter Fonds eingesetzt. Es wird versucht, die Vorteile beider Welten zu verbinden. Verschiedenen Konzepten gelingt dies auch sehr gut. Drei ETFStrategien mit regionalem Bezug zu Emerging Markets konnten allerdings bisher wenig überzeugen.

Nicht jeder Anleger möchte sich täglich mit den Finanzmärkten auseinandersetzen. Viele haben auch schlicht keine Zeit, sich kontinuierlich mit ihren Depots zu beschäftigen. Sie vertrauen dann lieber auf das Fachwissen von Experten. Da klingt es doch toll, wenn Anlagestrategen die eierlegende Wollmilchsau versprechen, die Vorteile aktiven Managements durch gezieltes Indexpicking mit denen kostengünstiger und börsentäglich handelbarer ETFs zu verbinden. Doch auch hier müssen Kompromisse eingegangen werden. Denn aktives Fondsmanagement ist aufgrund des höheren Aufwandes stets teurer als der Kauf von einzelnen ETFs. Und um das Versprechen eines kostengünstigeren Produktes als die der sonstigen aktiv gemanagten Fonds zumindest teilweise zu erfüllen, setzen diese Manager dann meist auf technische Trendfolgesysteme mit geringem Verwaltungsaufwand.

Schwere Zeiten für Trendfolgesysteme

Angesichts immer politischerer Börsen, eines grundlegenden Wandels der Finanzmärkte mit immer kürzeren Zyklen wird es für Trendfolgesysteme schwierig. In der Folge gelingt es nicht allen, sich den wandelnden Bedingungen der Märkte entsprechend anzupassen. Zumal es in Zeiten keiner klaren Trends schon immer schwierig war, eindeutige Signale zu empfangen. Sind die Systeme noch mit kostenintensiven Garantiesicherungssystemen verbunden, reduziert sich die zu erwartende Performance zusätzlich. Dies weiß jeder von der Kfz-Versicherung: Teil- oder Vollkasko kostet Geld. Und je umfangreicher der Schutz, desto teurer wird es. Dafür bieten sie Schutz in Krisenzeiten.

Assenagon Trend EM 75

EmergingMarketsSchwereZeitEiner der ETF-Strategien, die auf ein solches Konzept setzen, ist der Assenagon Trend EM 75 (WKN: A1CXTV). Er setzt über ein Trendfolgesystem auf diejenigen acht Länder oder Regionen aus einem Gesamtuniversum von 18 betrachteten Märkten, die positive Trends aufweisen. Das waren Ende März die Türkei, EMEA, Chile, Taiwan, Osteuropa, Korea, Vietnam und Russland. Zur Vermeidung einer regionalen Übergewichtung beträgt das Maximalgewicht ausgesuchtem Markt 15 Prozent. Die Auswahl erfolgt anhand der Kriterien positives Momentum und Schwankungsintensität der negativen Abweichung vom Mittelwert (Downside Volatility). Verknüpft ist das Konzept zudem mit einer Höchststandsicherung von 75 Prozent, die börsentäglich angepasst wird. Seit Fondsauflage im Mai 2010 erzielte der Fonds eine Rendite von 1,94 Prozent, während die Schwellenländer 12,73 Prozent erwirtschafteten. Auf Jahressicht liegt der Fonds allerdings aufgrund seines Sicherungssystems vorn. Während die Schwellenländermärkte durchschnittlich rund 2,82 Prozent korrigierten, erzielte der Fonds ein leichtes Plus von 2,95 Prozent. Und dies bei deutlich geringerer Wertschwankung von 8,72 Prozent (Durchschnitt Schwellenländer: 17,30 Prozent). Das Fondskonzept kostet 1,60 Prozent pro Jahr.

AVANA Index Trend Emerging Markets and Cash R

Ein anderes Modell verfolgt der AVANA Index Trend Emerging Markets and Cash R (WKN: A0RGWN). Er setzt vorrangig auf die 11 stärksten Schwellenländer und investiert vorrangig in die großen BRICStaaten (Brasilien, Russland, Indien und China). Die Gewichtung erfolgt anhand der Höhe des Bruttoinlandsproduktes. Je nach Trendfolgesystem kann der Fonds sowohl in Long- als auch in Short-ETFs investieren. Bei stark negativer Einschätzung geht der Fonds auch in Geldmarkt- ETFs. Auch hier kann die Performance in der kurzen Zeit seines knapp zweijährigen Bestehens bisher nur wenig überzeugen. Seit Jahresbeginn erzielte er ein Minus von 2,56 Prozent, seit Auflage -11,76 Prozent. Die Kosten des Fonds schlagen mit 1,20 Prozent pro Jahr zu Buche.

ETF-Dachfonds Emerging Markets Plus Money

Dritter im Bunde ist der ETF-Dachfonds Emerging Markets Plus Money (WKN: 976332) von Veritas. Dieser investiert in ausgewählte Emerging-Market-Länder, die im MSCI Emerging Markets vertreten sind, sowie je nach Marktsituation auch in den Geldmarkt. Auswahl und Gewichtung des Aktien- und Geldmarktanteils erfolgen über das von Veritas entwickelte Trendphasenmodell. In negativen Aktienphasen kann der ETF auch vollständig in den Geldmarkt gehen, denn Kapitalerhalt geht laut Fondsmanagement vor Renditemaximierung. Ende März betrug die Aktienquote knapp 90 Prozent. Die größten Positionen im Fondskonzept waren Ende März der db x-trackers MSCI EMEA TRN (WKN: DBX1EA), der Source Markets MSCI Emerging Markets (WKN: A1JM6G), der db x-trackers MSCI EM Asia TRN (WKN: DBX1MA), der db xtrackers MSCI EM LATAM TRN (WKN: DBX1ML) und der iShares MSCI Brazil (WKN: A0HG2M). Mit -1,77 Prozent seit Jahresbeginn und mit -7 Prozent auf Jahressicht sieht auch hier die bisherige Bilanz nicht unbedingt positiv aus.

Noch wenig Praxiserfahrung

Die beschriebenen Entwicklungen der Fonds sind allerdings aufgrund der noch nicht einmal zweijährigen Erfahrung nur kurzfristige Momentaufnahmen. Solche regelbasierten Anlagekonzepte unabhängig vom Bauchgefühl eines Fondsmanagers machen nur Sinn, wenn der Anleger sie langfristig als strategisches Investment im Depot hält. Die wahre Stärke spielen diese Konzepte auch erst in Abwärtsphasen aus. Das Fondsmanagement kann so durch den Switch in Geldmarkt oder durch Wertsicherungskonzepte Krisensituationen überbrücken. Daher empfiehlt Veritas auch eine Mindesthaltedauer ihres Fonds von 7 Jahren. Sind die Trends wieder eindeutiger ohne ständiges Auf und Ab an den Börsen, können diese ETF-Strategien durchaus ihre Stärke zeigen und den Markt outperformen.

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